TMB bei den Tagen der KSA – ein Mitschnitt

In Folge befindet sich ein Mitschnitt aller 6 Vorträge bei den Tagen der KSA 2012.

Vortrag 1: Bildungspolitische Diskurse in Österreich. Zur sprachlichen Konstruktion von ‘Ausländern’ bei SPÖ und ÖVP.
Mathilde Fixl

Mathilde Fixl arbeitet über die diskursive Ausgrenzung von MigratInnen. Unter diesem Hintergrund analysiert sie politische Texte von ÖVP und SPÖ auf deren Sprache.
Sprache wird als identitätsbildendes und herrschaftslegitimierendes Instrument verstanden. Es stellt sich somit die Frage, ob sie nationale Identität konstruiert.

Ergebnisse aus den Untersuchungen:
• Die nationale Einzigartigkeit wird in der Sprache betont. Internationale Differenz dadurch ausgeblendet.
• Es geschehen negative Unterstellungen in Bezug auf Spracherwerb, Mehrsprachigkeit, Deutsch als Fremdsprache.
• Österreich wird als monoliguistisches Land dargestellt.
• Die Opfer-Täter Rollen werden geschickt getauscht. Die Verantwortung für den Spracherwerb wird auf die MigrantInnen geschoben, was wiederum impliziert, dass MigrantInnen als unwillig und faul dargestellt werden. Außerdem werden Sprachwertigkeiten hergestellt. (z.B. Türkisch zu beherrschen ist weniger wertvoll als Französisch)
• Ausgeglichene Zweisprachigkeit kann daher nur funktionieren, wenn sie in den Elternhäusern perfekt gefördert wird.

Darstellung des Islam und der MuslimInnen in österreichischen Tageszeitungen. Eine qualitative Untersuchung ausgewählter JournalistInnen.
Alexander Osman

Alexander Osman arbeitet allgemein zur muslimischen Identität in Österreich. Der Vortrag behandelte die Darstellung von Muslimen in österreichischen Tageszeitungen. Interviewt wurden hierfür JournalistInnen aus Presse und Standard. Von Seiten der Kronen Zeitung gab es auf Grund zahlreicher Ausreden leider keine Interviews.

Grundsätzlich ist der Islam in Österreich gesetzlich anerkannt, was jedoch kaum der gesellschaftlichen Anerkennung entspricht.
Bis 2001 erfuhr man in Österreich hauptsächlich über die Auslandsberichterstattung über den Islam. Seit den Attentaten 9/11 hat sich der Blick auf Muslime innerhalb Österreichs gewandelt. Plötzlich wurde es auch interessant über Muslime im Inland zu berichten.

Spezialisierungen für JournalistInnen werden eher per Glück bzw. Zufall bestimmt – dies betrifft alle Genres, wie eben auch Religion. Schulungen zu den Themenbereichen gibt es keine. Abhängig vom jeweiligen Interesse der JournalistInnen ist die Recherche besser oder weniger gut.
• Recherche wird hauptsächlich über Internet betrieben.
• Sekundärliteratur wird kaum bis gar nicht herangezogen
• Persönliche Kontakte zu Personen, über die geschrieben wird, werden kaum bis gar nicht hergestellt. Der Bezug zum Thema geht somit verloren. (aus Zeitgründen?)
• Keine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Themen
Es stellen sich folgende Fragen:
• Sind sich JournalistInnen ihrer enormen Verantwortung überhaupt bewusst?
• Welche Auswirkungen haben die Rahmenbedingungen und Arbeitsverhältnisse?
o Jungjournalisten wollen sich etablieren, brauchen Prestige. Durch prekäre Arbeitsverhältnisse herrscht enormer Druck, spektakuläre Geschichten werden verlangt.

Informations- und Kommunikationstechnologien als Werkzeuge zur Reduktion erzwungener Mobilität
Philipp Budka

Die Situation von First Nations in NW-Ontario (Kanada – eig. eines der reichsten Länder der Welt)
• Hpts in Reservaten untergebracht (100 – 2000EW)
• Keine ausgebaute Infrastruktur in Bezug auf Straßen, Stromversorgung, Telekommunikation, Schulen, Gesundheitsvorsorge, Arbeitsplätze
• Daraus resultiert: Isolation und erzwungene Mobilität – mittlerweile leben in etwa 60% off-Reserve (nur ein Teil davon freiwillig)
o Erzwungene Mobilität führt zu Verständigungsproblemen innerhalb der Gruppen, soziale Verbindungen leiden darunter, außerdem schulische Probleme
Große kanadische Gesellschaften haben kaum Interesse die Infrastruktur in diesen kaum besiedelten Gebieten zu verbessern, Telekommunikationsmöglichkeiten oder Breitband-Internet zu installieren.

Eigeninitiative war also notwendig, daraus entstand KO-KNET
• Ziel: So viele Menschen wie möglich in den Gemeinschaften halten durch:
o Telemedicine
o Bildung: Internet-Highschool
o Arbeit und Ökonomie: Webbasierte Jobs, Handwerker, etc.
o Visuelle Kommunikationsmöglichkeiten

weitere Informationen sind dem privaten Blog von Philipp Budka zu entnehmen.

Exploring multidimensional mediascapes – Journalism in Nepal and the impact of social media on the representation of minorities
Gerhard Schönhofer

Gerhard Schönhofer studiert Ethnologie an der Universität Heidelberg. Forscht seit Kurzem in der Medienlandschaft Nepals – Auswertung der Forschung ist noch nicht fertig abgeschlossen.
Die Medienlandschaft in Nepal ist noch sehr jung. Die erste private Tageszeitung wurde 1993 publiziert, Internetcafés gibt es erst seit 1997 (zumindest in Kathmandu).
Zur Zeit gibt es ein rasantes Wachstum im Bereich der Medien. Wichtig ist hierfür die Media-Foundation:

Based in Kathmandu, Nepal, the Media Foundation is an independent, not-for-profit research and policy initiative launched in the form of a think- (and do-) tank to explore innovative ideas for media development in the emerging democracy. Activities aim to strengthen professionalism, advance media studies, advocate public interest and promote excellence in journalism and communications disciplines.” (http://www.media-foundation.org/)

Unter der Annahme, dass Social Media die Räume zwischen Peripherie und Zentrum enger werden lassen, soll der Frage nachgegangen werden, wie in der agrarisch dominierten Umgebung Internet verbreitet werden kann. Dazu wurden Interviews mit unterschiedlichen Vertretern aus der Medienlandschaft geführt.

Tourismus-Spektakel Österreich. Die Repräsentation Österreichs in deutschsprachigen Reiseführern und im Warenangebot von Souvenirläden.
Susanna Reiskopf

Reiseführer und Souvenirs werden eingebettet in den Kreislauf der Kultur (nach Paul DuGay) gesehen. Es wird ihnen außerdem ein hoher Repräsentationsgrad zugeschrieben.
Die Tourismus-Branche, das Tourismusmarketing, sowie die Touristen selbst sind zugleich Sender und Empfänger. Sie beeinflussen einander wechselseitig.

Ziel: hohe Verkaufszahlen, hohe Ankunftszahlen im Tourismus, Werbung
-> es wird genau überlegt, was gezeigt wird und was nicht, bzw. in welchem Umfang die Themen gezeigt werden um Bild des Landes aufrechtzuerhalten.
Die Erschaffung dieses bestimmten Länderbildes kann nationale Grenzen verstärken und ist als ein Puzzlestein in der Entstehung von (touristischen) Stereotypen zu sehen.

Strategien in den Reiseführern: Historisierungen, Romantisierungen, Verwendung von Superlativen und bestimmten Adjektiven, die das besondere, einzigartige hervorheben, Verwendung von (Truth-)Markern (nach Dean MacCannell).
Anahnd der Analyse wurden 7 Kategorien generiert: Naturlandschaft, Kulinarik, Kunst und Kultur, Sport, Geschichte, Baukunst, historische Persönlichkeiten.
Dabei sind auch immer wieder Zuschreibungen von Charaktereigenschaften von Österreichern zu finden. zB: Minderwertigkeitskomplex, „granteln“, freundlich, denken kleinteilig…. Eine bestimmte Tendenz ist nicht zu erkennen.

Themen, die vernachlässigt werden: Religion, Migration, Politik
Gerade der Bereich der Migration ist in Reiseführern scheinbar ein heikles Thema, da diese versuchen ein typisches Österreich-Bild zu produzieren und aufrecht zu erhalten. Eine Beschäftigung mit Österreich als Einwanderungsland würde diese touristische Blase schwächen.
Souvenirs lassen sich ebenfalls diesen 7 Kategorien zuordnen, sind jedoch in ihrer Darstellung noch eingeschränkter, da sie ohne erklärende Texte auskommen müssen.


Tourismuslandschaften. Sehenswürdigkeiten. Menschen.

Ingrid Thurner

Die Vortragende erörterte kulturwissenschaftliche sowie sozialanthropologische Perspektiven auf gebaute Sehenswürdigkeiten, welche Grundelemente von Kulturreisen sind.

Konstruktion. Sehenswürdigkeiten sind nicht – sie werden gemacht:
• Ernennung: Der kulturelle Wert wird ergänzt durch kommerziellen Wert
• Kontrolle: Infrastruktur, Erhaltungszustand, Medienrechte
• Wertung: Besonderheit, Seltenheit, besondere Merkmale, oft auch Zufall
• Wiederholung: Objekte visueller Begierde
• Temporalisierung: Hohes Alter oder Hochmoderne
• (Be)Deutung: werden damit aufgeladen; z.B. Marrakesch – Orient wird geschaffen

Rezeption
• Zugänglichkeit: scheinbar für alle
• Legitimation für touristische Reisen
• Imagination: Realisierung von Phantasien und Wunschvorstellungen
• Deutung: variabel, abhängig von vielen Faktoren
• Emotionen werden angesprochen
• Identität

Den Objekten ist ihre Bedeutung nicht inhärent, sie wird ihnen erst im touristischen Kontext verliehen, sie ist auch nicht eindeutig und unveränderlich festgeschrieben, sondern je nach Bedarf wandelbar. Deswegen sind Sehenswürdigkeiten ein kulturelles und soziales Konstrukt aller Akteure des Tourismus – Produzenten ebenso wie Konsumenten.

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