Staatsbesuch von Abdullah Gül

Sehr geehrter Herr Lattinger, sehr geehrter Herr Nuler,

Mit Verwunderung habe ich in der “Heute” Ausgabe von 02.05.2011 den Beitrag über den Staatsbesuch von Abdullah Gül gelesen.

Bereits die Überschrift „Österreichs umstrittenster Staatsgast“ hat mich entsetzt. In einer solchen Form mit Superlativen zu spielen ist nicht nur reißerisch, sondern auch respektlos.
Aussagen wie „Der fromme Moslem gilt selbst in seiner Heimat als Islamist“ spielen der Islamfeindlichkeit perfekt in die Hände und tragen somit nicht einmal ansatzweise zu einer funktionierenden Integration bei. Ein frommer Moslem wird hier mit einem Islamisten gleichgesetzt und das Wörtchen „selbst“ verleiht der Aussage noch die gewisse Würze, indem es suggeriert, dass religiöse Gewaltanwendung in der Türkei bis zu einem gewissen Grad dazu gehört. Nicht jede Person, die man als IslamistIn begreifen kann, rechtfertigt Gewalt im Namen der Religion. Schlagwörter wie „Terror-Finanzierung“ in Zusammenhang mit Milli Görüs, „Zwangsehe“, und die „Kopftuch-Trägerin“ machen die Staatsgäste, unabhängig davon, welche Haltung Herr Gül und seine Frau einnehmen, zu Symbolfiguren für Anfeindungen und zeichnen dadurch ein negatives Bild unserer türkischen MitbürgerInnen.
Wäre dann nicht beispielsweise bei Besuchen von aristokratischen Staatsoberhäuptern ebenso über Zwangsehe zu spekulieren, wo es sich doch bei der älteren Generation oftmals um dynastische Verbindungen handelt?
Das geschriebene Wort ist eben, wie Sie sicher wissen, äußerst machtvoll, es transportiert unterschwellig Meinungen, die in den Köpfen der LeserInnen ein bestimmtes Bild produzieren und durch fortgesetzte Wiederholung immer wieder bestätigen.
Ich würde mir daher wünschen, dass ein in unserer Gesellschaft ohnehin schon heikles Thema wie dieses, mit mehr Fingerspitzengefühl behandelt wird, anstatt einen Staatsbesuch dazu zu nutzen, erneut Öl ins Feuer zu gießen.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag.a Susanna Reiskopf,
Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung (www.univie.ac.at/tmb)

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht.

(erforderlich)
(erforderlich)