Es gibt keine Verbrechergesichter

Sehr geehrte Kronen Zeitungs-Redaktion!

Im Bericht „Taxi-Raube geklärt: ‚Safer’ wird gesucht“ vom 22. November 2011 behaupten Sie, dass einer der mutmaßlichen Täter ein „Allerwelts-Verbrechergesicht“ besitzt und machen diese Behauptung an drei Merkmalen fest: „kurze Haare, dumpfer Blick, offener Mund“. Wir lehnen diese Form der Diskriminierung und Vorverurteilung entschieden ab. Eine mutmaßliche kriminelle Veranlagung kann sicher nicht aus einem Polizeifoto und ganz generell nicht vom Äußeren eines Menschen abgelesen werden. Der junge Mann auf dem Foto hat kein „Allerwelts-Verbrechergesicht“, sondern ein jugendliches Durchschnittsgesicht. Durch Ihre diskriminierende Berichterstattung, zu der auch die Angabe der ethnischen Herkunft des mutmaßlichen Täters gehört, stempeln Sie den jungen Mann zu einem „geborenen Verbrecher“ ab. Dies trägt sicher nicht zur Findung der Wahrheit bei, verstärkt vielmehr Vorurteile gegenüber jungen Männern, die dem mutmaßlichen Täter ähnlich sehen, und verletzt ganz sicher die Gefühle des Mannes sowie seiner Angehörigen. Das ist keine journalistische Information, sondern eine Form der versteckten Meinungsmanipulation. Es ist bedauerlich, dass diese unseriöse und unethische Berichterstattung in Ihrem Medium zu finden ist, das sich doch die Kontrolle der Mächtigen und die Vertretung der Meinung des „kleinen Mannes“ auf seine Fahnen heftet.

Margit Wolfsberger
Für die Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung
an der Universität Wien

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