Schlagende Burschenschafter in Vorlesungen und auf der Uni-Rampe

Liebe Kolleg*innen,

Am 6. April wurden mehrere Lehrveranstaltungen am Neuen Institutsgebäude, unter anderem eine Vorlesung der Kultur- und Sozialanthropologie, von uniformierten („farbtragenden“) Burschenschaftern gestört. Die Störaktionen folgten dem traditionellen „Bummel“, den die schlagenden Studentenverbindungen wöchentlich an der Universität Wien abhalten. Da der „Bummel“ und die jüngsten Grenzüberschreitungen durch Burschenschafter ihre Bedeutung vor allem durch ihren historischen Kontext erlangen, sehen wir uns als Studierendenvertretung der KSA veranlasst, an dieser Stelle eine kurze Erläuterung abzugeben.

Der „Bummel“ ist seit mindestens einem Jahrhundert ein wesentliches Element der öffentlichen Selbstinszenierung der deutschnationalen Studentenverbindungen. Die politische Gemeinsamkeit der teilnehmenden Burschenschaften ist eine nationalistische, völkische Ideologie, die explizit rassistische und sexistische Kernelemente aufweist [1] [2]. Historisch kommt ihnen außerdem eine Vorreiterrolle in der Etablierung eines akademischen Antisemitismus und des österreichischen Nationalsozialismus zu [3]. Bereits in den Anfangstagen der deutschen „Urburschenschaft“ wurde 1816 die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden gefordert [3]. Österreichische Burschenschafter orchestrierten sowohl den NS-Putschversuch 1934, als auch eine Vielzahl rechtsterroristischer Gewaltakte, die sich bis in die späten 1990er erstreckten (etwa die Ermordung Ernst Kirchwegers 1965 oder Bombenanschläge in Südtirol 1956-1988) [1] [3].

Ihr wöchentlicher „Bummel“ führt die deutschnationalen Korporierten traditionell zum „Siegfriedskopf“, einem Denkmal für die gefallenen deutschen Akademiker des 1. Weltkriegs, das mittlerweile im Arkadenhof des Hauptgebäudes der Universität Wien untergebracht ist. Der „Siegfriedskopf“ symbolisiert den Brudermord aus der Nibelungensage; mit ihm gedenken die Burschenschafter der deutschen Niederlage im 1. Weltkrieg, die in ihrem völkisch-nationalistischen Geschichtsbild eng mit der sogenannten „Dolchstoßlegende“ verknüpft ist. Diese geschichtsrevisionistische Verschwörungstheorie verortet den Grund der deutschen Niederlage in der Sabotage durch Demokrat*innen und das internationale Judentum. In den 1920er- und 1930er-Jahren war der wöchentliche Bummel von brutalen „Säuberungsaktionen“ begleitet, bei denen ausländische und als „jüdisch“ identifizierte Studierende gewaltsam aus Vorlesungen und Bibliotheken vertrieben wurden. All dies geschah unter den duldenden Augen des Rektorats und der Wiener Stadtregierung.

Im Jahr 2016 folgen die deutschnationalen Burschenschaften immer noch ungehindert der Tradition des „Bummels“. Nicht neu, aber rezent ist, dass sie sich angesichts eines gesamtgesellschaftlichen Rechtsrucks ermutigt sehen, ihren hegemonialen Anspruch auf den akademischen Sektor immer aggressiver geltend zu machen. In einem Klima, dass von rechtsextremen Angriffen an der Uni Wien [4] und einem enormen Anstieg rechter Gewalt in Österreich geprägt ist [5], ist das Wiedererstarken des akademischen Rechtsextremismus keine Überraschung mehr. Die jüngsten „Besuche“ der Korporierten in den Lehrveranstaltungen werden vor diesem Hintergrund erkennbar als das, was sie eigentlich sind: eine Machtdemonstration, und ein Verweis der deutschnationalen Burschenschaften auf ihre Geschichte und ihr Selbstverständnis.

Wir rufen alle Angehörigen des Institutes dazu auf, im universitären Alltag und in den Institutionen der Universität Wien Stellung zu diesen Entwicklungen zu beziehen. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf die seit Jahren bestehenden studentischen Proteste hinweisen: jede Woche versammeln sich Studierende auf der Rampe der Uni Wien, um sich den Rechtsextremen in den Weg zu stellen (immer mittwochs, ab 11:30). Der Burschenschafter-„Bummel“ und die Ereignisse des 6. April dürfen nicht dekontextualisiert werden – sie markieren gleichzeitig eine historische Kontinuität, wie auch eine neue Phase rechtsextremer Aktivität an den Hochschulen.

Die IG/Stv. Kultur- und Sozialanthropologie

Quellen:

[1] Gruppe AuA!. Braune Burschen. In: Völkische Verbindungen. Wien: 82-120.

[2] Schiedel, Heribert / Wollner, Sophie. Phobie und Germanomanie. Funktionen des Männerbundes. In: Korporierte Legenden. Zur burschenschaftlichen Geschichtsumschreibung. In: Völkische Verbindungen. Wien: 134-158.

[3] Schiedel, Heribert. DÖW. Korporierte Legenden. Zur burschenschaftlichen Geschichtsumschreibung. In: Völkische Verbindungen. Wien: 18-31.

[4] Zeit online. Identitäre Bewegung: Rechtsextreme stürmen Jelinek-Aufführung in Wien. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/identitaere-bewegung-wien-theater-elfriede-jelinek-die-schutzbefohlenen (abgerufen am 20.04.2016)

[5] Zeit online. Österreich: Zahl rechtsextremer Straftaten deutlich gestiegen. http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-04/rechtsextremismus-osterreich-rassistische-straftaten-anstieg-oder-oesterreich-rechtsextremismus-rassistische-straftaten-anstieg (abgerufen am 20.04.2016)

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ÖH Wahlen diese Woche

Diese Woche sind ÖH Wahlen!

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12. Ethnosymposium in Halle an der Saale

Hallo allerseits!

Vom 14.-17. Mai findet das 12. Ethnosymposium statt! YEAH! Schnell anmelden unter:
http://ethnosymposium2015.weebly.com/anmelden.html

Was ist ein Ethnosymposium?
Das Symposium der Studierenden der Ethnologie, kurz: “Ethnosymposium”, wurde ins Leben gerufen, um einen Raum des Austauschs für Studierende der Ethnologie sowie der Kultur- und Sozialanthropologie zu schaffen. Es geht darum Studierenden einen Raum zu geben, ihre Arbeiten vorzustellen und anschließend diskutieren zu können und ebenso darum, eine Vernetzung zwischen den Instituten des deutschsprachigen Raums zu schaffen. Abgesehen vom wissenschaftlichen Austausch geht auch einfach darum sich menschlich kennenzulernen, gemeinsam zu feiern und eine schöne Zeit zu haben! Am Ende jedes Symposiums wird dann von allen Teilnehmenden gemeinsam jenes Institut gewählt, dass das Ritual im kommenden Jahr weiterführen soll.

Liebe Grüße

Weltmuseum

Das Weltmuseum wird renoviert und hat deswegen Anfang November seine Türen für die Öffentlichkeit geschlossen. Jetzt soll im Rahmen dieser Umbauarbeiten, die das Weltmuseum verbessern und modernisieren sollten, relativ spontan entschieden einen großen Teil des Budgets anderen Zwecken zu widmen. Das Weltmuseum stellt eine der wenigen Schnittstellen zur Gesamtgesellschaft dar, die die KSA zu bieten hat. Unser Wissen, unsere Arbeit wird hier an die Öffentlichkeit getragen und wir sollten uns solidarisch zeigen um ein präsentes und qualitativ hochwertiges Weltmuseum zu erhalten. Auch das Institut für Sozialanthropologie der österreichischen Akademie der Wissenschaften, sowie unser Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien haben einen offenen Brief verfasst:

Offener_Brief_SozialanthropologInnen

Am 14.01 wird um 18:30 im NIG HS 1 eine Podiumsdiskussion stattfinden. Es ist für die Unterstützung des Museums sehr wichtig, dass auch Studierende zahlreich erscheinen.