TMB bei den Tagen der KSA

7. Tage der Kultur- und Sozialanthropologie, 24. und 25. Mai 2012

Workshop 13: Mobilität. Medien. Repräsentation.

25. 5. 2012, 9.30-13.00 HS C

Programm:

Bildungspolitische Diskurse in Österreich. Zur sprachlichen Konstruktion von ‘Ausländern’ bei SPÖ und ÖVP.

Mathilde Fixl

Bewegungen von Menschen über relevante Grenzen hat es zu allen historischen Zeiten und fast überall gegeben, Migration, so kann mittlerweile als Konsens gelten, ist unvermeidbar. Die Logik der zeitgenössischen demografisch und wirtschaftlich ausgleichenden Migrationspolitiken ist hierbei im Kern jedoch oft zumeist ökonomistisch: “Nutzung von Arbeitskraft”, “Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit”, “Gewinnung Hochqualifizierter”, “Innovationskraft der Wirtschaft”, “Sicherung des Wohlstandes” sowie “Leistung” sind dabei die vorherrschenden Begriffe. Eine zentrale Dimension der diversen Migrationspolitiken sind aber auch politische, gesellschaftliche und intersubjektive wissensbegründete Vorstellungen darüber, was Zugehörigkeit zur “eigenen” Gesellschaft bedeutet und wer zugehörig sein darf.

Das Erfordernis, sich bildungswissenschaftlich mit dem Thema Migration auseinanderzusetzen, ergibt sich vor dem Hintergrund, dass für die Migrationsgesellschaft bzw. ihre Bildungszusammenhänge diese Differenzierungen von Bedeutung sind. Forschungen weisen dabei darauf hin, dass auch in den aktuellen Ansätzen der Schulpolitik die traditionelle Produktion und Reproduktion von Differenz zwischen “Wir” und “Nicht-Wir” fortgesetzt wird. So sind die deutschsprachigen Länder etwa noch weit davon entfernt bi- und multilinguale Vorgehensweisen zu etablieren, auch wenn WissenschafterInnen seit Jahren auf die Bedeutung der Unterrichtsarbeit in den Erst- bzw. Familiensprachen hinweisen. Die Entwicklung der Erstsprache wird mit dem Schuleintritt häufig sogar abgeschnitten, die Kinder werden in einer Zweitsprache alphabetisiert, der weitere Erwerb der Erstsprache wird in der Schule kaum oder gar nicht unterstützt.

Der Beitrag skizziert den Umgang mit Mehrsprachigkeit in Österreich am Beispiel der bildungspolitischen Debatte und der damit verbundenen Zeichnung von “sprachlichen Anderen”, Minderheiten, Flüchtlingen, MigrantInnen – “sprachlichen Ausländern” mithin, ebenso wie die Rollen, die die politische Elite und andere Elitegruppen in diesem Kommunikationsprozess spielen, um einen genaueren Einblick in die Rolle der Politik bei der Legitimation und Aufrechterhaltung der natio-ethno-kulturellen Machtverhältnisse (so Paul Mecheril 2010) zu gewinnen, ebenso wie bei der Reproduktion von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in Österreich.

Darstellung des Islam und der MuslimInnen in österreichischen Tageszeitungen. Eine qualitative Untersuchung ausgewählter JournalistInnen.

Alexander Osman

Der vorliegende Vortrag beleuchtet die Darstellung des Islam und der MuslimInnen in österreichischen Tageszeitungen aus der Perspektive ausgewählter JournalistInnen. Neben einer Einbettung des Themas in den österreichischen Kontext wird anhand rezenter Studien auf die mediale Präsenz des Islam und der MuslimInnen eingegangen.

Befragt wurden mehr als ein Dutzend JournalistInnen verschiedener Medien, die einerseits ihr Medium diesbezüglich beschreiben, andererseits aber auch Einschätzungen bezüglich der Berichterstattung über den Islam in Österreich im Allgemeinen abgeben.

Eine kurze Schlussbetrachtung soll gemeinsam mit einem Ausblick auf mögliche Lösungsansätze, auch auf Themenschwerpunkte für weitere Forschungen hinweisen.

Informations- und Kommunikationstechnologien als Werkzeuge zur Reduktion erzwungener Mobilität

Philipp Budka

In diesem Beitrag werden Informations- und Kommunikationstechnologieanwendungspraktiken im geographischen und soziokulturellen Kontext des nordwestlichen Ontario, Kanada, behandelt. Diese Region von der Größe Frankreichs mit nur etwa 50.000, Großteils indigenen in abgelegenen Siedlungen und Reservaten lebenden, Einwohnern, war bis vor 15 Jahren kaum oder gar nicht mittels Telekommunikation verbunden. Erst durch die Initiative des lokalen Keewaytinook Okimakanak Tribal Council konnten die Menschen der Region mit Breitbandinternet und unterschiedlichsten Internetbasierten Services versorgt werden (http://www.knet.ca/).

Sowohl die nun bestehende und beständig erweiterte Infrastruktur als auch die angebotenen Services – von Telehealth über Videoconferencing bis hin zu E-Learning – zielen einerseits darauf ab die erzwungene Mobilität und Migration der Menschen in dieser Region zu reduzieren. So waren und sind diese immer noch gezwungen ihre infrastrukturell benachteiligten Gemeinschaften zu verlassen, um etwa in urbanen Zentren ärztlich versorgt zu werden, Schulen zu besuchen oder Arbeit zu finden. Andererseits wird die Verbindung zum World Wide Web auch genutzt, um lokale Repräsentationen in Form persönlicher Homepages zu konstruieren (http://www.myknet.org/) und in sozialen Online-Netzwerken transregional zu kommunizieren (z.B. http://www.facebook.com/).

Diese weltweit wohl erfolgreichste von Indigenen gestartete Breitbandinternet-Initiative sieht vor, dass die Ojibwa, Ojicree und Cree Gemeinschaften der Region Kontrolle und Besitz über die lokalen Kommunikationsnetzwerke und Services haben. Nur so kann der tatsächliche Nutzen für die Gemeinschaften und die Nachhaltigkeit der Maßnahmen gewährleistet werden.

Aufbauend auf 5 Jahren ethnographischer On- und Offline Feldforschung, möchte dieser Vortrag zum vertiefenden Verständnis von Informations- und Kommunikationstechnologiepraktiken im Kontext indigener Lebenswelten beitragen.

Exploring multidimensional mediascapes – Journalism in Nepal and the impact of social media on the representation of minorities

Gerhard Schönhofer

The aim of this presentation is to share some of my findings concerning the influence of social media such as Twitter and Facebook on the existing agenda of Nepali mainstream media corporations based on my three months research including in depth interviews, participant observation as well as news content- and literature analysis. Most of Nepali media houses understand themselves as tools for the peace building process after years of Maoist revolution. Political contents fill the biggest part of daily newspaper front-pages, which are still the predominant source of information for the majority of the population. Though discussions about contents and problematic issues such as plagiarism and corruption are starting to be led directly and immediately online by Twitter or Facebook users. This new dimension of interactivity forces editors and managers to directly respond to a highly educated, wealthy, small segment of the Nepali population. Whereas the inclusion of minorities living in less accessible areas of the country with a high rate of illiteracy and lacking any access to ICTs is a major concern for private mainstream media corporations, the public discourse is still dominated by the Kathmandu-centered elite. Due to this digital divide, only a small percentage of the Nepali population gains access to the new possibility for direct interaction with public opinion mediators such as the Kantipur Media Group. Urgent issues in the realm of journalism such as strengthening of gender equality amongst media workers, weakening of the center-periphery disparity, promoting of journalistic professionalism and the inclusion of minorities in the mainstream mediascape are left over to local radio stations and other small scale media, mainly run by NGOs who generally lack financial means and manpower.

Tourismus-Spektakel Österreich

Susanna Reiskopf

In meinem Beitrag zum Workshop wird die Repräsentation Österreichs in deutschsprachigen Reiseführern und im Warenangebot von Souvenirläden erörtert. Daraus ergeben sich zwei Themenkomplexe, die miteinander verschmelzen: die Repräsentation eines Landes und das Reisen. Anhand von theoretischer Erschließung und empirischer Datenerhebung werden die Bereiche Repräsentation, Produktion von Kultur, Stereotypisierung sowie Imaginationen und Phantasien im Hinblick auf Tourismus erarbeitet und anhand von Beispielen verdeutlicht. Die Überlegungen bewegen sich dabei im Spannungsfeld zwischen Tourismuswerbung und der gleichzeitigen Repräsentation von Kultur.

Tourismuslandschaften. Sehenswürdigkeiten. Menschen.

Ingrid Thurner

Die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten, die in der einschlägigen Reiseführerliteratur mit möglichst vielen Sternen gekrönt sind, ist essentieller Bestandteil von Tourismusformen, die sich Kultur, Geschichte und Bildung verpflichtet haben und fakultativer Bestandteil von Urlauben, denen eher physische, psychische und/oder soziale Motive zu Grunde liegen, wobei nebenher mitunter auch geistig/intellektuelle Interessen verwirklicht werden.

Als Eckpfeiler von kulturtouristischen Rundreisen sind Sehenswürdigkeiten Anlass für kurzes Verweilen, bevor der Zeitplan das Weiterziehen zum nächsten Objekt gebietet, denn Programmpunkte die nicht eingehalten werden, sind einklagbar. Wie Sehenswürdigkeiten im Rahmen von Studienreisen den Teilnehmenden Erleben gewährleisten, wie sie mit Bedeutung versehen werden, Kommunikation ermöglichen und Erinnerungen transportieren, ist Thema dieses Vortrags. Datengewinnung war möglich durch berufliche Tätigkeit in der Reisebegleitung von Studienreisen. Dabei wurde im Rahmen einer multilokalen und multitemporalen Forschung im Sinne von Marcus’ (1995) Verfahren die Sehenswürdigkeit als Metapher begriffen, die verfolgt wird.

Mittels dieses Ansatzes ist es möglich, der Mobilität globalisierter Touristenströme Rechnung zu tragen und dadurch Sehenswürdigkeiten und deren Besichtigung innerhalb von Tourismuslandschaften zum Gegenstand der Betrachtung zu machen. Die Entkoppelung von Ort, untersuchtem Objekt (Sehenswürdigkeit) und Person in der wissenschaftlichen Erforschung entspricht insofern dem System Tourismus, als dieses ja global organisiert wird, von Veranstaltern, von denen die größeren selbst globalisierte Unternehmen sind, die an vielen Standorten Kunden sowohl anwerben wie auch betreuen, während die Reisenden wiederum im Verlaufe ihrer Tourismus-Biografie ebenfalls Sehenswürdigkeiten an vielen Orten der Welt besichtigen.

Koordinatorinnen:

Ingrid Thurner, ingrid.thurner@univie.ac.at
Margit Wolfsberger, margit.wolfsberger@univie.ac.at

Institut für Kultur- und Sozialanthropologie
der Universität Wien
Universitätsstraße 7 (NIG), 4. Stock
1010 Wien

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