Hans Kelsen - Institut

„Diese Land könnte mehr wie ihn brauchen”
Nachruf. Verfassungsrechtler Heinz Mayer über seinen legendären Kollegen, den Wiener Rechtsgelehrten Robert Walter

(Salzburger Nachrichten vom 3. Jänner 2011, Seite 2)

Heinz Mayer

Vor wenigen Tagen, am 25. Dezember 2010, ist Robert Walter; einer der bedeutendsten Rechtswissenschafter der Zweiten Republik, in Wien gestorben. 1931 in Wien geboren, fiel sein Schulbesuch in schwierige Zeiten. Nach der Matura in Wiener Neustadt im Jahre 1949 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität-Wien, promovierte 1953 zum Dr. jur und wenige Jahre später zum Dr. rer. pol. Nach seinem Studium schlug er eine Berufslaufbahn in der Justiz ein und wurde 1957 zum Richter ernannt.

Schon als Student entwickelte Robert Walter eine starke Neigung zur Wissenschaft. Von seinem Lehrer Adolf Julis Merkl bestärkt, habilitierte er ich 1960 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

Im Jahr 1962 wurde er an die Universität Graz berufen, 1966 folgte die Rückkehr nach Wien an die damalige Hochschule für Welthandel, heute Wirtschaftsuniversität.

1975 wurde Robert Walter an die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1999 forschte und lehrte.

Sein umfangreiches wissenschaftliches Werk steht in der Tradition der Wiener Rechtstheoretischen Schule und deren Hauptvertreter Hans Kelsen und Adolf Julius Merkl. Das Streben nach größtmöglicher Rationalität in der Rechtswissenschaft war für Robert Walter prägend; die Rechtswissenschaft hat die Aufgabe das Recht zu erkennen, hat dieses aber nicht zu gestalten. Insofern hat die Rechtswissenschaft „rein”, d.h. frei von politischem Wollen, zu sein.

Als akademischer Lehrer war Robert Walter streng und anspruchsvoll. Dass jemand Rechtswissenschaft studiert, ohne von dieser begeistert zu sein, blieb ihm völlig unbegreiflich. Für seine große Zahl an Schülern war er stets fördernd und fordernd.

Robert Walter war kein Bequemer: Hatte er nach reiflicher Überlegung seinen Standpunkt gefunden, verfolgte er diesen konsequent bis unerbittlich.

Ein großes Anliegen war ihm das Hans-Kelsen-Institut, an dessen Errichtung er im Jahre 1971 maßgeblich beteiligt war. Bis zuletzt forschte er an diesem Institut und versuchte die Reine Rechtslehre weiterzuentwickeln. Das Hans-Kelsen-Institut ist heute eine weltweit bekannte Institution.

Robert Walter war ein Mann mit Profil und Kraft; er stand zu seiner Meinung selbst dann, wenn es unbequem war. Dieses Land könnte mehr solcher Persönlichkeiten brauchen.