Jul212014

Out of the Jungle hinein ins Sommerloch?

Sehr geehrte Standard-Wissenschaftsredaktion!

Ihr Artikel Isolierter Ureinwohner-Stamm suchte erstmals Kontakt zur Zivilisation vom 9. Juli 2014 im Standard online erscheint als äußerst exotisierender und nicht auf dem Stand der Wissenschaft basierender Bericht, der in einem Qualitätsmedium so nichts verloren hat. Die ursprüngliche Artikelüberschrift „Isolierter-Eingeborenen-Stamm-suchte-erstmals-Kontakt-zur-Zivilisation“, in der Linkadresse noch zu lesen, zeigt die eurozentristische Sichtweise dahinter sehr gut auf. weiterlesen »

Jul142014

Foto von Gewaltbetroffenem in HEUTE WMExtra

Sehr geehrter Herr Dr. Nusser!

Bei der Durchsicht Ihrer Zeitung HEUTE am Montag, 7.7.2014 waren wir von der Illustration des Beitrages „Messer-Attacke! Public Viewing in Costa Rica endet mit Blutbad“ im WMExtra regelrecht schockiert. Das relativ groß abgedruckte Foto zeigt einen auf der Straße liegenden Mann mit einem Messer im Rücken stecken. weiterlesen »

Jul092014

Im Zweifel gegen ein Burka-Verbot

Der Kommentar erschien am 9. 7. 2014 in der Wiener Zeitung.

Niemand darf einer Frau die Verhüllung aufzwingen – und niemand darf sie ihr verwehren.

Die Debatte um ein Verbot der weiblichen Ganzkörperverhüllung in der Öffentlichkeit ist dominiert von ethnologischer Unkenntnis, historischen Wissenslücken, hastig zusammengegoogelten Erläuterungen und an den Haaren herbei gezogenen Argumenten. Sie hat viele Mitwirkende, selbsternannte Fachleute, wohlmeinende Feministinnen, rechts stehende Parteien und ihre medialen Sprachrohre. Nicht thematisiert werden die Wünsche und Bedürfnisse derjenigen, die ein solches Kleidungsstück tragen könnten, die ganze Diskussion findet nahezu unter Ausschluss von Musliminnen statt. Zur Verdeutlichung von Standpunkten sind sie auf soziale Netzwerke und Blogs verwiesen, auf Druckwerke mit geringen Auflagen oder beschränkten Zielgruppen.

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Jul082014

Himba: Leben wie vor 500 Jahren?

Sehr geehrte Redaktion,

der Bericht “Leben wie vor 500 Jahren” des Deutschlandfunk vom 22. 6. 2014 hat uns über weite Strecken gefallen, weil er nicht bloß wie so oft die Kuriositäten voyeuristisch vorführt, sondern Kulturelemente, die mitteleuropäischen Interessierten unerklärlich sein müssen, in verständlicher Sprache in ihren sozialen Zusammenhängen erläutert.

Dennoch erlauben wir uns, auf einige Widersprüche aufmerksam zu machen. weiterlesen »

Jun242014

Islamfeindlichkeit als Kalkül

Sehr geehrter Herr Ortner,

Ihre grundsätzlich islamfeindliche Haltung ist sattsam bekannt, solche Artikel wie in Die Presse am 13. 6. 2014 bieten gute Chancen abgedruckt zu werden, die bei anderen Themen weit weniger gegeben sind. Es läge in der journalistischen, redaktionellen und verlegerischen Verantwortung, nicht gegen Gläubige zu hetzen, sondern zwischen den Angehörigen verschiedener Religionen zu vermitteln und genau die Missverständnisse auszuräumen, die hier mit Genuss und Unkenntnis aufgebaut werden. weiterlesen »

Jun172014

TMB-Gastkommentar: Schule fürs Leben?

Von Gizem Gerdan, erschienen in der Wiener Zeitung am 15. Juni 2014

Seit Mitte März werden im Rahmen eines Experiments der Sendung “Thema” zwei Schulklassen aus einer Neuen Mittelschule (NMS) und einem Gymnasium mit einer Kamera und einem Team von Trainer_innen durch die letzten Monate der 8. Schulstufe begleitet. Schon im Laufe der ersten Folge wird klar, dass es der Anteil an Schüler_innen mit Migrationshintergrund ist, der diese Klassen nach der Idee der Redakteure ganz besonders von einander unterscheidet. Ziel dieses Experiments ist es, dass die Schüler_innen von- und miteinander lernen. Zehn Jugendliche werden näher vorgestellt und begleitet, sechs von ihnen haben Migrationshintergrund, vier davon Fluchterfahrungen.

Der Ansatz der Sendung ist eigentlich erfreulich, da er eine Möglichkeit bietet, migrantische Geschichten zu erzählen, die selten Platz in Mainstreammedien finden. Die erste Folge der Sendung setzt in dieser Hinsicht auch positive Zeichen: Wir lernen die Jugendlichen kennen. Nichtsdestotrotz zeigen leider die nächsten Folgen eine deutliche Fokussierung auf die Kinder mit Fluchterfahrung, die stutzig werden lässt. Natürlich ist diese Erfahrung prägend für die Wünsche und Träume der Schüler_innen. Aber das Thema Flucht beherrscht nicht nur die Darstellung der Jugendlichen aus der NMS sondern den Großteil der gesamten weiteren Sendezeit. weiterlesen »

Jun012014

Leserbrief zu: Studie: Gläubige Kinder „hilfsbereiter und friedlicher“

Sehr geehrter Herr Marschalek, sehr geehrtes orf.at-Religions-Team!

Durch Facebook-Hinweise sind wir auf den bereits im April erschienenen Artikel: Gläubige Kinder “hilfsbereiter und friedlicher” aufmerksam geworden, den wir aus Sicht der Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung nicht unwidersprochen lassen wollten.
Wir hoffen, mit unserer Kritik dazu beizutragen, dass in Zukunft Artikel über wissenschaftliche Studienergebnisse oder auch dpa-Berichte kritischer hinterfragt werden, bevor sie online gehen.

“Gläubige Kinder” sind, so orf.at „hilfsbereiter und friedlicher“ als ihre „nichtgläubigen Klassenkameraden“. Dass jedoch im Artikel gleich im ersten Absatz nur noch von christlichen Kindern als den “gläubigen” gesprochen wird, weckt nicht nur Zweifel an der Studie, sondern auch an der medialen Aufbereitung. weiterlesen »

Mai242014

Hadza: Von wegen Besitzverweigerer

Der Artikel ist erschienen im Standard, 23. 5. 2014.

Seit Langem geistern immer wieder Hadza durch die Medien, in diesem Fall im Artikel „Besitz macht ökonomisch unvernünftig“ (Standard 21. 5. 2014), als eines „der letzten Jäger- und Sammler-Völker dieser Erde“. Dazu ist zu sagen, dass das Aussterben von Kulturen, die aneignende Wirtschaftsformen wie Jagen und Sammeln betreiben, seit mindestens Anfang des 19. Jahrhunderts vorausgesagt wird – und dass es sie nach wie vor auf allen Kontinenten gibt. Und wenn sie „völlig abgeschieden von der Umgebung leben“ könnten, würden sie nicht für absonderliche Projekte von Universitäten zur Verfügung stehen müssen. weiterlesen »

Mai092014

Leserbrief zu „Lokalaugenschein bei den Ex-Kirchenbesetzern“

Sehr geehrte Krone Redaktion,

Oft kommt es auf den Blickwinkel an. So bei Ihrem Artikel
„Lokalaugenschein bei den Ex-Kirchenbesetzern“. Beim Lesen überkommt einen
eher der Eindruck, als sollte in der Bevölkerung Missstimmung erweckt
werden, anstatt bestehende Probleme zu nennen – Probleme, für die die
Asylwerber nichts können. Die Schilderung von Cricket spielenden
Flüchtlingen und „deren“ luxuriösem Anwesen schüren Neid und in Folge
Ablehnung. Gefühle wie diese spielen eher Herrn Strache in die Hände, als
dass sie Aufklärung durch Information bewirken.
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Mrz112014

Leserbrief: Pygmäen in Kamerun?

Leser_innenbrief zu Cornelia Buczolichs Reiseartikel “Alle Farben Afrikas” über Kamerun in: auto touring, März 2014, S. 44-48.

 

Liebe Frau Buczolich,

es ist gut möglich, dass TouristInnen sich in Kamerun als durch die Zeit gereiste „Abenteurer“ fühlen können. Dieses Gefühl würde aber nicht den Realitäten entsprechen, denn die EinwohnerInnen Kameruns, auch die Indigenen, existieren im Hier und Jetzt, gestalten ihr Leben und ihre Gemeinschaften unter den Gegebenheiten unserer modernen, schnelllebigen, globalisierten und touristisch erschlossenen Welt. weiterlesen »