Netzwerke und Themen
der politischen Twittersphäre in Österreich

Willkommen auf der WebsIte zur Studie Twitter-Politik!
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Immer mehr PolitikerInnen, JournalistInnen, AktivistInnen und PolitikexpertInnen nutzen Twitter zur Diskussion innenpolitischer Themen – auch in Österreich. In Twitter reißen sie Neues an, diskutieren aktuelle Entwicklungen und verhandeln ihre Positionen. Die Politik-Profis kommunizieren dabei nicht nur untereinander sondern treten auch mit BürgerInnen – der Zivilgesellschaft – in Kontakt. In den letzten Jahren hat sich so auf Twitter ein spezifischer innenpolitischer Kommunikationsraum entwickelt, in dem ein relativ offener, niederschwelliger Austausch zwischen unterschiedlichen Gruppen und Akteuren stattfindet. Die aus diesen Verbindungen entstehenden Netzwerke sind in dieser Form neu und zeichnen sich durch hohe Kommunikationsdichte aus.Hinzu kommt, dass diese Prozesse in einer Zeit passieren, in der das Web und insbesonder Twitter zu einem Echtzeit-One-To-Many-Medium avanciert ist:  österreichische ParlamentarierInnen tickern aus dem Untersuchungsausschuss, lose Kollektive kampagnisieren erfolgreich und klassische Nachrichten werden im Social Web verbreitet, kommentiert und korrigiert.

Studienpräsentation am 29.3. im MQ in Wien; mit (v.l.n.r.) Panel-TeilnehmerInnen C. Milborn, S. Petzner, M. Reimon, A. Wolf; Moderator und Super-Fi GF Niko Alm und Studienautoren A. Maireder, J. Ausserhofer und A. Kittenberger. Foto: Super-Fi

Wir, das sind Julian Ausserhofer, Axel Maireder und Axel Kittenberger, haben die Konversationen der österreichischen politischen Twittersphäre ein halbes Jahr lang beobachtet. Basierend auf den gesammelten Tweets der 374 aktivsten Politik-TwitternutzerInnen in Österreich sowie allen Tweets, die diese NutzerInnen erwähnen, zeichnen  wir die Interaktionen zwischen NutzerInnen und Nutzergruppen nach und visualisieren deren Diskussionsnetzwerke.

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Wir zeigen, welche Themen in der politischen Twittersphäre diskutiert werden, welche NutzerInnen in diesen Diskussionen zentral sind und in welchem Verhältnis die Themensetzung auf Twitter zu jener in den Massenmedien steht. Neben Einblicken in die konkrete österreichische innenpolitische Twittersphäre interessiert uns, ob Social Media politische Kommunikation transparenter und zugangsoffener machen. Damit schließen wir an die inzwischen fast 20 Jahre alte gesellschaftliche und akademische Frage nach den Möglichkeiten des Internet für die Demokratie und Gesellschaft an.

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Ergebnisse

Viele Grün-PolitikerInnen, wenig Frauen, hohe Aktivität am Abend

Unter den 374 aktivsten Polit-Twitterern in Österreich, die computerunterstützt identifiziert wurden, sind wenige Frauen: Zwei Drittel der Accounts können Männern zugeordnet werden. Unter den 69 PolitikerInnen und Parteimit-arbeiterInnen sind 31 den Grünen zuzurechnen, die auch am besten vernetzt sind. Insbesondere JournalistInnen traditioneller Medien werden von vielen NutzerInnen adressiert.
Abends werden NutzerInnen auf Twitter besonders häufig über die Antwortfunktion direkt adressiert, d.h. in den Abend- und Nachtstunden wird Twitter vermehrt zum Dialog bzw. Chat genutzt. Häufig auch parallel zu politischen Fernsehsendungen. Nicht wer viele Follower hat, wird häufig erwähnt, sondern derjenige, der selbst häufig andere anschreibt.

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Netzwerke der Twittersphäre: Offen, von Politik-Profis geprägt

Die politische Twittersphäre in Österreich enthält einen umfangreichen, dichten Netzwerk-Kern, der sowohl Politik-Profis als auch BürgerInnen einschließt. Eine klare Trennlinie zwischen dem Netzwerk der Politik-Profis und jenem der Zivilgesellschaft kann nicht ausgemacht werden. Es gibt eine Reihe von NutzerInnen, die diese beiden Netzwerkteile integrieren. Dies ist allen voran der TV-Moderator @arminwolf, aber auch der Blogger und IT-Unternehmer @Helge, der Biomediziner @fatmike182 sowie der Grün-Politiker @michelreimon. Jedoch bilden professionelle KommunikatorInnen den Kern des Netzwerks: insbesondere JournalistInnen sowie einige PolitikerInnen und Politik-ExpertInnen.
Häufig adressierte NutzerInnen und damit zentrale Knoten im Netzwerk sind die TV-Journalisten @arminwolf, @martinthuer und @thomas_mohr, der Wochenzeitungs-Journalist @florianklenk und der Politikwissenschafter @HubertSickinger.

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Wichtige Themen WKR Ball & Pelinka, Finanzkrise / Sparpaket ignoriert

Es gibt Themen mit Twitteraffinität und Themen der Innenpolitik, die auf Twitter so gut wie überhaupt keine Rolle spielen. So scheinen auf Twitter kurzlebige Themen und aktuelle, sensationelle Ereignisse stärker auf Widerhall zu stoßen. Politische Aktionen wie die Occupy-Austria-Demonstration oder die Aktionen gegen den Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) im Jänner und aktuelle, sensationelle Ereignisse wie das Urteil zur Wiedereinsetzung des Generalstabschef der österreichischen Bundesheeres, Entacher, oder die Affäre rund um die geplanteBestellung von Niko Pelinka zum ORF Büroleiter wurden auf Twitter stark diskutiert. Diese Themen waren zwar zum Teil auch in den Printmedien präsent, aber „nur“ als ein Thema von vielen. Auf Twitter dagegen haben in den jeweiligen Untersuchungswochen die Themen Niko Pelinka und WKR-Ball die Twittersphäre dominierend geprägt. Dagegen wurde beispielsweise das Thema „Finanzkrise in Österreich / Sparpaket“ auf Twitter kaum diskutiert.

> ZUSAMENFASSUNG ERGEBNISSE THEMEN & THEMENNETZWERKE
> ZUSAMENFASSUNG ERGEBNISSE VERGLEICH TWITTER & TAGESPRESSE
> Medienberichte und Blogbeiträge zur Studie