Der Islam als Biotop, in dem Gewalt blüht? Eine Replik

Kommentare oder Artikel wie der “düstere Halbmond” von Eric Frey, erschienen am 20. Jänner 2014 im Standard, sind nicht nur irreführend, sondern auch gefährlich. Eine kritische Replik von Ingrid Thurner, Heidemarie Weinhäupl und Margit Wolfsberger als Leser_innen-Kommentar auf derStandard.at.

Ist der Arabische Frühling noch zu retten?

Der Kommentar ist in leicht veränderter Form in der NZZ vom 31. 10. 2013 erschienen, ebenso auf Qantara und wurde ins Englische und Arabische übersetzt.

Neuerdings gefallen sich Medien darin, den Arabischen Frühling zu Grabe zu tragen, und zwar durchaus auch intellektuellere Blätter. Nachgerade wird ein arabischer Winter heraufbeschworen. „In Ägypten hat Demokratie keine Chance“, kann man lesen oder: „Das Experiment ist vermutlich für längere Zeit gescheitert“.

Dabei ist man in Syrien und Ägypten, in Tunesien und Libyen gerade mitten in der Arbeit, es wird gekämpft und gestorben, aber auch verhandelt. Nichts ist entschieden, in keinem der Revolutionsländer. Aber aus europäischen Mündern tönt es hämisch: „Ihr werdet es ja doch nicht schaffen.“ Warum geben wir ihnen keine Zeit? weiterlesen »

Wer hat Interesse an Demokratie in Ägypten?

Der Kommentar ist am 20. 8. 2013 in Die Presse erschienen.

Vor Gläubigen und Theologen fürchtet man sich in aufgeklärten westlichen Ländern mehr als vor Generälen. Wie leise sind doch die Proteste aus Brüssel und Washington gegen das gezielte Morden in Kairo? Bloß um den Schein zu wahren legen sie zeitweise ein wenig an Schärfe zu. Die Medienberichterstattung ist tendenziös und überwiegend Anti-Mursi und Pro-Sisi. Hunderte Tote – und dennoch wird das Wort Massaker in Anführungszeichen gesetzt („Massaker“). Da ist die Rede von „Räumung“ oder „Auflösung“ der Protestlager, obwohl sie doch niedergewalzt und leer geschossen wurden. Da kann man lesen: „Es sieht aus wie ein Schlachtfeld“ – wo es doch eines ist. weiterlesen »

Das Scheitern der islamischen Demokratie?

LeserInnenbrief zum Profil-Artikel Ägypten: Das Scheitern der islamischen Demokratie von Tessa Szyszkowitz im Profil vom 15. Juli 2013

Sehr geehrte Dr. Szyszkowitz, sehr geehrte profil-Redaktion,

vielen Dank für das gelungene Interview mit Gilles Kepel. Sie konnten den sogenannten Experten durch das Einbringen von Hintergrundwissen aus der Reserve locken, seine zum Teil verallgemeinernden Positionen aufbrechen und ein differenziertes Bild ermöglichen. Durchaus energischer hätte man noch aufdecken können, dass Herr Kepel jedes Versagen von demokratisch gewählten Regierungen mit Beteiligung islamistischer Parteien als logisch und naturbedingt (Ägypten, Türkei) darstellt, während er Erfolge (Tunesien) lediglich als Ausnahmeerscheinung abtut. weiterlesen »

Zur Pieta des Arabischen Frühlings

Zum Kommentar “Die Pieta des ‘Arabischen Frühlings’” in Die Presse vom 7. 9. 2012 über das zum World Press Photo 2012 gekürte Bild, auf dem eine Jemenitin ihren verwundeten Sohn in den Armen hält.

Wir stimmen mit Ihnen überein, dass das preisgekrönte Pressefoto einen westlichen Blick auf die Vorkommnisse im arabischen Raum offenbart. Aber keineswegs ist diese Frau wegen ihrer Vollverschleierung ihrer Identität beraubt. Sie nennen ja sogar ihren Namen, der weltweit weiterlesen »

Die europäische Verantwortung für die arabische Wende

Radiobeitrag, gesendet auf WDR 5, Politikum, 25.10.2011

Dem Urnengang in Tunesien werden im November Wahlen in Ägypten und Marokko folgen, und auch in Libyen kämpft man erbittert um eine provisorische Neuordnung, die rivalisierende Kräfte einbindet und Teilhabe möglichst vieler gewährleistet. weiterlesen »

Medien, Stämme und Stereotype

Gastkommentar, erschienen in Presse, Printausgabe 7. 9. 2011

Neuerdings ist viel von Stämmen die Rede. Plötzlich taucht ein Begriff wieder auf, der eher in Vergessenheit geraten war. Es geht dabei um islamische Länder: Afghanistan, Pakistan, Jemen, Somalia, Sudan, Libyen. Es sind Länder, in denen die staatlichen Strukturen im Zerfallen sind oder zumindest in Gefahr, in denen Präsidenten und deren Getreue im Wesentlichen noch die Hauptstädte und das Umland kontrollieren.

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