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up 1 (Sozial-)Wissenschaftliche Theorien
up 1.2 Wissenschaftstheorie, Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftssoziologie

1.2.1 Wissenschaftstheorie

Wissenschaftstheorie bezieht sich zum einen auf die allgemeinen Grundcharakteristika der gesellschaftlichen (auch politischen) Realität (die Frage der Ontologie), andererseits darauf, was wir in welcher Weise über diese Realität wissen können (die Frage der Epistemologie).

WissenschaftstheorieWissenschaftstheorie, Grafik: Armin Puller

Beispiele für ontologische Fragestellungen: Haben die Untersuchungsgegenstände der Naturwissenschaften (wie bspw. Bewegungsgesetze der Sterne, biologische Gesetze etc.) und diejenigen der Sozialwissenschaften (z.B. Herausbildung und Wirksamkeit von ökologischen, feministischen und anderen sozialen Bewegungen; der fordistische Wohlfahrtsstaat; die Krisen von Demokratien; mögliche Zusammenhänge von politischem (Nicht-)Engagement und prekarisierten Arbeitsverhältnissen; Ursachen von Kriegen; etc.) die gleiche Struktur oder gibt es zwischen ihnen gravierende qualitative Unterschiede in ihren Eigenschaften? Wie ist das Verhältnis von Strukturen (Kontexten) und (individuellen, kollektiven) Handlungen beschaffen; welche Wirkungen haben Ideen bzw. Theorien auf politische Prozesse? Sind Institutionen gesellschaftliche Phänomene mit eigener Dynamik oder sind sie ausschließlich die Summe (das "Aggregat") der Handlungen der beteiligten Menschen?

Beispiele für epistemologische Fragestellungen: Was sind die Bedingungen dafür, dass wir Wissen bzw. Erkenntnis über die (politische) Realität erwerben? Wie sicher kann unser Wissen sein? Können die Erkenntnisse, die wir in einem relativ eng begrenzten Kontext gewonnen haben, verallgemeinert werden? Nach welchen Kriterien kann über die Geltung dieser Erkenntnisse entschieden werden? Mit welchen Argumenten und Gründen werden bestimmte politikwissenschaftliche Erklärungen gegenüber anderen bevorzugt? (Hay 2002, 61-65).

Situiertheit von WissenschaftlerInnen: Weiters sind die Fragen zu stellen, ob WissenschafterInnen im Forschungsprozess ihre gesellschaftliche und (gesellschafts-)politische Positioniertheit und Positionierung (also wie sie sich selbst positionieren innerhalb der verschiedenen Bereiche einer Gesellschaft) "verdrängen" oder "ausschalten" können. – Fragen: Sollen bzw. können WissenschaftlerInnen überhaupt ihre Positionierung völlig ausschalten? Vermitteln bestimmte Positionierungen (z.B. Erfahrung von geschlechts- und klassenspezifischer oder/und rassistischer Diskriminierung) möglicherweise einen genaueren Blick auf bestimmte gesellschaftliche Vorgänge? (Harding 1991, 179f.; Singer 2005, 198f.).

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