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up 1 (Sozial-)Wissenschaftliche Theorien

1.3 Forschungsansatz: Wissenschaftstheorie und Gesellschaftstheorie

Als Forschungsansatz kann eine Kombination jeweils spezifischer (und kompatibler) Annahmen aus der Wissenschaftstheorie und der Gesellschaftstheorie bezeichnet werden. – Jede empirische Forschung, jede sozialwissenschaftliche Theorie und jede sozialwissenschaftliche Analyse geht (notwendigerweise) immer von bestimmten wissenschaftstheoretischen und gesellschaftstheoretischen Voraussetzungen aus. Diese Thesen werden allerdings nur selten explizit dargestellt.

Forschungsansatz: Wissenschaftstheorie und GesellschaftstheorieForschungsansatz: Wissenschaftstheorie und Gesellschaftstheorie, Grafik: Armin Puller

Für die Arbeit jeder Sozialwissenschaftlerin und jedes Sozialwissenschaftlers ist es daher notwendig, sich einen Überblick über verschiedene Forschungsansätze zu verschaffen und deren Argumente zu reflektieren. Die Verwendung eines bestimmten Forschungsansatzes für die eigene Forschung kann sinnvollerweise nur auf der Basis begründeter Argumente geschehen und nicht als eine beliebige Wahl. – Einen Überblick finden Sie z.B. in Blaikie 2007.

Gesellschaftstheorie: Gesellschaftstheorien beinhalten Thesen über die spezifischen Formen des Zusammenhangs und der Art der zentralen "Elemente" einer Gesellschaft. Dazu zählen bspw.

  • das Zusammenwirken von Klassen, Geschlechtern und anderen gesellschaftlichen "Gruppen" (sowie die Frage, wie und weshalb Menschen als solche Gruppen konstruiert bzw. produziert werden);
  • das Verhältnis (Determination, Pluralismus, Artikulation etc.) – und die jeweils bestimmenden Kräfte – von Ökonomie, Politik/Staat und Ideologie/Diskurs/Wissenschaft;
  • der Stellenwert von individuellen und kollektiven AkteurInnen und deren Interessen, Identitäten, Begehren, Fähigkeiten (z.B. der Veränderung sozialer Verhältnisse) etc.;
  • die Frage, ob Klassen, Schichten oder/und Lebensstile die wesentlichen Strukturmomente einer Gesellschaft sind;
  • Thesen über die Beschaffenheit von Macht- und Herrschaftsverhältnissen, ihre Beziehungen zueinander, sowie auch Annahmen, ob eine herrschaftsfreie Gesellschaft möglich ist oder ob es in erster Linie um die Frage der Legitimation von Herrschaft gehen soll;
  • Thesen über den Gesamtprozess der gesellschaftlichen Entwicklung (ihre Reproduktion bzw. Transformation, ihre Spannungen und Widersprüche aus unterschiedlichen Bereichen mit jeweils relativ autonomen Handlungslogiken etc.);
  • weitere Themen wie das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit; das gesellschaftliche Verhältnis zur Natur; welche Kräfte als in der Gesellschaft integrierend oder spaltend gesehen werden; wie zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft (wenn überhaupt) unterschieden wird; die Bedeutung von Zeit (Geschichte) und (sozialem) Raum; die Annahmen über gesellschaftlichen Fortschritt und Modernisierung; den Stellenwert von Leben (Biomacht, Biopolitik etc.) und Tod (Krieg, Militär, Folter etc.); u.v.m.
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