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up 8 Theorien über Rassismus und Antirassismus
up 8.3 Konzeptionen von Rassismus und Antirassismus

8.3.1 Das Konzept der absoluten Autonomie des Rassismus und der reaktive Antirassismus

Im Modell der absoluten Autonomie wird Rassismus als ein Phänomen für sich, als ein in sich geschlossenes System gesehen, das als solches bekämpft werden könnte – etwa in bestimmten (keineswegs allen) Ansätzen der Pädagogik, der Therapie, in Workshops etc. Rassismus wird dabei als ein von pathologischen oder fehlinformierten Individuen ausgehendes Phänomen gedacht. Die systematische Verknüpfung und tiefe Verankerung von Rassismus, Kolonialismus und den Dynamiken der Ungleichheiten der internationalen Arbeitsteilung bzw. von Rassismus und Moderne in aktuellen Gesellschaftsordnungen wird dabei verdrängt.

Mit diesem Rassismusmodell korrespondiert die Version des reaktiven Antirassismus (vgl. Pühretmayer 2002, 294ff.), der als Antwort auf und als Gegenmaßnahme zu rassistischen Äußerungen und Praxen verstanden wird. Die dominante Spielart des reaktiven Antirassismus stellt der moralische bzw. humanistische Antirassismus dar, der mit moralischen Appellen an eine vorausgesetzte common-sense-Ideologie von Humanität operiert. Moralischer Antirassismus bescheidet sich damit, Rassismus als böse zu denunzieren. Er wird nur abwehrend gegen rassistische "Auswüchse" aktiv und thematisiert strukturelle Aspekte erst gar nicht. Ohne die strukturellen Bedingungen anzugreifen, begnügt er sich insbesondere mit Appellen an Toleranz und die Förderung des "Miteinander" (Bonnett 2000, 97).

Darstellung der rassistisch Diskriminierten: Die Interessen der rassistisch Diskriminierten werden tendenziell nur berücksichtigt, sofern sie nicht mit den eigenen "Privilegien" in Widerspruch geraten. Politische Forderungen zur Verbesserung der gesellschaftlichen Stellung bislang rassistisch diskriminierter Personen und Gruppen tauchen am Horizont dieses Ansatzes nicht auf. Rassistisch Diskriminierte werden nur in der Rolle von beschützenswerten und hilfsbedürftigen Opfern bzw. Objekten vorgestellt, woraus eine paternalistische Entmündigung, ein Absprechen eigener politischer Handlungsfähigkeit und ein Verschweigen bisherigen politischen Handelns resultieren. Der moralische Antirassismus verdrängt außerdem die Rassismen der "Eliten".

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