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up 8 Theorien über Rassismus und Antirassismus
up 8.3 Konzeptionen von Rassismus und Antirassismus

8.3.3 Das Konzept der relativen Autonomie des Rassismus und der emanzipatorische Antirassismus

Das Modell der relativen Autonomie von Rassismus geht davon aus, dass 1. Rassismus nicht unmittelbar spezifischen ökonomischen Verhältnissen entspricht, dass 2. in der Realität jeweils mehrere spezifische Rassismen existieren und dass 3. Rassismus nicht isoliert von anderen Herrschaftsverhältnissen (Klassenverhältnisse, Sexismus, Homophobie, Nationalismus, Ausbeutung und Militarismus etc.) verstanden werden kann (Solomos 1987, 62). Die verschiedenen Herrschaftsverhältnisse "beeinflussen" einander nicht nur wechselseitig, sondern sind für die jeweils anderen konstitutiv. Zudem wird den staatlichen und zivilgesellschaftlichen Aktivitäten bei der Produktion (Balibar 1993, 71, 129f.) und Reproduktion des Rassismus mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

Rassistischer Macht-Wissen-Komplex: Im Modell der relativen Autonomie des Rassismus wird weiters angenommen, dass der rassistischeMacht-Ideologie- Komplex kein offensichtlich lokalisierbares und planmäßig agierendes Zentrum hat. Er ist nicht als eigener Apparat organisiert, sondern er wirkt ausschließlich in verschiedenen – schulischen, juristischen, kulturellen, ökonomischen, politischen etc. – Institutionen, in rassistischen Ausschließungspraxen, sowie im Alltagshandeln (Müller 1992).

Diesem Rassismuskonzept entspricht das Modell des emanzipatorischen Antirassismus (vgl. Pühretmayer 2002, 298f.), der "mehr ist als Opposition gegen Rassismus". Er kann verstanden werden als eine Kombination von politischen Diskursen und Praktiken, die Antworten auf alltägliche und strukturelle Rassismen mit dem Entwurf einer alternativen Gesellschaft verknüpft, deren Strukturen auf Prinzipien wie soziale Gerechtigkeit, Gleichheit bzw. "égaliberté" (Balibar 1993), Solidarität, Menschenrechten und radikaler Demokratie beruhen.

Zentral für ein gegen-hegemoniales antirassistisches Projekt sind kritisch-solidarische Formen des Zusammenarbeitens zwischen antirassistischen und (anderen) sozialen Bewegungen (Lloyd 1998, 244). Derartige Bündnisse werden nie harmonisch sein, sie werden immer von Ambivalenzen gekennzeichnet sein aufgrund der notwendigerweise unterschiedlichen Interessen und Beweggründen innerhalb der Allianzen, die für ein derartiges Projekt geschlossen werden müssen (vgl. auch Balibar 1993, 65).

Dekonstruktion der Rassialisierung: In rassistischen Diskursen und Praktiken werden soziale Verhältnisse und Probleme (Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot etc.) als Resultat der Anwesenheit von MigrantInnen oder von Auseinandersetzungen zwischen ethnifizierten Gruppen konstruiert. Eine theoretische und praktische Dekonstruktion dieser Rassialisierung muss dagegen, so Maxim Silverman (1994, 65) soziale Verhältnisse und Probleme als Strukturprobleme der Wirtschaftsweise sowie des politischen "Versagens" der Regierenden aufzeigen. Dabei muss auch das Verdrängen und Verschweigen von MigrantInnen als politischer Subjekte aufgebrochen werden (Bojadžijev 2008; Bratić 2002).

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