Jahresarchiv: 2010

Alles ist erlaubt? Hass-Posten in den Onlineforen

Der Artikel erschien am 25. 11. 2010 als Gastkommentar in der Presse.

Islam ist in Mode gekommen. Die Welt zerfällt in Islamophile und Islamophobe, Islam lässt viele nicht kalt. Kein anderes Thema polarisiert dermaßen, kein anderes Thema provoziert ähnlich kontroversielle Meinungen.

Als geschützte Werkstätte für antiislamische Übergriffe profilieren sich derzeit die Online-Foren österreichischer Medien. Da können Interessierte unter Berufung auf die Freiheit des Wortes jegliche Rassismen und Beleidigungen von sich geben. Viel zu selten schreitet die Administration ein und entfernt die Beiträge. weiterlesen »

Durchaus auch mal Grund zur Freude: Kultur- und Sozialanthropologie in den Medien

Wir von der Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung beklagen uns ja generell häufig. Und eine unserer Lieblingsklagen ist, dass sich nicht genügend Kultur- und SozialanthropologInnen in den Medien zu Wort melden, um abwertenden Diskursen, wahlkämpfenden Ausfällen und FPÖ-Diktion etwas entgegenzusetzen. Oder auch Schlagzeilen wie „Muslime werben Mitglieder – mit allen Mitteln“ (Presse vom 7.11.2010, gemeint war die Islamische Glaubensgemeinschaft, die dann auch gut beschrieben wurde – doch der Titel! Der Titel!).

Andererseits gab es in den letzten Monaten aber auch Grund zur Freude. weiterlesen »

Islamophobe Stimmungsmache.

Unter dem Vorwand der Meinungsfreiheit ist Rassismus salonfähig geworden.

Der Artikel erschien am 21. 10. 2010 in der Presse

Der Autor des Gastkommentars „Alles nur Faschisten?“ in der Presse vom 12. 10. 2010, wurde vor allem durch Bruno Kreiskys Aufforderung, er solle Geschichte lernen, bekannt. Um hier einen historischen Vergleich zu ziehen: Zu Kreiskys Lebzeiten und schon gar zu seiner Regierungszeit wäre ein solcher Artikel der Volksverhetzung nicht möglich gewesen. Die Presse hätte ihn nicht gedruckt. Es wäre auch über Jahrzehnte in Österreich eine solche FPÖ nicht möglich gewesen, der ausnahmslos alle anderen Parteien nichts entgegenzusetzen haben, einfach deswegen, weil H. C. Strache den Feind klar zu benennen weiß: Ausländer, insbesondere Muslime. Und die sind nun an allem schuld, was nicht so ist, wie es sein sollte, und wie es die Schreiber solcher peinlichen, jede Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit verletzenden Zeilen, gerne hätten. weiterlesen »

Moderne und Assimilation

In dem KommentarBei dieser Wahl ging es um ‚Ausländer‘, um nichts anderes vom 12. 10. bedient Hans Rauscher allzu leicht die emotionalen Ressentiments, die auch im Wiener Wahlkampf vorherrschten. Persönlich finde ich es schade, dass nie über die NichtwählerInnen gesprochen wird, doch die Wahlanalyse soll hier nicht das Thema sein.

(http://derstandard.at/1285200619545/Einserkastl-RAU-Wien-Jahrhundertwende)

Dieser Beitrag reiht sich ein in viele andere, die abwertend über MigrantInnen berichten und dadurch Ressentiments schüren, was wiederum der FPÖ Stimmen bringt. Türk/e/in als Bezeichnung verkommt zum Schimpfwort. Dabei scheint es egal zu sein, welchen Pass die angesprochenen Personen wirklich besitzen. Klassisch auch die Argumente: Die deutsche Sprache und die Unterdrückung der Frauen. weiterlesen »

Israelische Siedlungen nicht nur eine Frage der Ausdauer

Im Standard vom 25./26. September bot Ben Segenreich in seiner Reportage „Für Israels Siedler ist alles eine Frage der Ausdauer“ Einblick in die Lebenswelten und Sichtweisen von BewohnerInnen israelischer Siedlungen im Westjordanland.
(http://derstandard.at/1285199210014/Fuer-Israels-Siedler-ist-alles-eine-Frage-der-Ausdauer)
Obwohl dieser „hautnahe“ Zugang nur befürwortet werden kann, kratzt der Artikel durch das „Weglassen“ bestimmter Fakten an der Oberfläche und verschleiert oft unerwähnt bleibende Machtbeziehungen noch weiter. Denn die lokalen Lebenswelten enden eben nicht an den Wachposten und Absperrungen israelischer Siedlungen. weiterlesen »

Schuldige für „Mitleidsermüdung“?

Ein Rundumschlag gegen korrupte Eliten in aller Welt.

LeserInnenbrief  als Reaktion auf den Kommentar Drittwelt-Eliten und „Mitleidsermüdung“ von Hans Rauscher. Erschienen im Online-Standard am 17.08.2010.

Sehr geehrte Standard-Redaktion, sehr geehrter Herr Rauscher,

In Ihrem Kommentar „Drittwelt-Eliten und Mitleidsermüdung“ vom 17.08.2010 stellen Sie eingangs die Frage, warum für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan so wenig gespendet wird. Die Antwort suchen Sie in schlecht funktionierenden staatlichen Strukturen, in der Dominanz des Islam und im Besitz von Atombomben. Warum ein bestimmtes religiöses Bekenntnis mit in die Verantwortung gezogen wird, lässt sich für mich nur auf die bereits länger bestehende mediale Hetze gegen den Islam zurückführen und lässt mich erschreckend feststellen, wie selbstverständlich es anscheinend geworden ist, den Islam als Sündenbock hinzustellen.

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Wie kommen Sie dazu, solche Fragen zu stellen?

Beschämende Interviewpraktiken in der ZIB 2, 20. Juli 2010

Brief an die Redaktion der ZIB 2 zum Interview von Eugen Freund mit Auma Obama in der ZIB 2 am 20. Juli 2010

Sehr geehrte Redaktion,

Mit wachsendem Unbehagen habe ich vorgestern Abend das Interview von Eugen Freund mit Auma Obama verfolgt. Zunächst erläuterte Frau Obama verschiedene Situationen und (Lebens-)Umstände, in denen Menschen besonders von Aids betroffen sind. Sie verwies auf die schwierige Situation von Frauen, die sehr jung verheiratet werden und nicht die Möglichkeit haben, zu erfahren, wie man sich als Frau vor der Krankheit schützen kann.In dem Moment, als Auma Obama bemerkte, „dass man dann als Frau keine Stimme hat“ wurde sie von Eugen Freund unterbrochen.

Nicht, um nachzuhaken, eine Frage zu stellen, mehr darüber zu erfahren, wie Aids in Kenia, wo sie lebt, bekämpft wird, oder mit welchen Schwierigkeiten Hilfsorganisationen wie CARE, bei der sie arbeitet, zu kämpfen haben. weiterlesen »

Gewissenloses Islam-Bashing

Der kritische Gastkommentar erschien am 26. 6. 2010 in der Presse:

Der angebliche Zusammenhang von Islam und Gewalt –
oder wie eine Religion zum Stigma gemacht wird.

Anscheinend sind gegenwärtig in der deutschsprachigen Zeitungslandschaft Islam und Muslime das liebste Feindbild. Es geistert eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen durch Blätter und Webseiten, die die Gewaltbereitschaft junger Muslime belegen will. Damit wird Stimmung gemacht, und wieder einmal ist es anti-muslimische Stimmung.

Wenn man jedoch den Forschungsbericht Nr. 107 “Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt” genauer betrachtet, wird klar, wie schamlos in Zeitungsberichten mit dem Zahlenmaterial der Studie umgegangen wird. weiterlesen »

Zuwanderung in einem christlichen Weltbild

Leserbrief zum Text “Tolerant bis zur Selbstaufgabe?“ von Martin G. Petrowsky in der Wiener Zeitung, Extra, vom 22. 5. 2010, der am 7. 6. 2010 in stark gekürzter Form erschien.

Sehr geehrter Herr Petrowsky, sehr geehrte Redaktion,

bedauerlich, dass sich nun auch die Wiener Zeitung in den Reigen jener einfügt, die auf emotionaler Ebene gegen Einwanderungswillige, Wirtschaftsflüchtlinge und „Asylanten“ Stellung beziehen, wie geschehen in dem Beitrag Tolerant bis zur Selbstaufgabe? von Martin G. Petrowsky, vom 22. 5. 2010.

Da wird als “Tatsache” beschrieben, dass “Wirtschaftsflüchtlinge … meist … weder die nötige fachliche und sprachliche Qualifikation, noch die nötige Lern- und Anpassungsbereitschaft besitzen”. Dem ist entgegenzuhalten, dass so genannte „Wirtschaftsflüchtlinge“, wenn sie offiziell in eine solche Kategorie eingeteilt werden, ohnedies wieder dorthin geschickt werden, wo sie herkommen. Keine Studie kann daher einen solchen Sachverhalt belegen, dies ist keine Tatsache, sondern eine bloße Meinung desjenigen, der sie erfindet.
Derart bietet dieser Text viele Gelegenheiten, Sätze des Vorurteils zu überführen, der Ungenauigkeit, der unbewiesenen Behauptung oder einer bloßen Meinung, die als Tatsache auftritt. weiterlesen »

„Illegale“ in Österreich – zur Problematik von Begriffen und Zahlen

Leserbrief zum Artikel „Bis zu 100.000 ‚Illegale‘ in Österreich“ von Ania Haar, erschienen in der Presse am 4.5.2010, verfasst von Christina Hollomey

Sehr geehrte Ania Haar, sehr geehrte Redaktion,

Migration, und besonders die undokumentierte Seite davon, ist ein in Politik und Medien viel diskutiertes Phänomen. Jedoch wird es nur selten in seiner Komplexität und Vielschichtigkeit dargestellt. Der Artikel „Bis zu 100.000 ‚Illegale’ in Österreich“ von Ania Haar, erschienen am 4.5. in der Presse, bemüht sich darum, vermeidet Pauschalisierungen und will Informationen kritisch aufbereiten – wird diesem Anspruch aber schlussendlich nicht gerecht. weiterlesen »