Leserbrief zum „Geo Epoche“ Heft zum Thema „Afrika“

Sehr geehrter Herr Schaper, sehr geehrtes Redaktionsteam von Geo Epoche!

Spät, aber doch, sind wir von der Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung auf Ihr Schwerpunktheft zur Geschichte Afrikas aufmerksam geworden. Spät, aber nicht zu spät für ein Feedback, von dem wir hoffen, dass Sie es insbesondere für die angekündigte Darstellung Afrikas ab 1960 berücksichtigen können.

Ja, Sie haben recht. Es gibt Krisen, es gibt Katastrophen, es gibt Unfassbares in Afrika. Aber genau mit diesem Stereotyp des Krisenkontinents das Heft zu beginnen, es scheinbar auseinanderzunehmen, nur um es dann wieder zu bestätigen, hilft niemandem. Und es trägt auch nicht zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit Afrika bei.

In Afrika gibt es 54 Staaten, 2000 Sprachen und über 1 Milliarde Menschen. Schon darum sollte klar sein, dass es sinnlos ist, generalisierende Aussagen über den ganzen Kontinent zu machen.

Statt der klassischen europäischen Sichtweise der Verallgemeinerung Afrikas sollten gerade engagierte JournalistInnen wie Sie die alten eingefahrenen Bahnen verlassen.

Dafür müssen neue Fragen gestellt werden, der Fokus geändert werden. Es müssen AfrikanerInnen gefragt werden, wenn es um ihren Kontinent geht: WissenschafterInnen, ExpertInnen, AktivistInnen, deren es auch in Deutschland genügend gibt. Auch in dieser teilweise durchaus toll recherchierten und umfangreichen Ausgabe von Geo Epoche kommt kein/e einzige/r AfrikanerIn zu Wort. Deutsche reden über Afrika – und ihre Sichtweise ist keineswegs die objektive, durchdachte, wissenschaftliche fundierte und reflektierte, als die sie dargestellt und verkauft wird. Dies zeigt sich insbesondere in Ihrer Einleitung, in der zuerst von heutigen Konflikten als Untermauerung der These des Krisenkontinents gesprochen wird, um dann zu schreiben, Afrika ab 1960 sei nicht Thema des Heftes.

So zieht sich leider ein klischeebehaftetes Bild durch das Heft, das Binyavanga Wainainas ironischer Anleitung, über Afrika zu schreiben, alle Ehre macht (Hungersnöte sind gut. Über Afrika schreiben – eine ironische Anleitung“).

Kostprobe gefällig? In Ihrem Heft kommt in vier von vierzehn Artikeln in den ersten 15 Zeilen das Wort „Trommeln“ vor, auch die Worte „Magie“, „Kriegerkönige“, „Ketten“, „Mythos“; „Finsternis“ und „Geisterkrieger“ passen in das Bild, das Wainaina beschreibt.

Die Schlagseite zeigt sich auch in der Überschrift des abschließenden Interviews mit einem Professor für afrikanische Geschichte: „Bürgerkriege, Korruption, zerfallenden Staaten: Afrika scheint von einer Katastrophe in die nächste zu taumeln. Ist der Kontinent wirklich zum Scheitern verdammt (…)?“ Beantwortet wird dies in erster Linie durch Ihre Fragen implizit wie auch explizit immer wieder mit „Ja“. Dies aber nicht deshalb, weil tatsächlich alle afrikanischen Staaten scheitern, sondern weil Ihre homogenisierende Sichtweise Afrikas dies nahelegt.

So sollte das Heft eigentlich heißen: „Afrikas Geschichte aus weißer deutscher Sicht: 1415 bis 1960_ein problemorientierter Zugang“.

Mag.a Margarete Gibba

Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung

http://www.univie.ac.at/tmb/

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