Out of the Jungle hinein ins Sommerloch?

Sehr geehrte Standard-Wissenschaftsredaktion!

Ihr Artikel Isolierter Ureinwohner-Stamm suchte erstmals Kontakt zur Zivilisation vom 9. Juli 2014 im Standard online erscheint als äußerst exotisierender und nicht auf dem Stand der Wissenschaft basierender Bericht, der in einem Qualitätsmedium so nichts verloren hat. Die ursprüngliche Artikelüberschrift „Isolierter-Eingeborenen-Stamm-suchte-erstmals-Kontakt-zur-Zivilisation“, in der Linkadresse noch zu lesen, zeigt die eurozentristische Sichtweise dahinter sehr gut auf. weiterlesen »

TMB-Gastkommentar: Schule fürs Leben?

Von Gizem Gerdan, erschienen in der Wiener Zeitung am 15. Juni 2014

Seit Mitte März werden im Rahmen eines Experiments der Sendung “Thema” zwei Schulklassen aus einer Neuen Mittelschule (NMS) und einem Gymnasium mit einer Kamera und einem Team von Trainer_innen durch die letzten Monate der 8. Schulstufe begleitet. Schon im Laufe der ersten Folge wird klar, dass es der Anteil an Schüler_innen mit Migrationshintergrund ist, der diese Klassen nach der Idee der Redakteure ganz besonders von einander unterscheidet. Ziel dieses Experiments ist es, dass die Schüler_innen von- und miteinander lernen. Zehn Jugendliche werden näher vorgestellt und begleitet, sechs von ihnen haben Migrationshintergrund, vier davon Fluchterfahrungen.

Der Ansatz der Sendung ist eigentlich erfreulich, da er eine Möglichkeit bietet, migrantische Geschichten zu erzählen, die selten Platz in Mainstreammedien finden. Die erste Folge der Sendung setzt in dieser Hinsicht auch positive Zeichen: Wir lernen die Jugendlichen kennen. Nichtsdestotrotz zeigen leider die nächsten Folgen eine deutliche Fokussierung auf die Kinder mit Fluchterfahrung, die stutzig werden lässt. Natürlich ist diese Erfahrung prägend für die Wünsche und Träume der Schüler_innen. Aber das Thema Flucht beherrscht nicht nur die Darstellung der Jugendlichen aus der NMS sondern den Großteil der gesamten weiteren Sendezeit. weiterlesen »

Leserbrief: Pygmäen in Kamerun?

Leser_innenbrief zu Cornelia Buczolichs Reiseartikel “Alle Farben Afrikas” über Kamerun in: auto touring, März 2014, S. 44-48.

 

Liebe Frau Buczolich,

es ist gut möglich, dass TouristInnen sich in Kamerun als durch die Zeit gereiste „Abenteurer“ fühlen können. Dieses Gefühl würde aber nicht den Realitäten entsprechen, denn die EinwohnerInnen Kameruns, auch die Indigenen, existieren im Hier und Jetzt, gestalten ihr Leben und ihre Gemeinschaften unter den Gegebenheiten unserer modernen, schnelllebigen, globalisierten und touristisch erschlossenen Welt. weiterlesen »

Stammeskrieg im Südsudan?

Der Kommentar ist am 3. 1. 2014 in Die Presse erschienen.

Für die gegenwärtigen Schwierigkeiten im jüngsten Staat der Welt haben die europäischen Medien die älteste Erklärung parat. Sie muss bei allen Kriegen, Konflikten, Ehestreitigkeiten, und sogar bei Fußballausschreitungen auf dem afrikanischen Kontinent als Ursache herhalten: ethnische Differenzen.

Wie häufig bei näherer Betrachtung erweist sich solch simple Erklärung als simpel falsch. Derart eindimensional sind soziale Wirklichkeiten nicht, auch nicht in einem Staat, der seine Unabhängigkeit erst 2011 erlangte. weiterlesen »

Zurück in die Kolonialzeit

Die Gießener Allgemeine (Online-Ausgabe) vom 25.12.2013 berichtet von der Reise des pensionierten Gießener Oberarztes Prof. Heiner Laube „zurück in die Steinzeit“ zu den Kara in Äthiopien.

Mit dem mehrfach verwendeten Begriff „Urstamm“ wird gleich Eingangs suggeriert, dass es sich bei den Kara um eine seit der „Steinzeit“ unveränderte und unbeeinflusste Gruppe handeln würde, die sich in die heutige Zeit erhalten konnte. Diese Annahmen sind allerdings unbeweisbar und allein die Tatsache, dass sich ein Missionsteam vor Ort befindet widerlegt dies zumindest für die jüngere Zeit. weiterlesen »

Leserbrief zum Interview mit Anja Salomonowitz über „Die 727 Tage ohne Karamo“ in der “Presse”

Mit Erstaunen erfüllte mich das Interview, das Köksal Baltaci mit der Regisseurin Anja Salomonowitz führte. Der Eindruck, dem Interviewer selbst seien binationale Ehepaare nicht ganz geheuer, drängt sich bei der Fragestellung auf. Abgesehen von den drei Fragen zu Beginn zwingt der Journalist die Regisseurin im Laufe des Interviews dazu, sich permanent für ihren Film zu rechtfertigen. Und zwischen den Zeilen vermeint man zu lesen: Selbst schuld! Wenn man schon so blöd ist, sich eine/n Ausländer/in auszusuchen, dann bitte nicht auch noch jammern, wenn’s schwierig wird! Umso verwunderlicher ist dieser Eindruck, da Herr Baltaci soeben mit dem Journalistenpreis für Integration für seinen Artikel „Mit Kopftuch in der Arbeit“ ausgezeichnet wurde. Von eben dieser Haltung (Wenn man schon so blöd ist, sich ein Kopftuch aufzusetzen, dann bitte nicht auch noch jammern, wenn’s schwierig wird!) ist in dem prämierten Artikel gar nichts zu spüren. weiterlesen »

Miteinander aber doch getrennt?

Die Presse druckte am 03. Juli 2013 den Gastkommentar „Neue Ansätze für Miteinander der Geschlechter“ von Dr. Johannes Uhlig und Dr. Sibylle Manhart-Stiowicek ab.

Darin finden sich durchaus gute Ansätze, so zum Beispiel die Betonung der „persönliche[n] Eignung“ im Kontext der Berufswahl, welche aber, abgesehen vom Einfluss durch die Sozialisation, nur wenig mit dem Geschlecht der jeweiligen Person zu tun hat.

Leider wird der grundlegende Fehler begangen anzunehmen, dass „[...] beide Geschlechter von Grund auf verschieden sind“ – eine starre Trennung von Geschlechtern, die nicht zeitgemäß ist. In den Sozialwissenschaften wird heute zwischen biologischem Geschlecht (sex) und sozialem Geschlecht (gender) unterschieden. weiterlesen »

Das Goldene Brett für pseudokritisches Denken

Pseudokritisches Denken hat nicht nur die Universitäten, sondern auch die Medien durchdrungen. Sie lenken aber von den wahren Problemen an den Universitäten ab.

Am 24. 6. 2013 ist auf derStandard.at ein Gastkommentar erschienen, der sich unter dem Titel “Mit Geisterforschung zum Doktortitel: Esoterik an der Wiener Universität” mit dem Institut für Kultur- und Sozialanthropologie und einigen der wissenschaftlichen Arbeiten dort auseinandersetzt. weiterlesen »

Marokko ist anders

Betr.: Sabine Scholl „Was wären wir ohne Fatima?“ im Standard, Album vom 20. 4. 2013.

Sehr geehrte Frau Scholl, 

mit zunehmendem Entsetzen lasen wir Ihren Text zu Marokko. Das ist eine Aneinanderreihung von negativ besetzten Worten und Wertungen (todgeweiht, räudig, stinkend, grob, sterbend, muffeln, Staubschichten und Sand, stinkt, Blut, Exkremente, tot, getötet, Ansteckungsgefahr, Gestank, Latrine, dreckig, kotzen und so fort). In diesem Reisebericht dürfte die häufigste beschreibende Vokabel das sympathische Wörtchen „stinken“ in all seinen grammatischen Variationen sein. weiterlesen »

Miss Vienna eine “Black Beauty”?

ein Leserbrief an die Österreich-Redaktion von Almuth Waldenberger.

Liebe Österreich-Redaktion,

was versprechen Sie sich davon, in Ihrer Berichterstattung am 29.3. über den Ausgang der Wiener Miss-Wahl der Siegerin einen Beinamen zu geben, der die Leserschaft entweder an ein Pferd oder an einen Sklavenmarkt denken lässt?
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