STEOP-Änderungen: offener Brief

Studienvertretung und Institutsgruppe Kultur- und Sozialanthropologie

STEOP-Änderungen: offener Brief

Beitragvon athari » 13. Mai 2011 13:23

Offener Brief der IG/Stv Kultur- und Sozialanthropologie an Vizedekanin Mader, die SPL Kultur- und Sozialanthropologie und die Curricularkommission der Universität Wien

Wien, am 12. Mai 2011

Sehr geehrte Frau Vizedekanin Mader! Sehr geehrter Studienprogrammleiter Mückler! Sehr geehrter Vize-Studienprogrammleiter Hadolt! Sehr geehrte Curricularkommission!

Die Curricularkommission (CK) hat das Curriculum des Bachelorstudiums Kultur- und Sozialanthropologie im abgekürzten Verfahren abgeändert. Wir, Institutsgruppe/Studienvertretung Kultur- und Sozialanthropologie, geben hiermit eine Stellungnahme zu den Änderungen ab.

Wir kritisieren an erster Stelle die Vorgangsweise der CK sowie der Studienprogrammleitung (SPL) und des Dekanats. Durch das abgekürzte Verfahren wurde uns als Studienvertretung das Recht auf Mitbestimmung, wie im regulären Verfahren in Form der Mitarbeit in einer Curriculararbeitsgruppe, vorenthalten. Wir schätzen diese Änderungen nicht als geringfügig ein. Unseres Wissens wurde die neue STEOP, die für Politikwissenschaft und Soziologie ebenso gilt, in einer Sitzung zwischen den betroffenen SPL und dem Dekanat ausgehandelt – unter völligem Ausschluss der Studierenden. Auf einer anschließend einberufenen Studienkonferenz am Institut für KSA, auf deren Tagesordnung vorrangig die Bestätigung von Herrn Hadolt als Vize-SPL stand, wurden die Studierendenvertreter/innen über die Änderungen in Kenntnis gesetzt, es wurde jedoch nicht genügend Raum für eine Diskussion der Curriculumsänderungen gelassen.

Wir übermitteln Ihnen daher hiermit zusammengefasst unsere Kritik und unsere Forderungen bezüglich der STEOP bzw. der Gestaltung des ersten Semesters, wie sie im WS 2011/12 in Kraft treten soll.

Allgemein: Laut SPL sollen die Studierenden in der STEOP neu im Wintersemester Ende Dezember zwei Prüfungen absolvieren. Unsere Erfahrungen aus der wöchentlichen Studienberatung zeigen, dass Studierende unter einem solch starken Druck aufgrund praktisch-administrativer, und nicht inhaltlicher Überlegungen zu den einzelnen Prüfungen antreten und sich mehr mit den zu absolvierenden ECTS-Punkten beschäftigen als die Inhalte der Lehrveranstaltungen zu reflektieren. Nicht Interesse und Können bestimmen über den Erfolg, sondern Zeit und persönliche Ressourcen. Benachteiligt werden vor allem berufstätige Studierende und Studierende aus einkommensschwächeren sozialen Schichten. Die STEOP verfehlt in ihrer neuen Form zudem das angestrebte Ziel der Orientierung zwischen Politikwissenschaft, Soziologie und Kultur- und Sozialanthropologie.

STEOP-Prüfungen im Dezember: Diese beiden Prüfungen, bei denen Studierende möglicherweise zu nur zwei Prüfungsantritten berechtigt sind, stellen eine bewusste Hürde dar, um die Anzahl der Studierenden zu reduzieren. Wir möchten uns klar von einer Politik der Knock-Out-Prüfungen distanzieren und fordern einen tatsächlichen freien Hochschulzugang statt versteckter Zugangsbeschränkungen!

Unterschied zu Politikwissenschaft und Soziologie: Wer an den STEOP-Prüfungen als Soziologie- oder Politikwissenschaftsstudent/in scheitert, kann sein/ihr Glück an einer anderen österreichischen Universität versuchen. Im Fall der Kultur- und Sozialanthropologie ist das nicht möglich: ein/e betroffene/r Studierende/r muss an eine Universität im Ausland wechseln, denn das Wiener Institut ist das einzige Institut für Kultur- und Sozialanthropologie an den österreichischen Universitäten.

Modul „Sozialwissenschaftliche Grundlagen“: Dieses Modul besteht aus den restlichen, vormaligen STEOP-Lehrveranstaltungen. Das Proseminar „Einführung in das Wissenschaftliche Arbeiten“ soll laut SPL in Zukunft geblockt im Jänner nach den Prüfungen der neuen STEOP stattfinden, obwohl es von den Studierenden ebenso wie das Proseminar „Zentrale Texte“ ab dem 2. Semester besucht werden könnte. Wir halten das Abhalten dieser Lehrveranstaltung geblockt im Jänner aus mehreren Gründen für problematisch:
o Berufstätige Studierende werden durch eine geblockte Durchführung des PS schon zu Beginn ihres Studiums stark behindert.
o Den Studierenden fehlen die Fertigkeiten des wissenschaftlichen Arbeitens, die sie für die STEOP aber bereits von Beginn an zur Bewältigung der großen Menge an Pflichtliteratur brauchen. Das „Proseminar Arbeiten“ wurde bewusst von der Curricularkommission im Studienjahr 2009/2010 u.a. für diesen Zweck erarbeitet, wodurch die Änderung in diesem Punkt einen wesentlichen Rückschritt bedeutet.
o Gleichzeitig sollen die Studierenden im Jänner neben dem zeitintensiven Proseminar auch für Vorlesungsprüfungen lernen, um die Vorgaben für Beihilfen einzuhalten. Aber auch der von Universität und Ministerium so stark geforderte Abschluss in Mindeststudienzeit wird durch diese starke Belastung der Studierenden untergraben und zu mehr Studienabbrecher/innen führen.

Voraussetzungsketten: Wir bedauern, dass die STEOP durch die Änderungen Voraussetzung für alle anderen Lehrveranstaltungen im Studium wird, wir begrüßen jedoch, dass die anderen Voraussetzungsketten fallen.

Masterstudium: Abschließend möchten wir die SPL wie bereits in der Studienkonferenz darauf aufmerksam machen, dass das Angebot des Masterstudiums Kultur- und Sozialanthropologie kaum angenommen wird. Unter den neuen Bedingungen wird sich dieser Trend fortsetzen. Der akute Mangel an PhD-Studierenden ist ein Vorbote dieser Entwicklung. Wir bemerken bei unseren Kommiliton/inn/en häufig den Wunsch, entweder nach dem BA ins Arbeitsleben einzusteigen, ein weiterführendes Studium eines anderen Faches zu beginnen oder ein Masterstudium in Kultur- und Sozialanthropologie an einer ausländischen Universität anzuhängen. Die neuen STEOP-Regelungen, die in erster Linie den Zweck einer Reduktion der Studierendenzahlen verfolgen, sind in unserer Studienrichtung also schlichtweg fehl am Platz. Die SPL sollte sich gemeinsam mit allen Institutsangehörigen überlegen, wie Studierende trotz dieser neuen Hürden im Bachelorstudium zu einem weiterführenden Studium der Kultur- und Sozialanthropologie in Wien motiviert werden können.

Wir fordern daher von der Studienprogrammleitung Kultur- und Sozialanthropologie:

1. Wir fordern ein besseres Kommunikationsverhalten der SPL uns als Studienvertretung gegenüber. Schwerwiegende Änderungen im Studium dürfen nicht unter völligem Ausschluss der Studierenden beschlossen werden. Wenn eine Studienkonferenz einberufen wird, erwarten wir uns im Vorhinein über die gewichtigen Tagesordnungspunkte informiert zu werden.
2. Wir fordern, dass ein Teil der Proseminare „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“ verteilt über das gesamte Folgesemester abgehalten wird. Ein geblocktes PS im Jänner sollte eine Option und keine Pflicht sein.
3. Die gesetzlichen Vorgaben für die STEOP-Änderung laufen 2014 aus. Wir fordern die SPL auf, die von uns kritisierten Änderungen bei der ersten Gelegenheit wieder zurückzunehmen und sich für eine fakultätsweite Curriculararbeitsgruppe einzusetzen, um das Curriculum sinnvoll zu überarbeiten.

Wir freuen uns über eine baldige Gelegenheit, diese Stellungnahme in einer Studienkonferenz diskutieren zu können.

Mit freundlichen Grüßen,
IG/STV Kultur- und Sozialanthropologie
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Re: STEOP-Änderungen: offener Brief

Beitragvon athari » 13. Mai 2011 13:25

die Änderungen, auf die hier Bezug genommen wird, finden sich übrigens hier:
http://senat.univie.ac.at/curricularkom ... lichungen/
ganz unten unter SPL 24

die UG-Novelle findet sich hier:
http://bmwf.gv.at/fileadmin/user_upload ... ovelle.pdf

die änderungen im Prüfungsrecht (nur 2x antreten in der steop) stehen übrigens (noch) nicht in der satzung der uni wien.
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Re: STEOP-Änderungen: offener Brief

Beitragvon cyrano » 20. Juni 2011 22:38

gab es eigentlich eine antwort auf diesen brief?
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Re: STEOP-Änderungen: offener Brief

Beitragvon athari » 23. Juni 2011 09:31

cyrano hat geschrieben:gab es eigentlich eine antwort auf diesen brief?


sowas wie "zur kenntnis genommen" von der spl :lol: es wurde auch noch auf der studienkonferenz drüber gesprochen, ... ja, da hat's die SPL auch zur Kenntnis genommen.
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Re: STEOP-Änderungen: offener Brief

Beitragvon cyrano » 26. Juni 2011 18:05

na, dann is ja alles in Ordnung :evil:
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Re: STEOP-Änderungen: offener Brief

Beitragvon athari » 26. Juni 2011 20:20

ja, also was das proseminar in langform betrifft, da halten sie sich bedeckt. wir werden sie halt noch weiter nerven müssen ;) emails von betroffenen an die studienprogrammleitung (ich muss arbeiten, keine zeit für dieses blockproseminar) wären sicher auch hilfreich
athari
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Re: STEOP-Änderungen: offener Brief

Beitragvon ribeika » 3. August 2012 03:38

Wir freuen uns über eine baldige Gelegenheit, diese Stellungnahme in einer Studienkonferenz diskutieren zu können.......







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