TMB auf DGV

DGV-Tagung in Wien 14. – bis 17. 9. 2011

Wa(h)re “Kultur”? Kulturelles Erbe, Revitalisierung und die Renaissance der Idee von Kultur

TMB-Mitglieder nehmen an der Tagung teil: 

Philipp Budka in Workshop 28 am 15. 9. 12.30, Raum 606
Igor Eberhard in Workshop 42 am 16. 9. 13.00, Raum 203
Ingrid Thurner in Workshop 02 am 15. 9. 12.00, Raum 502
Heidemarie Weinhäupl in Workshop 21 am 16. 9, 12.30, Raum 202
Margit Wolfsberger in Workshop 47, am 15. 9., 17.30, Raum 401
und als Mitarbeiterin des lokalen Organisationsteams

Ort: Neues Institutsgebäude (NIG) der Universität Wien, Universitätsstr. 7, 1010 Wien.

Workshops

Philipp Budka in Workshop 28. Cyberculture

From Cyber to Digital Anthropology to an Anthropology of the Contemporary

This paper is first taking a look back on the “anthropology of cyberculture”, formulated as anthropological research area, concept and issue by Escobar in 1994. Inspired by science and technology studies, he painted a very vivid picture how anthropology and ethnography could contribute to the understanding of new bio and communication technologies as society’s transforming driving forces. Pushed by powerful digital media technologies, such as internet applications and services, anthropology labelled as “digital anthropology” is currently tempted to forget about cyberanthropology’s holistic effort of understanding the sociocultural construction and interpretation of bio and communication technologies. What is the legacy of the anthropology of cyberculture when dealing with new digital practices? Is it actually necessary to construct branches of anthropology that deal with contemporary sociocultural developments? Or should we just open the discipline to an “anthropology of the contemporary”, as Rabinow and Marcus (2008) propose. And what is the role of ethnography and history in such a project?

References

Escobar, Arturo. 1994. Welcome to Cyberia. Notes on the anthropology of cyberculture. In Current Anthropology, 35/3: 211-231.

Rabinow, Paul, Marcus, George E. (with Faubion, James D., Rees, Tobias) 2008. Designs for an anthropology of the contemporary. Durham: Duke University Press.


Igor Eberhard
in Workshop 42. Imaginationen und Wirklichkeiten: Reiseberichte und Archivmaterialien als Quellen kultur- und sozialanthropologischer Forschung

Kuriositäten, Obszönitäten, Krankheitsbilder? Die Darstellung Tätowierter zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Beispiel der Schönfeldschen Sammlungen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Tätowierte in der euroamerikanischen Gesellschaft zumeist entweder Exoten aus fernen Ländern oder „Asoziale“, Seeleute oder „Zirkusmenschen“ ‑ Exoten aus der Nähe. Tätowierte wurden bei Vorführungen bestaunt, aber ansonsten stigmatisiert, aus der Öffentlichkeit vertrieben oder im 3. Reich umgebracht.
Anfang des 20. Jahrhunderts begann auch der Hautarzt und Medizinhistoriker Walther Schönfeld seine Karriere. Er wurde bald zur Koryphäe für Syphillis und für Dermatologie. Parallel dazu begann er sich, für das für ihn eher kuriose und fremde, manchmal krankhafte, und aussterbende Phänomen Tätowierungen zu interessieren. In den folgenden Jahrzehnten fotografierte, sammelte und dokumentierte er Tätowierungen, ihre Träger und ihre Geschichte. Die Starktätowierten und reisenden „Zirkusmenschen“, die von der Zurschaustellung ihrer Körper lebten, übten dabei eine besondere Faszination aus.
In diesem Vortrag soll untersucht werden, wie die Sammlungen Schönfelds, seine zahlreichen Publikationen und auch seine persönliche Sicht das Bild von Tätowierungen mitprägten und evtl. auch veränderten.


Ingrid Thurner
in Workshop 02. „Kultur“ all inclusive. Konsum und Vermarktung kultureller Aspekte im Tourismus

Sehenswürdigkeiten***. Konstruktion und Rezeption

Sehenswürdigkeiten als zentrale Ressourcen von Bildungs- und Kulturtourismus werden von zwei Seiten her beleuchtet, einerseits als Objekt (kulturwissenschaftlicher Ansatz), andererseits in der Fokussierung auf touristische Praxis in der Besichtigung als sehenswert kategorisierter Anlagen (sozialanthropologischer Ansatz). Datengewinnung war möglich durch berufliche Tätigkeit in der Reisebegleitung von Studienreisen. Dabei wurde im Rahmen einer multilokalen und multitemporalen Forschung im Sinne von Marcus’ (1995) Verfahren die Sehenswürdigkeit als Metapher begriffen, die verfolgt wird.
Nicht das Objekt um seiner selbst willen ist sehenswert, es geht weniger um seine ästhetischen Qualitäten und seinen historischen Rang, als vielmehr um seine sozioökonomische Relevanz, seine Sinn und Identität stiftende Botschaft. Den Objekten ist ihre Bedeutung nicht inhärent, sie wird ihnen erst im touristischen Kontext verliehen, sie ist auch nicht eindeutig und unveränderlich festgeschrieben, sondern je nach Bedarf wandelbar. Deswegen sind Sehenswürdigkeiten ein kulturelles und soziales Konstrukt aller Akteure des Tourismus – Produzenten ebenso wie Konsumenten.


Heidemarie Weinhäupl
in Workshop 21. „Natur“ als kulturelles Erbe in den Amerikas

Erzählte Räume, gelebte Räume: Natur und Tourismus am Beispiel des Nationalparks Machalilla, Ecuador

„Der Berg“ und „das Meer“ als mythische Räume, als Ressourcen-Quelle oder als unberührte, spektakuläre und zu schützende „Natur“ für TouristInnen: Am Beispiel des Nationalparks Machalilla  an der Küste Ecuadors zeigt sich, wie AkteurInnen über Raumerzählungen multiple (Natur-)Räume bilden. Diese Erzählungen, in die auch regionale und translokale Tourismus-, Entwicklungs- und Naturschutzdiskurse verwoben sind, legitimieren bzw. delegitimieren jeweils unterschiedliche Praktiken der AkteurInnen im Raum.
Jeweils drei Raumerzählungen („stories“, vgl. Sivaramakrishnan/Agrawal 2003) aus Puerto López und der Comuna El Pitál, in denen ich in den Jahren 2005 bis 2006 eine mehrteilige Feldforschung für meine Dissertation durchführte, werden im Rahmen des Vortrages exemplarisch dargestellt. Ihr Einfluss auf die (De-)Legitimierung von Raumpraktiken wird anhand zweier Case-Studies gezeigt. Dabei wird deutlich, dass die Strukturen im Tourismus sowie die Definitionsmacht in Bezug auf Repräsentationen die mögliche Fiktionalisierung (Augé 1999) lokaler Raumstories maßgeblich bestimmen.


Margit Wolfsberger
in Workshop 47. Aktuelle Forschungen in der Ozeanistik mit einer Workshop-Sektion zum Thema „Wa(h)re Kultur”

Österreichische Migration nach Neuseeland. Zwischenbericht zu einem Forschungsprojekt

Die Reise der SM Novara von 1857 bis 1859 dient als Ausgangspunkt des Forschungsprojektes, das eine umfassende Dokumentation der österreichischen Migration nach Neuseeland anstrebt. Besonderes Augenmerk wird auf kollektive Migrationsgruppen – AussiedlerInnen aus Böhmen
(Puhoi), Dalmatien (Gumdiggers), österreichische katholische Missionare (Mill Hill Fathers), jüdische Flüchtlinge vor dem Nationalsozialismus, Handwerker (Porirua) gelegt und die Motivationen und Ausgangsbedingungen zur Migration mit der jeweiligen Integration der Gruppen in die neuseeländische Gesellschaft verglichen. Außerdem werden die Frage von RückkehrerInnen aus diesen Gruppen und die Schaffung von Beziehungen zwischen Österreich und Neuseeland miteinbezogen.

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