zuletzt geändert: 26.10.09
Autor: andi

© IG Publizistik


Stellungnahme zu den aktuellen Protesten rund ums Audimax

Seit Mittwoch vergangener Woche hat sich ausgehend von der Akademie der bildenden Künste ein spontaner Widerstand an österreichischen Hochschulen über die sich rapide verschlechternden Studienbedingungen gebildet.

Aufgrund der sich stabilisierenden Organisation der Proteste geht die mediale Darstellung der Ereignisse in den letzten Tagen glücklicher Weise häufiger auf die Inhalte und Forderungen der Studierenden ein und immer seltener auf überzogene Schadensmeldungen. Diese Entwicklung begrüßen wir sehr, da sie auch viel stärker den Tatsachen entspricht.

Die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft dient zu Beginn jedes Studienjahres - nicht zu unrecht - als Negativbeispiel für unzumutbare Zustände, Ressourcenknappheit und Überfüllung an der Uni Wien. Die Proteste unterstützen wir daher ausdrücklich.

Stiefkind PKW

Die PKW war immer ein Massenstudium und wird es, da wir in einer Kommunikations- und Mediengesellschaft leben, auf absehbare Zeit auch bleiben. Unser Studium deckt offensichtlich einen ständig wachsenden, gesellschaftlichen Bedarf nach Fachwissen in diesem Bereich ab.
Folglich kann die PKW nicht länger als Modestudium abgetan und links liegen gelassen werden, wie es seit Jahren der Fall ist.

Denn am IPKW sind die Zustände besonders prekär:

An unserem Institut kommt zur Zeit auf 1000 Studierende nur eine Professur. Die Studierenden der jüngeren Semester sind öfter in die Räume der Theologie ausgewichen, als sie das eigene Institut besucht haben. Der Baubeginn, geschweige denn der Bezug des versprochenen neuen Institutsgebäudes ist immer noch nicht absehbar.

Im Bereich der Studienorganisation können wir uns mit dem Grundgedanken des ursprünglichen Bakkalaureats-Studienplans von 2003 durchaus identifizieren. Was uns dagegen Sorgen macht, ist dessen Weiterentwicklung in den vergangenen Jahren.
Der Studienplan wird immer weniger im Hinblick auf didaktische und wissenschaftliche Zielsetzungen hin konzipiert. Seine Entwicklung steht, gezwungener Maßen, fast ausschließlich unter dem Zeichen des vorherrschenden bildungspolitischen Ökonomisierungszwangs.

Mehr Platz für kritisches Denken!

Ein weiteres gravierendes Problem sehen wir in der rapiden Zunahme von Multiple Choice-Prüfungen. Der Raum für kritisches, reflektierendes Denken weicht dem Auswendiglernen. Das Erlernen wissenschaftlichen Arbeitens weicht E-Tutorien, Präsenzseminare wie STEP 3 werden wegrationalisiert. Individuelles Feedback ist so kaum mehr möglich. Das für ein wissenschaftliches Studium nötige Handwerks- und Reflexionsvermögen kann nur noch angerissen werden. Die Folgen dieser Art von Lehre hinterlassen bereits jetzt deutliche Spuren in der „Wissenschaftlichkeit“ unseres Studiums.

Eine Orientierungsphase im Rahmen von STEP-Vorlesungen und Fachtutorien halten wir für richtig und wichtig. Diese darf aber nicht dazu missbraucht werden, einen aus Ressourcenmangel ausartenden Voraussetzungszwang oder gar ein Auswahlverfahren im Studienplan zu implementieren. So wird das, durch die Umsetzung des Bologna-Prozesses, ohnehin stark „verschulte“ zweigliedrige Studium in einem immer unerträglicheren Maße zusätzlich eingeschränkt. Selbstbestimmtes Studieren wird dadurch immer mehr zum Fremdwort.

Information statt Ausschluss

Unserer Meinung nach bieten sich weitaus geeignetere Möglichkeiten an, den Massenandrang zu Studienbeginn und die gleichzeitig extrem hohen Drop-Out-Quoten zu reduzieren. Durch intensive Studienberatung und -information an Schulen könnten Missverständnisse vermieden und Klarheit darüber geschaffen werden, was angehende Studierende im Studium erwartet.