Wer wir sind

 

Mehr Infos zu unserer Gruppe, Materialien der IG, sowie vor allem zu unseren KandidatInnen für die ÖH-Wahlen 2013 auf STRV-Ebene findest du unter:

 

www.univie.ac.at/ig-geschichte

 

Wir sind eine offen Gruppe von ca. 15-20 Geschichte Studierenden, die IG (Institutsgruppe) Geschichte, welche die StRV (Studienrichtungsvertretung) Geschichte stellt. Wir vertreten die Interessen der Studierenden im Rahmen der Kommissionsarbeit (z.B. Studienkommission, Institutskonferenzen, Habilkommissionen) und durch die tagtägliche Beratung und Information für Studierende der Geschichte.

Für uns ist es wichtig, die Universität nicht nur auf eine reine Ausbildungsstätte zu reduzieren, sondern einen Lebensraum und einen Ort für politische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskussionen zu schaffen, damit die Universität zu einem Raum wird wo Gedankenaustausch möglich wird. Unserer Meinung nach darf das Studium nicht zum schnellen Schein- und Titelerwerb verkommen, sondern soll der intensiven Auseinandersetzung mit dem Fach dienen.
Studienrichtungsvertretung zu sein bedeutet für uns aber mehr als nur die selbstverständlichen Serviceleistungen anzubieten. Uns ist eine kritische Auseinandersetzung mit unirelevanten und gesamtpolitischen Fragen wichtig, wir wollen in die Entscheidungsprozesse der Universität und der Gesellschaft eingreifen, sie mitgestalten und positiv verändern.

Dies wird besonders seit der Implementierung des neuen Universitätsgesetzes immer schwieriger, da die alten paritätisch besetzten demokratischen Gremien, durch monokratische Organe wie die Studienprogrammleitung ersetzt wurden. Außerdem nimmt der Einfluss von diversen Beratungsgremien, vor allem des Controlling immer stärker zu, was zu einem rein wirtschaftlichen Blick auf Studienangelegenheiten beiträgt.

In Zeiten wie diesen, in denen Studienrichtungen nicht mehr nach dem Interesse der Studierenden, sondern nach wirtschaftlichen Verwertbarkeiten beurteilt werden, kommen Studierende immer mehr in die Lage sich für ihre Interessen rechtfertigen zu müssen. Dieser Trend ist für uns nicht einsehbar und akzeptabel, und deshalb strikt abzulehnen.

Wir fordern eine sozial gerechte Gesellschaft, in der jeder Mensch es sich leisten kann, sich seinen Interessen gemäß zu bilden!

Unsere Grundsätze lauten wie folgt:

 

Basisdemokratisch


Da wir keinen Wert auf Hierarchien und Abstimmungen legen - die Ausschlussmechanismen des Mehrheitsrechts erachten wir für zutiefst undemokratisch - fällen wir unsere Entscheidungen basisdemokratisch, im Konsens. Es wird nicht nach dem Mehrheitsprinzip abgestimmt, sondern ein Thema diskutiert, bis ein für jede/n tragfähiger Beschluss erarbeitet ist. Für diese Entscheidungsfindung, aber auch zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch findet unser wöchentliches Plenum statt, das für alle Studierenden offen ist. Wer mitreden und mitentscheiden möchte, ist herzlichst eingeladen. Aufgrund dieser offenen Organisationsform ist es kaum möglich von einer fixen „Mitgliedschaft“ zu sprechen. Das Plenum findet jeden Mittwoch, um 19 Uhr, am Kora statt.

 

Antifaschistisch


Auch wenn immer wieder versucht wird glaubhaft zu machen, dass Faschismus heute nicht mehr existent bzw. eine Randerscheinung wäre, sind wir der Meinung, dass es trotzdem notwendig ist, dagegen zu kämpfen. Gerade in der jüngeren politischen Diskussion rund um den 3. Nationalratspräsidenten Martin Graf wurde einer großen Öffentlichkeit wieder schmerzhaft vor Augen geführt, wie wenig Antifaschismus in Österreich ein gesellschaftlicher Grundsatz ist. Es gibt allerdings nicht nur „Volksvertreter“ sondern leider auch vereinzelte Lehrende, die bedenklichen Ansichten anhängen. Es erscheint uns sehr wichtig, in solchen Fällen Aufklärung zu leisten und nach Kräften dagegen anzukämpfen. Eines unserer wichtigsten Instrumente, um Menschen zu sensibilisieren ist das Erstsemestrigentutorium. Im Rahmen dieser Veranstaltung behandelnt wir auch Themen, die nicht genehm sind, etwa die NS-Vergangenheit vieler Universitätsmitglieder nach 1945. Außerdem sind wir bemüht durch die Organisation von ZeitzeugInnengesprächen und den Besuch von Ausstellungen oder Erinnerungsstätten das Thema Faschismus und den Kampf gegen Faschismen aller Art in die Öffentlichkeit zu rücken.
Allerdings ist es uns auch allzu sehr bewusst, dass Faschismen ihren Platz auch außerhalb der Universität finden. Deshalb ist es uns ebenso ein Anliegen an Veranstaltungen und Demonstrationen gegen ewiggestrige Umtriebe mitzuwirken und zu diesen aufzurufen.

 

Unabhängig


Irgendwann in einer fernen Vergangenheit gab es eine Universitätsstruktur, die noch starrer und diskriminierender war als die heutige. Im Zuge der 68er-Bewegung, der Frauenbewegung und der Veränderungen der Universitätsstruktur in den 70er Jahren entstanden Gruppen, die es sich zum Ziel setzten, Politik von unten auf den Unis und im Anschluss daran auch in der Gesellschaft zu machen.
Auch wenn sich die strukturellen Gegebenheiten, wie der hierarchische Aufbau der Universität und auch der ÖH sowie die Männerbündelei an den Unis nur sehr langsam ändern, und die gesetzlichen Gegebenheiten sich eher wieder verschlechtern, sind die Ideale einer offenen Universität ohne Diskriminierung nach sozialen oder geschlechtsspezifischen Kriterien, bis heute lebendig.
Unser Anspruch ist es, unabhängige Politik machen zu können, die keinen Parteivorgaben entsprechen muss. Gleichzeitig sehen wir es als notwendig an, dass auf den universitären Instituten keine wie auch immer geartete ÖH- Fraktion Fuß fassen kann, da gute Vertretungspolitik nur von unten möglich ist, von der Basis, für die Basis. Verpflichtet fühlen wir uns nur unseren eigenen (diesen) Grundsätzen sowie den Geschichte- StudentInnen. Durch die dynamische Gruppenstruktur, die sich durch junge StudentInnen immer wieder ändert können sich in der IG Geschichte hoffentlich weiterhin keine autoritären, verkrusteten und hierarischen Strukturen einschleichen.

 

Feministisch


Ein paar Zahlen aus dem Studienjahr 2005/2006 zum Beginnen, die vorgestellten Zahlen stammen aus dem Universitätsbericht 2008, abrufbar unter

http://www.bmwf.gv.at/submenue/publikationen_und_materialien/wissenschaft/universitaetswesen/hochschul_und_universitaetsberichte/2008/

Während mittlerweile 54 % aller StudentInnen Frauen sind, und sogar 57 % der StudienanfängerInnen, sinkt dieser Anteil dramatisch, je höher man in der Universitätshierarchie hinaufsteigt. Nur 42 % der DissertantInnen sind Frauen, bei den Habilitierten Lehrenden sind es gar nur mehr 19 %. Vor kurzem musste die einzige von 21 nun Rektoren auf der Universität für Bodenkultur zurücktreten. Diese Zahlen beweisen eindrucksvoll, dass die derzeitigen Universitätstrukturen noch immer frauenfeindlich sind. In diesen Zahlen kommt auch die geschlechtsspezifische Diskriminierung gegenüber Frauen deutlich zu Ausdruck. Wir werden alle unsere Mittel nutzen, um mehr qualifizierte Frauen in leitende Positionen bzw. an Lehrstühle zu bringen. Gleichzeitig setzen wir in diesem universitären Kontext alle Kräfte dahingehend ein, dass mehr frauen- und geschlechtergeschichtliche Themen behandelt werden, was sich beispielsweise im neuen Masterstudienplan für Frauen und Geschlechtergeschichte oder im gleichnamigen Wahlmodul äußert des Bachelorstudienplans äußert.

Weiters wollen wir die Sichtbarkeit von Frauen und ihrer Arbeit an der Uni stärken. Dies kann z.B. über Frauenprojekte geschehen. Wir alle tragen Verantwortung, dass sich die Diskriminierung von Frauen in und außerhalb der Universität ändert! Alltägliche Sexismen und Diskriminierung dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben!

 

Emanzipatorisch


Verbunden mit unserem Anspruch auf Unabhängigkeit ist es Ziel der basisdemokratischen Organisation, eigenständige, studentische Perspektiven und Sichtweisen fern ab gesellschaftlich und politisch gesetzter Normen zu entwickeln. Unserer Meinung nach soll das Studium allen Studierenden helfen sich selbst zu entwickeln und ihre eigenen selbstbestimmten Wege zu finden, anstatt sich nur auf die Anpassung an so genannte Sachzwänge zu beschränken.
Dazu ist es notwendig, Autoritäten und Hierarchien zu hinterfragen, welche Normen und Verhaltensweisen als selbstverständlich festschreiben. Der Unibetrieb kann dies nicht leisten, solange er auf Autoritäten und Hierarchien aufbaut. Wir versuchen im Erstsemestrigentutorium die Studierenden dabei zu unterstützen, eigene studentische Blicke auf die Institution Uni zu gewinnen. Das geschieht vor allem in gemeinsamen Gesprächen und Diskussionen, in denen u.a. die Lehre und das von den Lehrenden vermittelte Wissen kritisch hinterfragt werden können. Wir bieten damit ein Forum abseits des Leistungsdrucks der Lehrveranstaltungen an, in dem Mut zur eigenen Meinung, zum Widerspruch (auch gegen Lehrende) entwickelt werden kann. Oft kommen im Studienalltag, mit all seinen Anforderungen, die eigenen Anliegen zu kurz.
Wir wollen die Selbstbestimmung der StudentInnen fördern, sodass beispielsweise bei einer Kurs- oder Seminararbeit die eigenen Vorstellungen verwirklicht, eine eigene Meinung gewagt, und ganz allgemein Selbstverständliches wie unselbstverständlich Erscheinendes gefordet werden kann.

 

Undogmatisch


Wer die bisherigen Grundsätze gelesen hat, wird bereits vermuten, dass wir politisch links verortet sind. Gleichzeitig sehen wir aber die Gefahr, dass Positionen, ganz egal welcher politischen Couleur verrosten und erstarren können. Dem gilt es entgegen zu wirken. Jede unserer Positionen und Ideen muss permanent auf dem Prüfstand sein und wiederholter Überprüfungen standhalten. Wenn sich herausstellt, dass eine Neupositionierung notwendig ist, dann ist diese im Rahmen der Basisdemokratie auch möglich.

In diesem Sinne sind zu den traditionellen BAGRU– Grundsätzen (basisdemokratisch, antifaschistisch, undogmatisch, emanzipatorisch, feministisch) zwei weitere, aktuelle Grundsätze dazugekommen.

 

Antirassistisch/ Antixenophob/ Nicht-Diskriminierend


Laut Metternich fängt der Balkan am Rennweg in Wien an. Diese abfällige Äußerung aus dem 19. Jahrhundert drückt sich im 21. Jahrhundert zum Beispiel in Alltagsrassismen gegenüber BügerInnen mit Migrationshintergrund aus. Alltagsrassismen begegnen der PassantIn, dem Passant auf Schritt und Tritt. Durch eine Öffnung der Grenzen, die nur auf die wirtschaftlichen Interessen der Besitzenden zugeschnitten ist verstärken sich diese Tendenzen noch. Freier Kapitalverkehr kommt vor dem Recht von Menschen sich frei zu bewegen. Gegen solche Entwicklungen muss angekämpft werden! Unsere Gruppe ist offen für jede und jeden dem unsere Grundsätze als wichtig erscheinen, unabhängig von Muttersprache und Herkunftsort! KollegInnnen werden schon durch den Deutsch-Eingangstest vor Barrieren gestellt, die Förderung des Austauschs von Studierenden weltweit, und deren Unterstützung, bahnt sich nur langsam ihren Weg in die Köpfe der Verantwortlichen. So kann es leicht passieren, dass ausländische StudentInnen im, ansonsten so starr durchorganisierten Uni-Betrieb, untergehen.

Zu unserer Gruppe gehören auch mehrere Menschen mit migrantischem Hintergrund und nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft. Dadurch sind wir in der Lage, in unseren Journaldiensten auch Beratung in Fremdsprachen, teilweise durch Native Speakers, anzubieten, etwa in Türkisch, Italienisch, Französisch oder Englisch. Außerdem binden wir Menschen aus dem Erasmus Mundus-Projekt auf dem Weg des Tutoriumsprojekts in den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Lebensraum Universität ein.

Gleichzeitig ist es uns unverständlich, dass ältere Studierende diskriminiert werden; deswegen versuchen wir diesem Verhalten entgegen zu wirken. Eine der widerwärtigsten Diskriminierungen an der Universität: die Ablehnung, die behinderten KollegInnen entgegengebracht wird. Solches Verhalten ist nicht tragbar und wir versuchen mit allen Kräften, die uns zur Verfügung stehen, die Bedingungen und das universitäre Umfeld zu verbessern. Das beginnt mit der sprichwörtlichen Barrierefreiheit für RollstuhlfahrerInnen und endet bei der zur Verfügung Stellung von Lehrmitteln für optisch oder akustisch beeinträchtigte StudentInnen.

 

Antiheteronormativ


Eines der Grundübel der Gesellschaft, ist es, dass sie es sich erlaubt in „Richtig“ und „Falsch“ einzuteilen. Gerade wenn es um sexuelle Orientierung oder das Verständnis und Verhältnis von Geschlechtern zu- und füreinander geht, stehen einem offenen Zugang ungeahnte Barrieren gegenüber. In der Gesellschaft gilt das Dogma, dass Heterosexualität in allen Lebensbereichen die Norm darstellt und dass Abweichungen gegen diese Dualität nicht nur unerwünscht, sondern sogar bedrohlich sind. Sexualität wird in den Medien zur Werbung benutzt, und bleibt bei allem Glitzer und Glamour doch ein Thema, dass tabuisiert wird und vom Mainstream verlogen behandelt wird. Es ist offensichtlich, dass es so viele verschiedene Sexualitäten gibt, wie es Menschen auf dieser Erde gibt. Gleichzeitig wird oft nur eine Art der Auslebung von Lust erlaubt. Es ist uns ein Anliegen, eine Auseinandersetzung mit diesem Thema anzuregen und die Schubladen, in die Menschen gesteckt werden, zu zerschlagen. Dies muss sowohl auf einer akademischen Ebene als auch auf einer Alltagsebene mit einer gelebten Auflösung von sexuellen Konventionen geschehen.