‚Grillkrieg’ oder einfach Schlägerei?

Sehr geehrter Herr Pichler!

Ich habe Ihren Beitrag über die „Prügel-Orgie auf der Donauinsel“ sowie den Zusatzartikel „Grill-Polizei im Einsatz“ (beide: 27.4.2011 in Österreich) gelesen und möchte gegen diese Form der Berichterstattung protestieren. Ist es wirklich von Bedeutung, dass einige der Beteiligten an der Schlägerei aus Rumänien stammen (oder vielleicht doch eher ihre Eltern/Großeltern)? Im Zusatzartikel ist darüber hinaus von „Konflikten zwischen einigen Völkergruppen“ die Rede – hier wird ein Zwischenfall von 2008 zwischen „Tschetschenen“ und „Türken“ erwähnt. „Völkergruppen“ stören das „ansonsten friedliche Gebiet“ Donauinsel, verwandeln es in ein Kriegsgebiet und gehen mit den Utensilien der Grillage – Flaschen, Grillgabeln, Axt – aufeinander los. Erstens finde ich es bedenklich, einen solchen Zwischenfall als „Grillkrieg“ zu bezeichnen: Die Wörter gehen den Taten voraus – wer immer den Krieg hinter jedem Konflikt herbei schreibt, ist an seiner Entstehung mitbeteiligt.

Und zweitens finde ich es unverantwortlich, diese Konflikte zu ethnisieren. Es ist bedauerlich, dass (betrunkene) Männer, selbst wenn sie im Unrecht sind, sich vor den Augen von Verwandten und Freunden keine Blöße geben wollen und es nicht schaffen, ihr Unrecht einzusehen und friedlich von dannen zu ziehen oder eventuell über Diskussionen einen Kompromiss zustande zu bringen. Stattdessen werden eben Meinungsverschiedenheiten über körperliche Gewalt ausgetragen. Dies ist aber kein Charakteristikum ethnischer Minderheiten, sondern kann bei jedem zweiten Zeltfest auf dem Land, bei vielen Sportveranstaltungen weltweit und auch bei Saufgelagen unter Angehörigen der österreichischen Mehrheitsgesellschaft auf der Donauinsel beobachtet werden. Warum werden TäterInnen mit Migrationshintergrund in Ihrem Medium immer über ihre ethnische Herkunft definiert – solange bis die bloße Erwähnung von RumänInnen, TschetschenInnen, TürkInnen,… negative Erwartungen hervorruft? Als Journalist sollten Sie die Macht des geschriebenen Wortes kennen und diese verantwortungsvoller einsetzen. Das bedeutet auch, Vorkommnisse wie den obigen als das zu bezeichnen, was es ist: eine Schlägerei – Punkt.

Mag.a Margit Wolfsberger
Initiative Teilnehmende Beobachtung
Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien

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