Welt

 

 

 

 

 

Vorwort

Christmas-Shopping in NY, Frühstücken in Paris, Baden an der Algarve, Surfen auf Hawaii, Bodengymnastik in Moskau. Das ist dir zu seicht?
Autofahren in Deutschland, Zahnprothesen in Ungarn, Tschickkaufen in Tschechien, Paella auf Mallorca, Gelatti in Lignano. Das ist dir zu tief?

Oder doch lieber Zeitgeschichte in Warschau, Philosophie in Prag, Kunstgeschichte in Bologna, Anglistik in Toronto, Germanistik in Zürich?

Es gibt wahrscheinlich ebenso viele Motive wie Möglichkeiten, die oder das Weite zu suchen und einige Zeit als StudierendeR in einem anderen Land zu verbringen, sich mit neuen und anderen Menschen bzw. Umständen auseinander zu setzen und vielleicht auch etwas Anderes und Neues zu erleben.

Ein Auslandsstipendium zu bekommen ist im Grunde ziemlich einfach, und Möglichkeiten dafür gibt es genug. Aufgrund der Fülle an Informationen und der laufenden Änderungen ist diese Broschüre sicherlich nicht vollständig. Ziel dieses Leitfadens ist es, einen kleinen Überblick über die verschiedenen Auslandsstipendien zu geben, wobei wir von der Perspektive von Studierenden der Geisteswissenschaftlichen Fakultät ausgegangen sind.

All diejenigen, die aus politischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder persönlichen Gründen Österreich einmal aus einiger Distanz betrachten wollen, können diese Broschüre auch als Fluchtplan lesen.

Iris & Matthias
(bagru)

Wo, wann, welche Uni, welches Programm?

Je früher du dich über die Möglichkeiten informierst, wie frau/man mit einem Stipendium ins Ausland gehen kann, desto besser sind die Aussichten für ein deinen Vorstellungen entsprechendes Studium im Ausland; denn neben dem relativ bekannten Erasmus-Programm gibt es eine Fülle anderer Auslands-stipendien, die vielleicht sogar besser deinen Ansprüchen (auch in finanzieller Hinsicht) entgegen kommen. Die Wahl des Programmes hängt in gewisser Weise auch von verschiedenen formalen Kriterien ab (z.B. wie weit du in deinem Studium bist).

Die Deadlines für die Bewerbungen sind meistens sehr früh angesetzt (siehe Aushänge am Büro für Internationale Beziehungen bzw. an den Instituten).

Ein frühzeitiges Informieren ist auch deshalb wichtig, um sich einen Überblick über die jeweiligen Bewerbungs-modalitäten zu verschaffen.

Die erste Kontaktadresse ist im Idealfall jenes Institut in Wien, über welches du weg zu gehen planst. Somit kannst du dich noch in Österreich über Lehrveranstaltungen bzw. Lehrende an den Gastunis informieren. Es ist empfehlenswert, noch vor der Abreise mit der/dem StuKo- (Studienkomission)-Vorsitzenden Kontakt aufzunehmen und abzusprechen, welche Lehrveranstaltungen der ausländischen Uni dir in Österreich angerechnet werden.


Ein Auslandsstipendium kannst du nicht nur für dein Hauptfach, sondern auch für dein Nebenfach bzw. die Fächerkombination in Anspruch nehmen.
Unter der Voraussetzung, dass du während der Zeit im Ausland an der Uni in Österreich inskribiert bist und du nach deinem Aufenthalt einen Stundennachweis vorlegen kannst, gehen Familien- und/oder Studienbeihilfe nicht verloren.

An der Gastuni bist du von sämtlichen Studiengebühren befreit.

Einen guten Überblick bietet die Broschüre ?Stipendien ? Studieren im Ausland? vom ÖAD, die jährlich upgedatet wird und im Büro für Internationale Beziehungen oder beim ÖAD gratis erhältlich bzw. abrufbar ist, und zwar unter http://stimadb.oead.ac.at/ (Datenbank, sortiert nach Ländern, Universitäten, Einreichtermin und Programmen).

Allen, die schon einmal weg waren, wird es ähnlich gehen wie uns: Frau/man muss unbedingt wieder weg! Daher: Es wird sich schon wieder ein Auslandsstipendium finden!

SOKRATES/ERASMUS

... ist wohl das bekannteste und am meisten in Anspruch genommene Austauschprogramm, da es an fast allen Instituten angeboten wird. Der bürokratische Aufwand ist relativ überschaubar und die Anrechnung der an der Gastuni belegten Lehrveranstaltungen verhältnismäßig unkompliziert. Zudem erfolgt die monatliche Überweisung einer bestimmten Geldsumme, die von Land zu Land variiert, automatisch (über den ÖAD bzw. für Studienbeihilfenbeziehende über die Studienbeihilfenbehör-de). Die Familienbeihilfe bleibt erhalten, und es wird ein Zusatzsemester gewährt.

Das SOKRATES/ERASMUS-Programm ist für ein Studium im Ausland von mindestens 3 Monaten bis höchstens 12 Monaten vorgesehen. Bei einem ursprünglich geplanten Aufenthalt von weniger als 12 Monaten besteht für dich immer noch die Möglichkeit, dein Auslandsstudium bis spätestens zu Beginn des nächsten Wintersemesters zu verlängern. Entscheidest du dich im vorhinein, ein ganzes Jahr weg zu gehen, so musst du deinen Auslandsaufenthalt mit dem Wintersemester beginnen.

Vorbereitungssprachkurse im Gastland sind teilweise schon vor Antritt des eigentlichen Aufenthaltes möglich. Außerdem werden an vielen Unis kostenlos begleitende Sprachkurse während des Aufenthaltes angeboten.

SOKRATES/ERASMUS kann nur einmal in Anspruch genommen werden!

Fluchtplan

1. Du wendest dich an die ERASMUS-KoordinatorInnen deines Instituts und erfährst, welche Plätze dein Institut anbietet (Liste der jeweiligen KoordinatorInnen im Journaldienst an der Fakultätsvertretung GEWI erhältlich).

2. Sind an deinem Institut bereits alle Plätze vergeben oder entsprechen die jeweiligen PartnerInnenunis nicht deinen Vorstellungen, gibt es die Möglichkeit, Angebote anderer Institute und Fakultäten in Anspruch zu nehmen. Du kannst beispielsweise als SlavistIn über die Nederlandistik ? ohne Nederlandistik inskribiert zu haben ? in Amsterdam Slavistik studieren.

3. Es empfiehlt sich, noch von Österreich aus Kontakt mit dem/der KoordinatorIn des Gastlandes aufzunehmen, um dich mit örtlicher Bürokratie, Unterkunftsmöglichkeiten und Studienablauf (Vorlesungs-verzeichnis ...) vertraut zu machen.

4. Nach mehrmaligem Zettelausfüllen brauchst du noch eine Bestätigung der/s StuKo-Vorsitzenden deiner Studienrichtung über die Anrechenbarkeit von Lehrveranstaltungen, die du an der Gastuni absolvieren willst.

Die Anrechenbarkeit von im Ausland absolvierten Lehrveranstaltungen läuft über die/den StuKo-Vorsitzende/n.

(Mindesterfordernisse: 6 SWSt bei einem Studienaufenthalt bis zu 5 Monaten, 12 SWSt ab 6 Monaten.)

CEEPUS (Central European Exchange Program for University Studies)

Im Gegensatz zum Erasmus/Sokrates-Programm werden im Rahmen von CEEPUS Vollstipendien vom jeweiligen Land gestellt und vor Ort ausbezahlt. Zusätzlich erhältst du ab einem Aufenthalt von einem Monat gegebenfalls auch von österreichischer Seite einen Mobilitätszuschuss.
Als CEEPUS-StipendiatIn bist du von jeglichen Einschreib- und/oder Studiengebühren an der Gastuni befreit.

Am CEEPUS-Programm nehmen folgende Länder teil: Bulgarien, Kroatien, Österreich, Polen, Rumänien, Slowakische Republik, Slowenien, Tschechische Republik und Ungarn. Kenntnisse der jeweiligen Landessprache sind nicht unbedingt erforderlich; CEEPUS ist nicht allein für Studierende vorgesehen, die sich bereits im Rahmen ihres Studiums mit der jeweiligen Sprache, Literatur und Kultur befassen, sondern auch für interessierte Studierende anderer Studienrichtungen (d.h. du kannst beispielsweise als StudierendeR der Sprachwissenschaft in Posen an der Anglistik studieren).

Mit CEEPUS kannst du max. 12 Monate im Ausland studieren, wobei du nicht alle 12 Monate auf einmal in Anspruch nehmen musst. D.h., du kannst die 12 Monate auf jeweils ein Semester in zwei verschiedenen Länder aufteilen.

Nach Abschluss deines Studiums an der Gastuni erhältst du gegen Vorlage eines Berichtes über den Aufenthalt und der Originalreisebelege auch einen Reisekostenzuschuss.

Um ein CEEPUS-Stipendium in Österreich beantragen zu können, musst du:

  • mindestens zwei Semester als ordentlicheR HörerIn an einer österreichischen Uni inskribiert sein,
  • StaatsbürgerIn eines CEEPUS-Mitgliedslandes sein (wobei das Zielland nicht das "Heimatland" des/der BewerberIn sein darf),
  • zwischen 19 und 35 Jahre alt sein und
  • zum Zeitpunkt der Antragsstellung den ständigen Wohnsitz in Österreich haben.

Nähere Informationen über Bewerbungsmodalitäten erfährst du bei:

  • den Netzwerk-KoordinatorInnen (für die GEWI: Prof. Van Uffelen/Nederlandistik, Prof. Krumm/Germanistik),
  • im Büro für Internationale Beziehungen (Dr. Tatjana Antalovsky),
  • im Internet (http://www.oead.ac.at/CEEPUSPublic),
  • beim ÖAD (National CEEPUS Office, Alser Straße 4/1/15/6, 1090 Wien, Dr. Skarits, Tel.: 4277-28189, Fax.: 4277-28194, e-mail: lydia.skarits@oead.ac.at)

Beim ÖAD erhältst du auch den CEEPUS-Leitfaden, der eine Liste aller NetzwerkkoordinatorInnen sowie der einzelnen Plätze im Ausland enthält.

Joint-Study-Programme

Joint-Studies sind Programme, die auf Abkommen zwischen der Universität Wien und anderen Universitäten basieren. Derzeit gibt es Joint-Study-Programme mit verschiedenen Universitäten in Australien, Kanada und den USA (siehe http://www.univie.ac.at/international/).

Ergänzend zum gesamtuniversitären Joint-Study-Programm gibt es auch Abkommen zwischen österreichischen und verschiedenen ausländischen Instituten. Dafür kannst du einen Auslandskostenzuschuss beantragen, der vor allem für Studierende aus den Fächern Anglistik/Amerikanistik, Romanistik, Slavistik und der ÜbersetzerInnen- und DolmetscherInnenausbildung in Frage kommt. Dieser Auslandskostenzuschuss dient vor allem der Perfektionierung der Sprachkenntnisse.

Bewerbungen um einen Studienplatz erfolgen getrennt vom Ansuchen um ein Stipendium, wobei du dir beim Auslandskostenzuschuss für einige Studienaufenthalte den Studienplatz selbst organisieren musst.

Die Anträge werden an den jeweiligen Instituten eingereicht:

  • Institut für Anglistik und Amerikanistik: Univ. Prof. Dr. Rauchbacher, Mag. Wittmann,
  • Institut für Romanistik: InstitutsvorstehendeR,
  • Institut für ÜbersetzerInnen- und DolmetscherInnenausbildung: a.o. Univ. Prof. Dr. Kaindl, Univ. Ass. Dr. Pöchhacker,
  • Institut für Slawistik: Univ. Prof. Dr. Besters-Dilger, Univ. Prof. Dr. Miklas,
  • Institut für Japanologie: Univ. Ass. Mag. Dr. Manzenreiter.

Für fast alle anglophonen Unis ist der TOEFL-Test (Test of English as a Foreign Language) ein ausschlaggebendes Kriterium für die Reihung der BewerberInnen um die Studienplätze. (Testzentrum: Sylvan Technology Center, Kärntnerstr. 25/3, 1010 Wien, Tel.: 512 55 02-0; www.toefl.org).

Die Joint-Study-Programme werden vom Büro für Internationale Beziehungen und der Auslandskostenzuschuss von den oben genannten KoordinatorInnen betreut; genaueres Informationsmaterial und Bewerbungsbögen (die für das Joint-Study-Programm und den Auslandskostenzuschuss dieselben sind) liegen dort auf.

Bei Joint-Study bzw. Auslandskostenzuschuss erhältst du zu der monatlich berechneten finanziellen Unterstützung einen einmaligen Reisekostenzuschuss.

Kulturabkommen

... sind bilaterale Abkommen zwischen Österreich und einer nicht unbeträchtlichen Zahl anderer Staaten, jedoch nicht zwischen Universitäten. Ein Stipendium auf Grundlage eines Kulturabkommens hat einige Vorteile gegenüber anderen Austauschprogrammen: Du kannst dir die Uni selbst aussuchen, an der du studieren willst (sofern sie international anerkannt ist), und erhältst im Vergleich zu anderen Stipendien auch mehr Geld. Lass dich deshalb nicht von den aufwendigen Bewerbungsmodalitäten und den frühen Bewerbungsfristen abschrecken.

Vorausgesetzt werden österreichische StaatsbürgerInnenschaft, Hauptwohnsitz in Österreich, erfolgreiches Studium von mindestens 4 Semestern und oft eine sogenannte Betreuungszusage von der Gastuniversität, an der du studieren möchtest. Es empfiehlt sich, diese Betreuungszusage, d.h. die Zusage für einen Studienplatz an der entsprechenden Universität, auf alle Fälle einzuholen, da diese einerseits die Chancen erhöht, ausgewählt zu werden, andererseits bist du so schon im Kontakt mit ?deiner? Universität getreten.

Bewerbungsunterlagen und detaillierte Informationen über die genauen Bedingungen erhältst du im Büro für Internationale Beziehungen, wo du auch die Bewerbung einreichst.

Die Fristen für die Bewerbung für ein Stipendium auf Basis eines Kulturabkommens sind in der Regel sehr früh angesetzt, manchmal sogar bis zu einem Jahr vor dem eigentlichen Aufenthalt.

Die jeweiligen Einreichfristen erfährst du beim ÖAD oder im Büro für Internationale Beziehungen. Einen guten Überblick bieten die ÖAD-Broschüre ?Stipendien ? Studieren im Ausland? und die Datenbank http://stimadb.oead.ac.at/

Free Mover

Mit Free Mover hast du die Möglichkeit an eine Uni zu gehen, die nicht im CEEPUS- bzw. ERASMUS-Programm ist, d.h. an eine Uni, mit der die Uni Wien kein eigenes Abkommen hat. Vieles (Studienplatz, Befreiung von Studiengebühren ...) musst du dir selbst organisieren.
Bevor du dich in diese Bürokratie-Maschine stürzt, solltest du dich zunächst im Büro für Internationale Beziehungen erkundigen, ob deine gewünschte Zieluni nicht doch über ein anderes Programm angeboten wird.

Für StudienbeihilfenbezieherInnen!

Wenn du Studienbeihilfe beziehst, erhältst du diese während deines Auslandsaufenthaltes weiter, egal welches Programm du in Anspruch nimmst. Die Studienbeihilfe kannst du auch beziehen, wenn du ohne Programm im Ausland studieren willst (bis zu max. 4 Semestern).

Darüber hinaus gibt es für ein Studium in bestimmten Ländern noch die Möglichkeit eines Zusatzstipendiums zur Studienbeihilfe für max. 20 Monate. Die Höhe dieses Stipendiums variiert von Land zu Land. Dieses Zusatzstipendium kannst du aber nicht in Anspruch nehmen, wenn du bereits ein Stipendium eines Austauschprogrammes zugesprochen bekommen hast.

Du musst als Voraussetzung dafür der Studienbeihilfenbehörde einen Nachweis über die erfolgreiche Absolvierung von Lehrveranstaltungen und Prüfungen vorlegen.

Die genauen Richtlinien für diese Unterstützung erhältst du bei der Studienbeihilfenbehörde, Gudrunstraße 179A, 1100 Wien, Tel.: 60 173-0.