Himmel oder Hölle. Betrachtungen zur Berichterstattung über den Südpazifik

Ein Zyklon fegt durch den Pazifik und zerstört die Lebensgrundlage von einigen pazifischen Inselstaaten. Hula-Tänzerinnen besuchen im Gedenken an den hawai’ianischen König Kalakaua Wien und tanzen im Hotel Imperial. Auf Pitcairn, der Insel mit Nachkommen der Meuterer von der Bounty und polynesischen Frauen, gibt es Baugrund zu erwerben. Westpapua wird als vernachlässigter Krisenherd vorgestellt. Dazwischen die bunten Prospekte von Tourismusbüros bei der Ferienmesse, in Diskonterfilialen findet man Reiseangebote und in den Tourismusseiten von Zeitungen schöne Bilder, die die „Südsee“ bewerben. Dazu kommen Dokumentationen in verschiedenen Sendern zu Natur und deren Bedrohung im Pazifik oder auch eine seichte Krimi-Serie mit Hawai’i als Hintergrundkulisse. weiterlesen »

Ebola, Medien und Ethnologie – Offener Brief zum SZ-Artikel „Böser Zauber Ebola“

Fachvertreter/innen beziehen Stellung zu dem Artikel „Böser Zauber Ebola: Ethnologen im Hilfseinsatz“, der am 15. Dezember 2014 in der Süddeutschen Zeitung erschien. Einblicke in Exotisierung, Vereinfachung und ein Verständnis der Ethnologie als Wissenschaft des Übersetzens:

http://www.medizinethnologie.net/?p=142

Rassismus im Falter? Da wünschen wir uns auch was

Zu Recht kritisiert Armin Thurnher in seiner Replik (3.12.2014) auf die Vorwürfe, der Falter verbreite rassistische Bilder, die schnelle Verurteilungsmaschinerie der sozialen Medien, in denen sich viele zu Wort melden und auf Züge aufspringen, ohne zu wissen, wohin diese fahren. Auch fordert er zu Recht eine Kontextualisierung ein. Den Falter ab nun per se als rassistisch zu verurteilen ist falsch und nicht dienlich.

weiterlesen »

Out of the Jungle hinein ins Sommerloch?

Sehr geehrte Standard-Wissenschaftsredaktion!

Ihr Artikel Isolierter Ureinwohner-Stamm suchte erstmals Kontakt zur Zivilisation vom 9. Juli 2014 im Standard online erscheint als äußerst exotisierender und nicht auf dem Stand der Wissenschaft basierender Bericht, der in einem Qualitätsmedium so nichts verloren hat. Die ursprüngliche Artikelüberschrift „Isolierter-Eingeborenen-Stamm-suchte-erstmals-Kontakt-zur-Zivilisation“, in der Linkadresse noch zu lesen, zeigt die eurozentristische Sichtweise dahinter sehr gut auf. weiterlesen »

Zurück in die Kolonialzeit

Die Gießener Allgemeine (Online-Ausgabe) vom 25.12.2013 berichtet von der Reise des pensionierten Gießener Oberarztes Prof. Heiner Laube „zurück in die Steinzeit“ zu den Kara in Äthiopien.

Mit dem mehrfach verwendeten Begriff „Urstamm“ wird gleich Eingangs suggeriert, dass es sich bei den Kara um eine seit der „Steinzeit“ unveränderte und unbeeinflusste Gruppe handeln würde, die sich in die heutige Zeit erhalten konnte. Diese Annahmen sind allerdings unbeweisbar und allein die Tatsache, dass sich ein Missionsteam vor Ort befindet widerlegt dies zumindest für die jüngere Zeit. weiterlesen »

Leserbrief zum Interview mit Anja Salomonowitz über „Die 727 Tage ohne Karamo“ in der “Presse”

Mit Erstaunen erfüllte mich das Interview, das Köksal Baltaci mit der Regisseurin Anja Salomonowitz führte. Der Eindruck, dem Interviewer selbst seien binationale Ehepaare nicht ganz geheuer, drängt sich bei der Fragestellung auf. Abgesehen von den drei Fragen zu Beginn zwingt der Journalist die Regisseurin im Laufe des Interviews dazu, sich permanent für ihren Film zu rechtfertigen. Und zwischen den Zeilen vermeint man zu lesen: Selbst schuld! Wenn man schon so blöd ist, sich eine/n Ausländer/in auszusuchen, dann bitte nicht auch noch jammern, wenn’s schwierig wird! Umso verwunderlicher ist dieser Eindruck, da Herr Baltaci soeben mit dem Journalistenpreis für Integration für seinen Artikel „Mit Kopftuch in der Arbeit“ ausgezeichnet wurde. Von eben dieser Haltung (Wenn man schon so blöd ist, sich ein Kopftuch aufzusetzen, dann bitte nicht auch noch jammern, wenn’s schwierig wird!) ist in dem prämierten Artikel gar nichts zu spüren. weiterlesen »

Auf Safari!

Fragwürdige Stereotypen der Tourismuswerbung

Im Rahmen der Vermarktung indigener Kulturen im Tourismus werden die Lebenswelten verarmter Minderheiten zu Sehnsuchtsorten reicher Zivilisationsflüchtiger auf Zeit. Im südlichen Afrika sind es „Buschmänner“, deren Vergangenheit als Jäger und Sammlerinnen zum gefälligen touristischen Konsum aufbereitet wird. weiterlesen »

Safari in Namibia

Sehr geehrter Herr Mag. Wurm, sehr geehrte Reise-Redaktion,

das Cover Ihrer Reise-Beilage vom letzten Sonntag ziert ein vordergründig sehr ansprechendes Bild. Da muss man doch unbedingt mal hin! Diese Menschen leben im Einklang mit der Natur – und das im 21. Jahrhundert! Das Problem dabei ist: Die damit angedeutete Naturnähe und Unverdorbenheit sind exotistische Verklärungen. Wie schnell diese in Rassismus umschlagen können, wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt. Im Westen jedenfalls wecken solche Bilder Assoziationen mit Primitivität und Rückständigkeit und erhalten den rassistischen Diskurs über AfrikanerInnen aufrecht. weiterlesen »

Keine sexistische und exotisierende Werbung für Brasilien!

Sehr geehrter Herr Redakteur Stainoch!
Sehr geehrtes Jumbo-Geschäftsleitungsteam!

Bei einem Besuch der Reisemesse in Wien gestern habe ich u. a. ein Exemplar Ihres Fernreisejournals, Ausgabe 36/2010, erhalten und bin – als Kultur- und Sozialanthropologin sowie als reisende Frau – über die Gestaltung der Titelseite erstaunt bis entsetzt. weiterlesen »

Immer wieder “Südsee”!

Am 10. August 2009 veröffentlichte Der Standard die erste Folge einer neuen Artikelserie “Exotische Staaten” unter der Überschrift “Politik mit der Wurzel des Pfefferbaums” und berichtete darin über Tonga, Fidschi, Niue und Hutt River: weiterlesen »