Offener Brief an die “Heute”-Redaktion über die Berichterstattung im Fall des “Kindergarten-Mörders”

Rassistische Berichterstattung ist in österreichischen Medien kein Einzelfall. Ganz im Gegenteil: Sie findet recht häufig statt.
Selbst die “Krone”, über die man per Gerichtsurteil sagen darf, dass sie “antisemitische und rassistische Tendenzen unterstützt”, bewegt sich innerhalb bestimmter Grenzen.

Der Gratis-Ableger der “Krone”, die Tageszeitung “Heute”, hat diese Grenze überschritten.
Der Bericht in “Heute” über den “Kindergarten-Mord” ist ein übles Machwerk:
Zum Nachlesen:
http://dastandard.at/1353208508447/Heute-ueberschreitet-Grenzen weiterlesen »

Leben in der Migrationsgesellschaft

Am 13. Oktober 2012 durfte Heinz Buschkowsky, SPD-Bürgermeister von Berlin-Neukölln, im „Standard“ sein diskussionswürdiges Integrationsverständnis darstellen. Buschkowsky spricht von Einwanderung als „Testbetrieb fürs Sozialsystem“, von einer Zunahme von „Zweit-, Dritt- und Viertfrauen“, von einer „Bewahrung der archaischen Lebenswelt wie bei Opa“ und von einem Zurück zu „Fred Feuerstein“. Als besonders brennende Probleme werden – wieder einmal – die „Sprach- und Bildungsdefizite“ der „Einwandererkinder“ betrachet. weiterlesen »

Chancengerechtigkeit und Schule

Die VertreterInnen der sogenannten Ausländerpädagogik konstruierten in den frühen 1970er Jahren – voll guten Willens – die Kinder von „Gastarbeitern“ als SchülerInnen mit „Sprach- und Kulturdefiziten“. Sie arbeiteten mit der naiven Annahme, dass diese Kinder im Schulsystem nur bestehen könnten, wenn sie durch einen Prozess der vollständigen Assimilation gehen und dabei Sprache und Kultur ihrer Eltern gegen die des Gastlandes eintauschen. Die betroffenen Kinder werden dabei als eine besondere Gruppe betrachtet, als Schüler und Schülerinnen mit Defiziten und Problemen charakterisiert; als zusätzliche Bürden, „Analphabeten in zwei Sprachen und Kulturen“, tickende Zeitbomben, Kriminelle, als Gefahren oder als zu wenig motiviert. Eben diese Bilder finden sich auch in jüngster Zeit wiederholt – so auch im Kurier-Kommentar „Mehr Integrations- als Schulproblem“ von Martina Salomon, 5.10.2012. weiterlesen »

Welt&Stadt: Wien ohne rosarote Brille

Es ist höchst begrüßenswert, dass Welt & Stadt, eines der Gratis-Journale der Stadt Wien, dezidiert Informationen für Zugewanderte liefert. Gut ist auch, dass gezielt JournalistInnen mit Migrationshintergrund eine Plattform geboten wird. Und drittens ist positiv hervorzuheben, dass sich die Artikel nicht nur auf den Themenkomplex Integration beschränken, sondern einfach den Alltag aus verschiedenen Seiten beleuchten.

Dennoch bleiben die Berichte leider oft an der Oberfläche; echtes Service und politisch-kritische Information sucht man meist vergebens. weiterlesen »

Die Vorhaut bleibt dran!

Die Vorhaut der männlichen Nachkommen, vom Baby- bis zum Mannesalter, scheint für viele österreichische bzw. deutsche Männer ein sehr emotionales Thema zu sein. „Endlich“, twitterte Florian Klenk, „ein deutsches Gericht erklärt medizinisch nicht notwendige rituelle Bubenbeschneidung zur Körperverletzung“. Auch der eindrückliche FAZ-Artikel „Blutiger Schnitt“ aus dem letzten Jahr fährt schwere Geschütze auf: Beschneidung bei Buben könne die Ursache für Frauenhass und Machogehabe sein, in jedem Fall sei diese eine Gewaltausübung gegenüber Kindern, die in der Kinderrechtskonvention verboten sei. weiterlesen »

Was wir von unseren Kindern lernen sollten

Gastkommentar, Wiener Zeitung Printausgabe: 07.02.2012

Schauplatz Nachmittagsbetreuung. “Herzlich willkommen” steht in vielen Sprachen an der Tür. Hier treffen Volksschulkinder mit unterschiedlicher Muttersprache und Herkunft zusammen. Konfliktsituationen gibt es im Kinderalltag ständig: A. nimmt S. den Radiergummi weg, B. versteckt die Turnschuhe von L., K. stört bei der Hausübung, G. beschimpft andere ohne ersichtlichen Grund, E. kritzelt ins Heft des Sitznachbarn, D. tritt F. absichtlich auf die Zehen . . . Wenn mehrere Kinder aufeinandertreffen, sind solche Probleme normaler Alltag. Grenzen werden ausgetestet, Freundschaften gebildet und auch wieder aufgelöst – Stillstand herrscht hier nie.
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LeserInnenbrief zu “Facebook-Gesichtsverlust”

Sehr geehrter Herr Rauscher, sehr geehrte Standard-Redaktion,

Ihr Kommentar “Facebook-Gesichtsverlust” (Printausgabe 22.11.2011) macht Sie kein bisschen jünger, cooler oder urgeiler, als Sie es Werner Faymann vorwerfen nicht zu sein. Das Einserkastl wird als Plattform genützt, um auf Mitmenschen mit Migrationshintergrund hinzuprügeln – aus welchem Anlass auch immer.

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LeserInnenbrief zu “Neue Wege gegen Arbeitslosigkeit bei Migranten”

Sehr geehrter Herr Gerald John, sehr geehrte Standard-Redaktion,

mit Bedauern habe ich den Beitrag “Neue Wege gegen Arbeitslosigkeit bei Migranten” gelesen (erschienen am 28.10.2011 in der Printausgabe).

Ohne die genannten Fakten bezüglich der Arbeitslosigkeit anzuzweifeln, halte ich deren Darstellung für sehr unglücklich gewählt. Als Einstieg folgt ein Stereotyp dem nächsten. „Sie kommen oft in Begleitung, manchmal mit der halben Familie im Schlepptau. Stumm sitzen die Frauen da, das Kopftuch ins Gesicht gezogen, während der Mann an ihrer Seite das Wort führt. Zieht die Beraterin ihnen doch ein paar Sätze aus der Nase, offenbart sich nicht selten holpriges Deutsch.“

Was wie ein Rätsel klingt – mit der richtigen Antwort „Türkische Mädchen und Frauen zählen zur schwierigsten Klientel von Jobvermittlern“ – ist vielmehr die Festschreibung immer wieder bedienter Stereotype. weiterlesen »

LeserInnenbrief betreffend Wochenendausgabe 30.4./1.5.2011

Sehr geehrte Standard-Redaktion, sehr geehrte Irene Brickner!

Vielen Dank für den Themenschwerpunkt der vergangenen Wochenendausgabe! Es ist Ihnen gelungen, Migration nach Österreich historisch zu beleuchten und sie in ihren wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Aspekten darzustellen.

Die Arbeitsmarkteröffnung war und ist immer wieder Thema zahlreicher Debatten, die Ankunft von Migranten auf dem österreichischen Arbeitsmarkt wird oft als bedrohlich empfunden. Dieser Auffassung wirken Stimmen wie jene des Wirtschafts- und Migrationsexperten Klaus Zimmermann entgegen. weiterlesen »

Multikulti ist nicht tot

Der Essay erschien am 26. 2. 2011 in Die Presse, Spectrum

Schluss mit Multikulti?

Das, was neuerdings häufiger als Multikultipolitik verteufelt wird, hat in Wahrheit nie existiert. Nicht das Scheitern von Multikultipolitik hat Parallelgesellschaften geschaffen, sondern deren absolutes Fehlen.

Seit der Kapitulation vor einem rassistischen Druckwerk, dessen Befunde auf kreativer Statistik beruhen, tragen Politiker aller Couleur ein Diversitätskonzept zu Grabe, das anderswo gut funktioniert, und Medien aller Couleur stimmen in den Abgesang ein. Die katastrophale weiterlesen »