Archiv des Autors: Ingrid Thurner

Islam hat eine schlechte Presse

Der Kommentar ist am 2. Juni 2016 in Die Furche erschienen.

Unterzieht man die Schlagzeilen der letzten Zeit in Google News einer Wortanalyse, dominieren beim Thema Islam die Substantive Gewalt, Terror, Krieg, Delikte, Überwachung, Dschihadismus, Islamismus, Hetze, Anti-Islam, Verfassungsschutz, die Adjektive radikal, bedrohlich, nicht kontrollierbar, die Verben warnen, verschärfen, beschimpfen, fordern, gehört zu, gehört nicht zu. weiterlesen »

Was ist ein Kulturkreis?

Der Kommentar erschien am 3. 5. 2016 in der Wiener Zeitung.

Je mehr sich Europa nach außen abschottet, desto öfter stolpern Leser über Formulierungen wie „fremde Kulturkreise“ oder „andere Kulturkreise“. Eine Klarstellung.

Wenig überraschend müssen Kulturkreise besonders dann herhalten, wenn Unterschiede zwischen Menschen zementiert und bestimmte Gruppen ausgegrenzt werden.

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Der Respekt des Händeschüttelns

Der Kommentar ist am 23. 12. 2015 in der Print-Ausgabe der Wiener Zeitung erschienen und abrufbar auf Genios.

Es häufen sich Berichte, wonach muslimische Macho-Männer sich weigern, einer Frau die Hand zu reichen. weiterlesen »

Kopftuch, wieder einmal

Zum Kommentar Religion ist privat, das Kopftuch ein Symbol von Helmut Brandstätter im Kurier vom 28. 11. 2015 erlauben wir uns – entsprechend kultur- und sozialanthropologischen Erkenntnissen – einige Anmerkungen.

Musliminnen, die ihre Häupter bedecken, erklären in den letzten Jahren unermüdlich, dass sie dies nicht tun, weil ihre männlichen Verwandten es vorschreiben, sondern weil sie des Glaubens sind, dass der Islam, der Koran ihnen dies vorschreibe. weiterlesen »

Knigge für Flüchtlinge

Der Kommentar erschien am 21. 10. 2015 in der Wiener Zeitung.

In letzter Zeit wird Flüchtlingen mittels Verhaltenskodex eingebläut, was die Willkommensschilder an Grenzübergängen und Bahnhöfen tatsächlich bedeuten. weiterlesen »

Himba: Projektionsfläche europäischer Sehnsüchte

Zum Bericht “Nomaden in Namibia im Kaokland” im Stern, online am 6. 10. 2015 erlauben wir uns aus ethnologischer Perspektive einige Anmerkungen.

Zunächst einmal leben diese Menschen nicht „fast völlig vergessen“. Das Gegenteil ist der Fall, sie touren regelmäßig durch deutschsprachige Medien und müssen als Projektionsfläche europäischer Sehnsüchte nach etwas diffusem Ursprünglichen herhalten, das im eigenen Lebensumfeld verloren scheint. In diesem Sinne sind Himba (Plural eigentlich Ovahimba) seit Jahrzehnten Objekte exotistischer Verklärungen, wie auch in diesem Artikel. weiterlesen »

Moralische Überheblichkeit gegenüber dem Islam

Es ist prinzipiell erfreulich, dass der Standard seine Seite „Kommentar der anderen“ der breitesten Öffentlichkeit als Plattform zur Verfügung stellt, auf der jedermann und jedefrau Meinungen äußern darf. Leider sind sie halt manchmal wenig fundiert.

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Was ist ein „Islam ohne Scharia“?

Eine Replik zu „Islamisierung Europas: Nein, ich habe keine Visionen“ von Michael Ley in der Presse vom 20. 6. 2015.

Wie müssen sich die Angehörigen des Islam fühlen, wenn sie diesen Bericht über sich in der Presse lesen?
Gerade einmal 6,2 Prozent der österreichischen Wohnbevölkerung bekennt sich zum Islam. Rechnet man nur Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft, sind es gar nur 3,4 Prozent (Integrationsfonds 2009, gesicherte jüngere Zahlen gibt es nicht). Was Europa betrifft, liegen die Angaben zwischen 6 und 8 Prozent. Bei solchen Größenordnungen eine Islamisierung des Kontinents zu befürchten, ist doch ein bisschen übertrieben. weiterlesen »

Eine differenzierte Sicht auf den IS

Eine Replik auf die Glosse Totschlag und Wissenschaft; sie erschien als Leserkommentar am 2./3. 5. 2015, S. 12 in der Wiener Zeitung.

Selbst den dümmsten Kulturwissenschaftlern ist klar, dass die Terror-Organisation IS leider mehr ist als ein intellektuelles Konstrukt. weiterlesen »

Möchtegern-Islamexperten

Der Kommentar ist am 13. 1. 2015 in Die Presse und am 15. 1. 2015 in Die Furche erschienen.

Der Flächenbrand im Nahen Osten produziert im Schnellverfahren Möchtegern-Islamexperten. In letzter Zeit häufen sich wieder die Anti-Islam-Texte, im Kurier vom 5. 1. („Zehn aktuelle Thesen zum Islam und Europa“), in der Presse vom 3. 1. („Die Sache des Leviathan“), in der Wiener Zeitung vom 27. 12. 2014 („“Die Wahrheit ist zumutbar, auch dem Islam“).

Mit wenig Recherche und vielen Vorurteilen wird da Meinung produziert und verbreitet, Sachkenntnis scheint nicht vonnöten, dass man eine Plattform in einer Zeitung findet. Leider häufen sich nicht in gleicher Zahl die Gegenstimmen, die Islamverbände und muslimischen Kommentatoren des Landes sind es anscheinend leid, den immer gleichen Anschuldigungen gegen ihren Glauben zu begegnen. Und wir von der Teilnehmenden Medienbeobachtung haben auch schon häufig darauf hingewiesen, dass man nicht immer wieder der Religion und ihren Angehörigen zur Last legen kann, was in Wirklichkeit Kämpfe um Macht und Ressourcen und geopolitische Vorherrschaft sind. weiterlesen »