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Clemens Freiherr von Pirquet wurde am 12. Mai 1874
in Hirschstetten nahe bei Wien geboren. Nach Ablegung
der Reifeprüfung im Wiener Theresianum 1892 begann
er ein Studium der Theologie in Innsbruck und ging nach
einem Jahr als Hörer an die philosophische
Fakultät in Löwen. 1895 begann er in Wien ein
Medizinstudium, das er in Königsberg und Graz
fortsetzte, wo er 1900 promovierte.
Bereits in Königsberg begann er mit ersten
wissenschaftlichen Arbeiten und verbrachte nach der
Promotion fast ein Jahr in Jena, um bei Otto Heubner
eine pädiatrische Ausbildung zu absolvieren. Nach
seiner Rückkehr nach Wien fand er im St.
Anna-Kinderspital unter der Leitung von Theodor
Escherich eine Arbeitsstätte, wo ihm
Möglichkeiten für seine Forschungsarbeit
geboten wurden. Bereits 1903 ließ er mit seinem
Vortrag "Zur Theorie der Vakzination" in der
"Deutschen Gesellschaft für
Kinderheilkunde" in Kassel aufhorchen. Er
verfolgte seine darin angesprochenen Thesen gemeinsam
mit seinem Kollegen Bela Schick weiter und publizierte
1905 die Arbeit "Die Serumkrankheit". Er
vertiefte sich mehr und mehr in diesen
Forschungsbereich und prägte den Begriff der
Allergie.
1908 wurde er Dozent und erhielt bald danach ein
Angebot an das Pasteur-Institut in Paris und den Ruf
nach Baltimore an die John Hopkins-Universität, wo
er als erster den Lehrstuhl für Kinderheilkunde
einnehmen sollte. Er entschied sich für Baltimore,
kehrte aber nach einem Jahr wieder nach Europa
zurück, um in Breslau die Nachfolge von Adalbert
Czerny anzutreten. Auch dort blieb er nicht lange, denn
im Februar 1911 starb in Wien Theodor Escherich, der
Vorstand der Universitäts-Kinderklinik. Clemens
Freiherr von Pirquet nahm das Angebot an, die Stelle
Escherichs einzunehmen und kehrte nach Wien
zurück, wo er Vorstand der neuen
Universitäts-Kinderklinik im Allgemeinen
Krankenhaus wurde. Neben den organisatorischen Belangen
innerhalb des Klinikbetriebes widmete sich Pirquet
neben seiner bisherigen Erforschung der
Infektionskrankheiten vor allem der
Ernährungslehre. Er entwickelte ein eigenes
Ernährungssystem, das sogenannte
"NEM-System" (Nähreinheit Milch).
In seiner letzten Schaffensperiode widmete sich
Pirquet vor allem der mathematischen und geographischen
Darstellung seiner Arbeit über die "Allgerie
der Lebensalter".
Clemens Freiherr von Pirquet schied am 28. Februar
1929 gemeinsam mit seiner Frau freiwillig aus dem
Leben.
Die wissenschaftliche Leistung von Pirquet war nicht
nur zu seiner Zeit herausragend. Es gelang ihm, auf dem
Gebiet der Erforschung von Infektionskrankheiten einige
bedeutende Erfolge zu erzielen, die manchmal vorhandene
Lehrmeinungen revidierten oder in einem anderen Licht
erscheinen ließen. Er legte damit den Grundstein
zu weiterführenden Forschungsarbeiten und ist vor
allem als Begründer der Allergielehre in die
Medizingeschichte eingegangen. Die Bedeutung seiner
Arbeit zieht sich bis in die Gegenwart. Trotzdem wurde
Clemens von Pirquet nicht in dem Ausmaß
gewürdigt, wie es anderen Wissenschaftern seiner
Größe zuteil wurde. Doch nicht nur auf
wissenschaftlichem Gebiet leistete Pirquet
hervorragendes. Er war in verschiedenen Ämtern
auch in humanitären Bereichen äußerst
erfolgreich, wie beispielsweise die Organisation der
Kinderausspeisung gemeinsam mit dem amerikanischen
Kinderhilfswerk nach dem Krieg zeigt. Mit diesem
interdisziplinären Projekt soll nun versucht
werden, sowohl dem Menschen, als auch dem
Wissenschafter Pirquet gerecht zu werden.
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