Erfahrungsberichte

Erfahrungsberichte

Beitragvon StV Translation » 19. März 2010, 20:50

Wir haben Studierende, die sich jeden Tag mit der (mangelnden) Barrierefreiheit am Zentrum für Translationswissenschaft auseinandersetzen müssen, gebeten, Berichte zu verfassen, in denen sie von ihren persönlichen Erfahrungen im Studium erzählen können. Wir hoffen, durch diese Berichte Studieninteressierten in ähnlichen Situationen einen besseren Einblick in die Situation am Zentrum für Translationswissenschaft geben zu können.

Die Berichte posten wir als Antworten in diesen Thread.
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Re: Erfahrungsberichte

Beitragvon StV Translation » 19. März 2010, 21:06

Erfahrungsbericht von Alexander
Gerne werde ich versuchen, meine Eindrücke über das Leben und Arbeiten am ZTW im Folgenden in Worte zu fassen, die anderen (hoffentlich) Mut machen, ungeachtet der Hindernisse (so es denn welche gibt) das Abenteuer Studium in Angriff zu nehmen.

Nach der Volks- und Hauptschule besuchte ich die Handelsakademie. Dort wurde meine Begeisterung für Englisch so richtig geweckt und für mich stand sehr bald fest, dass ich es gerne auf „professionellerem“ Niveau beherrschen würde. Ich begann, mit einem Studium zu liebäugeln. Als mir schließlich ein Studienführer in die Hände fiel, wusste ich, wie es nach der Matura weitergehen sollte - und so inskribierte ich im September 2001 schließlich für die Übersetzer- und Dolmetscherausbildung, wobei ich mir von Anfang an im Klaren darüber war, dass ich es bis in die Dolmetschkabine schaffen wollte. Mir war auch bewusst, dass dieses Unterfangen ob meiner Gehbehinderung, einer teilweisen Beeinträchtung der oberen Exremitäten und der dadurch eingeschränkten Mobilität nicht einfach sein würde, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Mittlerweile habe ich meine Dolmetscherausbildung im November 2009 zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht.

Inwieweit ein Studium barrierefrei betrieben werden kann, hängt nicht zuletzt immer auch davon ab, wie und vor allem von wem „Barriere“ definiert wird. In meinem Fall konnten alle „Steine“ aus dem Weg geräumt werden, sodass ich summa summarum von einem barrierefreien Studium sprechen würde. Da ich in der Gruppe der weniger Mobilen doch einer der Mobileren bin (ich bin zwar auf die Verwendung so genannter Vierfußgehhilfen, nicht aber auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen), waren alle Hörsäle, Seminarräume und administrativen Einrichtungen für mich gut erreichbar. Zudem hatte ich das Glück, dass nur sehr wenige Lehrveranstaltungen im nach dem Neubau errichteten Zubau, in dem es keinen (!) Lift gibt, stattfanden. Auch die Studienvertretung war über den SR 9 eigentlich recht gut zu erreichen. Probleme könn(t)en sich meiner Einschätzung nach aber für Kollegen ergeben, die, weil sie eben beispielsweise auf den zuvor erwähnten Rollstuhl angewiesen sind, Treppen nicht oder nur mit größeren Schwierigkeiten überwinden können. Es gibt meines Erachtens für diesen Personenkreis z. B. nicht wirklich eine Möglichkeit in die Dolmetschkabinen zu gelangen. Im HS 1 ist es u. U. noch möglich, eine Rampe zu installieren, im SR 5 sind die Zugänge aber definitiv zu schmal.

Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sehr wichtig ist, seine Bedürfnisse zu kommunizieren. Ich kann aufgrund meiner Beeinträchtigung im Verlgleich zu meinen Kollegen nur langsam schreiben. Dank des Verständnisses und Entgegenkommens der Lehrenden am ZTW (und auch an den anderen Instituten, an denen ich zu tun hatte), konnte aber auch hierfür eine Lösung gefunden werden. Beispielsweise legte ich einige LV-Prüfungen nicht schriftlich, sondern mündlich ab. Auch bei den Fachprüfungen hatte ich, wo möglich, mehr Zeit. „Wo möglich“ deshalb, weil eine Verlängerung der Prüfungszeit nicht immer in Frage kommt. Beim Konsekutivdolmetschen z. B. kann die Vortragsgeschwindigkeit des Redners nicht wirklich beeinflusst werden. Durch entsprechend knappere Notizen und verstärkten Rückgriff auf das (eigentlich wesentliche) Gedächtnis vermochte ich, meine langsamere Schreibgeschwindigkeit entsprechend zu kompensieren. Da dies aber nicht von vornherein feststand, hatte ich „sicherheitshalber“ auch den Studienzweig Übersetzerausbildung inskribiert.

Abschließend möchte ich alle Interessierten nochmals ermutigen, eine Ausbildung am ZTW in Angriff zu nehmen. Ich bin mir sicher, dass alles daran gesetzt werden wird, für individuelle Probleme individuelle Lösungen zu finden.



Kommentar von StV Translation: Die im Bericht angesprochenen Ausbildungen „Dolmetscherausbildung“ und „Übersetzerausbildung“ beziehen sich auf Studien, die nicht mehr angeboten werden. Aktuell werden am Zentrum für Translationswissenschaft das Bachelorstudium „Transkulturelle Kommunikation“ und die darauf aufbauenden Masterstudien „Dolmetschen“ und „Übersetzen“ angeboten.
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Re: Erfahrungsberichte

Beitragvon StV Translation » 13. April 2010, 19:18

Erfahrungsbericht von Sandra
Mein Name ist Sandra, ich habe 2009 meine Ausbildung am Zentrum für Translationswissenschaft abgeschlossen.

Im Alter von 20 Jahren erblindete ich aufgrund meiner Diabetes mellitus, führte aber mein Studium fort. Die meisten Professorinnen und Professoren waren mir und meinem Handicap gegenüber aufgeschlossen und ermöglichten mir, viele Prüfungen mündlich zu absolvieren. Auch während der Vorlesungen und Übungen nahm man sehr viel Rücksicht auf mich, das heißt, ich konnte problemlos am Unterricht teilnehmen und den Lehrstoff auf mein Diktiergerät aufnehmen.

Der einzige kritische Punkt für mich war die 1. Diplomarbeit, die ich händisch, das bedeutete für mich mit Lineal und Stift, schreiben musste. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht mit meinem Computer arbeiten, die Universität verlangte aber ein schriftliches Dokument von mir. Ich boxte mich jedoch erfolgreich durch und absolvierte die 1. Diplomprüfung trotz aller Schwierigkeiten mit Sehr Gut.

Was die Orientierung am Zentrum für Translationswissenschaft betrifft, hatte ich Glück, denn ich kannte die Gebäude noch aus der Zeit, als ich noch ganz normal sehen konnte. Außerdem ging mir meine Mutter während eines Großteils meiner Studienzeit zu Hand, brachte mich zur Uni etc., was mir sehr half. Ich nutzte zusätzlich das Service des Wiener Fahrtendiensts, wodurch meine Mobilität allgemein stieg, was mir natürlich auch mein Studium erleichterte.

Alles in allem kann ich sagen, dass meine Studienzeit mit meinem Handicap Höhen und wenige Tiefen hatte. Das Wichtigste ist, seine Ziele im Leben zu verfolgen, ob mit oder ohne Handicap, dann ist der Erfolg schon vorprogrammiert.



Kommentar von StV Translation: Die im Bericht angesprochene Diplomarbeit inklusive Prüfung war Teil eines Studiums, das nicht mehr angeboten wird. Aktuell werden am Zentrum für Translationswissenschaft das Bachelorstudium „Transkulturelle Kommunikation“ und die darauf aufbauenden Masterstudien „Dolmetschen“ und „Übersetzen“ angeboten. Auch im Rahmen dieser Studien sind schriftliche Arbeiten (Seminararbeiten, Masterarbeiten) vorgesehen, diese können natürlich elektronisch verfasst werden.
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Re: Erfahrungsberichte

Beitragvon StV Translation » 29. April 2010, 12:44

Erfahrungsbericht von Zdenek

Aus der Sicht eines Studierenden mit Sehbehinderung (vollblind) kann ohne Weiteres gesagt werden, dass das Zentrum für Translationswissenschaft im Großen und Ganzen beinahe als barrierefrei bezeichnet werden kann.

Während meiner Studienzeit bin ich kaum auf Diskriminierung seitens der LehrveranstaltungsleiterInnen oder KollegInnen gestoßen. Jedesmal ist es nach beidseitiger Absprache gelungen, akzeptable Bedingungen zu sichern, unter denen ich gleichwertige Leistungen wie meine StudienkollegInnen erbringen konnte (verlängerte Prüfungszeit falls notwendig, Prüfungsangaben in für Blinde zugänglicher Form etc.).

Einen Mangel sehe ich stets in der Zugänglichkeit der Studienunterlagen. Diese werden in Papierform als Skripten herausgegeben und als solche muss ich sie mühsam selbst einscannen oder für Entgelt einscannen lassen. Dabei werden die Unterlagen heutzutage ohne Zweifel alle am Computer produziert und wenn sich Wege finden würden, die Unterlagen in der Digitalform ohne Verletzung der AutorInnenrechte zu erhalten, würde sich das geld- und zeitaufwendige Einscannen erübrigen.

Es wäre auch sinnvoll, wenigstens einen Computer im Medienlabor mit spezieller Software für Blinde wie z.B. Jaws oder Window-Eyes auszustatten. Nicht alle für die Dolmetschübungen notwendigen Programme und Informationsquellen sind nur über das Internet vom eigenen Laptop aus erreichbar (zum Beispiel Aufnahmen aus den Kabinen etc.).

Das wohl brennendste Problem bleiben die E-Learning-Plattformen wie Moodle oder Fronter. Sie mögen zwar grafisch cool ausschauen, für Blinde sind sie aber kaum benutzbar. Blinde BenutzerInnen arbeiten nämlich nicht mit der Maus, sondern ausschließlich mit der Tastatur, die Lernplattformen halten sich aber leider keineswegs an die gültigen Standards der Zugänglichkeit (Blind Friendly Web). Die dort zur Verfügung gestellten Unterlagen muss ich mir also oft von StudienkollegInnen herunterladen lassen. Häufig muss ich auch bei den LehrveranstaltungsleiterInnen extra nachfragen.

Was die Räumlichkeiten des Zentrums für Translationswissenschaft angeht, empfinde ich sie für einen Menschen mit Sehbehinderung absolut barrierefrei. Jedoch wären in Punktschrift beschrifteten Türen zu überlegen, so eine Maßnahme würde bestimmt zur größeren Selbständigkeit aller allfälligen Studierenden mit Sehbehinderung beitragen.



Kommentar von StV Translation: Wir bedanken uns bei Zdenek für die speziellen Hinweise und werden uns dafür einsetzen, dass die Situation am Zentrum für Translationswissenschaft noch verbessert wird. (Die E-Learning-Plattformen, die nicht nur in Hinsicht auf Barrierefreiheit verbesserungswürdig sind, liegen leider außerhalb unseres Einflussbereichs.)
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Re: Erfahrungsberichte

Beitragvon historische.sprachen » 22. Juni 2010, 13:41

Ich hatte 2oo2 im Audimax Gymnasiumstraße eine VO und musste daher feststellen, dass FaherInnen von E-Rollstühlen nur mit Mühe bei der Lifttür rein kamen, weil diese ziemlich schmal ist.
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Re: Erfahrungsberichte

Beitragvon StV Translation » 22. Juni 2010, 15:22

historische.sprachen hat geschrieben:dass FaherInnen von E-Rollstühlen nur mit Mühe bei der Lifttür rein kamen, weil diese ziemlich schmal ist.

Vielen Dank für den Hinweis! Die Türen sind ca. 80 cm breit. Mehr Informationen über die Lifte und andere Einrichtung am Zentrum für Translationswissenschaft haben wir im Thread
Allgemeine Informationen zusammengefasst.
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Re: Erfahrungsberichte

Beitragvon gzamarin » 13. Januar 2012, 21:36

Liebe Studierende,

Eure Erfahrungsberichte sind äußerst interessant zu lesen. Ich schreibe derzeit in meiner Diplomarbeit über Gesellschaftserfahrungen Studierender mit Behinderung (und chronischer Erkrankung). Falls jemand von euch davon noch nicht gehört hat, bitte ich euch meinen Online-Fragebogen durchzugehen. Es ist sehr schwer, viele Leute für das Thema zu gewinnen. Ich versichere euch die volle Anonymität eurer Daten. Darüber hinaus möchte ich die Ergebnisse publik machen, damit sich etwas für euch - zumindest für den einen oder anderen - ändern kann.

Zur Befragung gelangt ihr über folgenden Link:

http://survey.soz.univie.ac.at:8080/Ask ... erung.html

Bitte nehmt euch die Zeit, die ihr beim Ausfüllen bzw. Anklicken braucht. Unternehmt während der Befragung nichts anderes. Die Befragung beendet sich nämlich ansonsten nach 10-Minutigem Nichtstun von selbst und all eure Mühen waren umsonst.

Beste Grüße,

Gregor Zamarin
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