zuletzt geändert: 4.05.12
Autor: gucki

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Wer sind die Nächsten?

Das Rektorat lud am Mittwoch den 02.05.2012 um 18 Uhr zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Abschaffung des Bachelors der Internationalen Entwicklung“ ins Juridicum ein.
Da sich die IG Publizistik mit der IE diesbezüglich solidarisch erklärt, waren auch wir vor Ort.

Besonders erschreckend fanden wir die Tatsache, dass viele der vom Rektorat vorgebrachten Argumente für die Abschaffung des IE-Bachelors auch auf die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie viele andere Studienrichtungen der Uni Wien zutreffen (Betreuungsverhältnis, externe Lehre, fehlende Doktoratstitel,...).

Wir möchten auch denjenigen, die nicht hingehen konnten, die Möglichkeit geben, den Diskussionsverlauf nachzulesen:


Protokoll der „Diskussions“veranstaltung
zur Abschaffung des IE-Bachelors (anwesend: IE-Institutsvorständin Dannecker & vom Rektorat: Rektor Engl, Vize-Rektorin Schnabl, Vize-Rektor Fassmann, Vize-Rektorin Weigelin-Schwiedrzik )

Engl:
Zunächst spricht Engl über Rahmenbedingungen der IE und die Ergebnisse des Entwicklungsplans
Es soll einen Master und ECs geben (Zugang über verschiedene Bachelor-Studiengänge)
Finanzierung eines eigenen BA nicht möglich
Sie wollen den jetzigen Studis einen geordneten Abschluss ermöglichen, ordentliche Betreuung ist im Moment eine Illusion – 4 Habilitierte sollen 500-1.000 Diplomarbeiten betreuen
80% externe Lehrende (55% davon ohne Doktorat – hm sollten wir da mal bei uns nachzählen?)
d.h. das Qualitätsdefizit wird der externen Lehre zugerechnet...
6.000 StudienanfängerInnen – ca. 500 AbsolventInnen
Derzeit 2,9 Mio Euro jährlich; für BA und MA bräuchte man 10 Mio pro Jahr (mind. Verdoppelung der Ressourcen)
Engl lässt zukünftige Entwicklung offen
Überleitung zu Schnabl – Umstiegsmöglichkeiten

Schnabl:
IE macht Sinn, Rektorat will Bedeutung des Studiums nicht in Frage stellen (wird öfters betont)
Es gilt das Datum in den Bescheiden dh Diplomstudium kann bis 30.4.2014 und der Bachelor bis 30.11.2016 abgeschlossen werden, Diplomstudierende können auf BA umsteigen, alle Leistungen werden angerechnet;

Dannecker:
Wunsch nach Ausfinanzierung von BA und MA
Derzeit Curricularkommission für MA und ECs – viele Inhalte aus BA werden übernommen, Idee der Transdisziplinarität wird versucht fortzuführen

Einstieg in die Diskussion bzw. Fragerunde

„Warum fordert Rektorat nicht mehr Geld vom Ministerium?“

→ Antwort Engl: Rektorat argumentiert breiter, Uni Wien braucht generell mehr Geld, weil unterfi-nanziert, Budgetforderungen wurden letzte Woche beschlossen (Frage also nicht wirklich beantwortet)

„Warum wird genau der BA IE abgeschafft? Warum Entscheidung BA oder MA?“

→ qualitatives nicht nur quantitatives Problem (siehe Betreuungssituation), auch andere Studien-gänge befinden sich in ähnlicher Situation; qualitatives Kriterium ist ausschlaggebend
→ Schnabl bringt Geschichte der IE ins Spiel: als individuelles Studium entstanden ohne spezielle Ressourcen, Ausstattung, etc. 2003-2008 haben ca. 500 begonnen, seit BA eingeführt wurde steigen Studierendenzahlen rapide – war nicht vorhersehbar und ist nicht zu finanzieren;
→ Konzentration auf Abschlüsse
→ Pflegewissenschaft ist ähnlich (auch kein BA)
→ nochmalige Betonung: Abschaffung hat nichts mit Gegenstand des Studiums zu tun

SPL IE: „Ich hoffe, das mit der Qualität ist kein Angriff auf mich, dass ich die falschen Leute mit der Lehre betraut habe?“ Sie sieht das nicht als gutes Argument, greift Punkt der Evaluation auf und zieht einen Vergleich zu renommierten Vollstudien der IE an englischen, kanadischen, amerikanischen und skandinavischen Unis; Uni Wien schadet sich nur selbst, im deutschsprachigen Raum Vorreiterrolle bezüglich dieses Studiums

→ Schnabl: nicht genug Personal mit entsprechenden wissenschaftlichen Qualifikationen
→ Engl: mehr Leute anstellen gut und schön, aber die Ressourcen sind nicht da; die angesprochenen Studiengänge in anderen Ländern haben Zugangsbeschränkungen, aber das will Uni Wien nicht, er betont den alternativen Zugang über andere BA mit ECs
→ Fassmann : schwaches Grundwissen der IE-Studis, hat er NUR bei IE-Studis beobachtet…

Lehrender der IE legt Zahlen über Betreuungsverhältnisse vor, die seit 2007 (wo BA eingeführt wurde) besser geworden sind – „Warum wird der BA jetzt abgeschafft?“

→ Schnabl: gibt Fehler zu, der damals gemacht wurde (Fehler = Einführung des BA), jetzt muss dieser Fehler korrigiert werden
→ Weigelin-Schwiedrzik widerspricht: bis 2007 wurde das Lehrangebot anderer Studienrichtungen besser genutzt, dh Betreuungssituation war besser, dies hat sich durch BA verändert – IE kapselt sich von Uni Wien ab
→ Dannecker widerspricht Fassmann und Weigelin-Schwiedrzik: 1.) Transdisziplinarität im Vorder-grund und nicht Spezialwissen in seinem Fach; 2.) IE kapselt sich nicht ab, sondern es scheitert oft daran, dass Lehrende von anderen Studienrichtungen bzw. die Studienrichtungen selbst auch viele Studis haben;

„Wie gehen sie mit starker Solidarität der Öffentlichkeit mit der IE um?“

→ Engl: habe ich bisher nicht bemerkt

„Ist das hier ein Darlegen der Situation oder eine tatsächliche Diskussion mit Mitsprache der Studis?“

→ Engl: das ist eine Information über die Beschlüsse des Entwicklungsplans (tritt mit 1. Oktober in Kraft)

„Abschaffung des BA IE ist eine Repression des freien und kritischen Denkens, also ein Verrat der Ideale der Uni Wien, für die sich das Rektorat einsetzen sollte!“

→ Fassmann: Rektorat ist stolz auf kritische Reflexionsfähigkeit von Studis, aber IE ist nicht der einzige „Hort des kritischen Denkens“ (Studi, der die Wortmeldung gebracht hat, fühlt sich falsch verstanden, hat das nicht so gemeint)

„Verlagerung des Problems, indem sich die Studis auf andere BA-Studien aufteilen?“

→ Engl: argumentiert mit der „besseren Grundausstattung“ anderer Studiengänge (naja…)

„Herr Fassmann, sie haben mich und alle IE-Studis mit ihrer Aussage gekränkt!“

→ Fassmann: Sie können doch die Qualitätsmängel der IE nicht bestreiten
→ Engl: nur 4 Habilitierte (AB HIER WIEDERHOLEN SICH DIE ARGUMENTE)
→ Weigelin-Schwiedrzik: was wollen sie überhaupt evaluieren?
→ Schnabl: es sollte auf der Uni eigentlich forschungsgeleitete Lehre passieren, auf der IE ist wegen der Lehrbelastung die Forschung jedoch nur bedingt möglich

„IE ist ein Studium, das viele Frauen studieren, die werden so genauso benachteiligt, wie jene, die beispielsweise nur einen Bachelor und keinen Master machen können“

→ Schnabl: das hier richtet sich nicht speziell gegen Frauen; die 3 Mio pro Jahr für die IE sollen als Erfolg angesehen werden und als 1. Schritt in Richtung Etablierung; versteht die Aufregung nicht, weil die hier Anwesenden können das Studium ja abschließen und haben keinen Nachteil
→ Es werden in weiterer Folge immer wieder die Ressourcen als Hauptargument gebracht und die Verantwortung gegenüber den Studis, die jetzt IE studieren betont;
→ Studis, die Fragen stellen werden wiederholt als „dumm“ hingestellt, indem auf einzelnen Begriffen oder Ausdrücken herumgeritten wird (v.a. durch Engl) – Studis werden kampfrhetorisch vorgeführt;
→ Engl betont alternative Zugangsmöglichkeiten über andere BA und spricht dann über das Defizit von 15 Mio Euro der Uni Wien (heuer)

Studi zitiert aus E-Mail, in dem sich Rektor damals bei allen Studis vorgestellt hat: „möchte Wien als Uni-Standort noch attraktiver machen“ – Frage dazu: „Wie attraktiv ist die Möglichkeit, ein EC zu machen, im Gegensatz zu einem ganzen BA-Studium?“

„Die ganze Situation hier ist entwürdigend und wir lassen uns instrumentalisieren – Stichwort: Rektorat kann nun gegenüber den Medien sagen, er habe das Gespräch gesucht und stehe in Kontakt zu den IE-Studierenden, usw.“