Tattoo ohne Eigenschaften. Zum Peckerl-Klischee

In Berlin wird der Halleiner Tätowierer Raoul S. ermordet. Die längste Zeit im Juli heisst es in der deutschen und österreichischen Presse, dass Rocker ihn vermutlich umgebracht haben. Warum? Irgendwo in der Nähe ist ein Rocker-Club – und Raoul S. war Tätowierer. Schließlich haben Rocker viele Tattoos. Rocker sind außerdem nicht als Friendensengel bekannt, das heißt: Der Mörder wird ein Rocker gewesen sein. War es aber nicht.
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Medien, Stämme und Stereotype

Gastkommentar, erschienen in Presse, Printausgabe 7. 9. 2011

Neuerdings ist viel von Stämmen die Rede. Plötzlich taucht ein Begriff wieder auf, der eher in Vergessenheit geraten war. Es geht dabei um islamische Länder: Afghanistan, Pakistan, Jemen, Somalia, Sudan, Libyen. Es sind Länder, in denen die staatlichen Strukturen im Zerfallen sind oder zumindest in Gefahr, in denen Präsidenten und deren Getreue im Wesentlichen noch die Hauptstädte und das Umland kontrollieren.

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Die häßliche Fratze der Klischees. Warum Journalismus manchmal eine häßliche Fratze hat und Tätowierungen einfach bunte Bilder sind. Entgegnung zu Hans Rauschers „Einserkastl“ „Tattoo“ vom 23.05.2011

Der Platzsturm im Wien-Derby von letzter Woche hat nicht nur die häßliche Fratze des österreichischen Fußballs gezeigt. Er hat auch die häßliche Fratze des österreichischen Journalismus gezeigt: Die Voreingenommenheit.

Quer durch die meisten Medien gingen die Bilder von Hooligans, die den Spielabbruch von Rapid gegen Austria erzwungen haben. Die meisten Bilder zeigten von mehreren Hundert stürmenden Fans genau drei oder vier ausgewählte. Die meisten davon tätowiert. Ein stark tätowierter, angeblich griechischer Hooligan, der „Tattoo-Grieche“, wie ihn der Boulevard getauft hatte, wurde zum Aushängeschild gemacht: Die häßliche Fratze der Tätowierten. weiterlesen »

‚Grillkrieg’ oder einfach Schlägerei?

Sehr geehrter Herr Pichler!

Ich habe Ihren Beitrag über die „Prügel-Orgie auf der Donauinsel“ sowie den Zusatzartikel „Grill-Polizei im Einsatz“ (beide: 27.4.2011 in Österreich) gelesen und möchte gegen diese Form der Berichterstattung protestieren. weiterlesen »

Safari in Namibia

Sehr geehrter Herr Mag. Wurm, sehr geehrte Reise-Redaktion,

das Cover Ihrer Reise-Beilage vom letzten Sonntag ziert ein vordergründig sehr ansprechendes Bild. Da muss man doch unbedingt mal hin! Diese Menschen leben im Einklang mit der Natur – und das im 21. Jahrhundert! Das Problem dabei ist: Die damit angedeutete Naturnähe und Unverdorbenheit sind exotistische Verklärungen. Wie schnell diese in Rassismus umschlagen können, wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt. Im Westen jedenfalls wecken solche Bilder Assoziationen mit Primitivität und Rückständigkeit und erhalten den rassistischen Diskurs über AfrikanerInnen aufrecht. weiterlesen »

Anleitung zu mehr Weltoffenheit

“Die Presse”, Print-Ausgabe, 18.02.2011
Online: die Presse.com

Sehr geehrte Leser! Es stört Sie, dass Menschen in Ihrer Umgebung einen anderen Kleidungsstil bevorzugen als Sie? Oder dass sie sich einer Religion zugehörig fühlen, von der Sie höchstens denken, sie zu kennen? Dass diese eine Sprache sprechen, die Sie nicht verstehen, oder dass sie sich für Geschehnisse in einem anderen Land scheinbar mehr interessieren als für ihr Grätzel?

Darf ich zu einem kleinen Experiment einladen? weiterlesen »

“Klein-Bollywood” in Wien

Sehr geehrte Herren Brandl, Groh und Schiel,

leicht schockiert musste ich am  7. Februar 2010  Ihren Artikel  Todesstich in „Klein Bollywood“ – Inder verblutete im Stiegenhaus über einen Mord im 16.Bezirk lesen, wo ein „Inder“ brutalst „niedergestreckt“ wurde.

Die Tat an sich finden Sie wohl genauso grausam wie ich, das Szenario allerdings beschreiben Sie in den buntesten Farben: „Curry-Lokale, Dutzende Videotheken mit bunten Kostümfilmen, daneben bietet ein Reisebüro günstige Flüge nach Mumbai an – die Gegend rund um die Ecke Thaliastraße und Hippgasse gilt als ´klein Bollywood´ von Ottakring.“

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Warum das umstrittene Urteil nichts mit einer sozialwissenschaftlichen Sichtweise zu tun hat

… sondern als solches von Seiten der Sozialwissenschaften zu untersuchen wäre.

Der Kriminalsoziologe Wolfgang Stangl erklärt in seinem Gastkommentar vom 27. Jänner 2010 im Standard die „Argumentationslogik von Verteidigern und Kritikern des umstrittenen Todschlagurteils gegen einen gebürtigen Türken“ und kritisiert unter anderem die „patriotische Perspektive“ im ministeriellen Erlass, wonach der Vorgang aus „österreichischer Sicht“ zu beurteilen sei. Dieser Kritik können wir uns anschließen. In einem anderen Punkt ist ihm jedoch zu widersprechen. weiterlesen »

Die “Asylanten”-Zuwanderer-”Ausländer”-Frage und ihre “mörderischen Folgen”

Sehr geehrte Standard-Redaktion!

Ja, die „Asylanten“-Zuwanderer-„Ausländer“-Frage“, wie sie Hans Rauscher in seinem Kommentar vom 13. 01. 2010 tituliert, ist derzeit leider die wichtigste Frage für die Medien des Landes. Leider, weil sie in der derzeitigen Debatte hauptsächlich als Problem gesehen wird.

Für die Kronen Zeitung ist das typisch. Überraschend ist aber, dass der Standard einen Kommentar veröffentlicht, in dem zu lesen ist, dass „die jüdische und slawische Zuwanderung nach Wien“ vor 100 Jahren „mörderische Folgen hatte“ und man die Zuwanderung der letzten Jahrzehnte aus „archaischen Gesellschaften“ managen müsste, um solche Folgen zu vermeiden.

Damit wird implizit Juden und Jüdinnen bzw. SlawInnen die Schuld am industriellen Massenmord des Nationalsozialismus gegeben, was sogar die derzeitigen Argumentationsmuster der Kronen Zeitung unterbietet. weiterlesen »

Wenn „Kluge Köpfe“ weniger kluge Artikel verfassen: Mitteleuropa-Klischees im “Standard”

Sehr geehrte Standard-Redaktion,

der Standard behauptet in seiner Werbung gerne, eine „kluge Zeitung für kluge Köpfe“ zu machen. Immer wieder ist in Artikeln und Kommentaren das Selbstverständnis herauszulesen, eines der letzten freien „gallischen Dörfer“ in einem von Leserbriefkampagnen und vom Boulevard dominierten Land zu sein. Zu Recht ist der Standard stolz darauf, (mehr oder weniger) kritische und objektive Berichterstattung zu machen. weiterlesen »