Wissenschafterinnen im Arkadenhof

Im Arkadenhof der Universität Wien, bekanntes Zentrum des Hauptgebäudes, befanden sich bis vor kurzem 154 Büsten und zahlreiche Gedenktafeln. Jedoch war nur eine einzige Inschrift einer Frau – Marie von Ebner Eschenbach – gewidmet. Die Universität Wien nahm das 650-Jahr-Jubiläum zum Anlass, dies zu ändern. Ab Juli 2016 wurden von drei KünstlerInnen, den GewinnerInnen eines Kunstwettbewerbs, Denkmäler für sieben Wissenschafterinnen realisiert.

Die Wissenschafterinnen und ihre Denkmäler

Denkmal von Charlotte Bühler im Arkadenhof

Charlotte Bühler war eine deutsche Psychologin und gilt als Begründerin der modernen Entwicklungspsychologie. Ab 1923 lehrte sie an der Universität Wien, wo sie 1927 zur außerordentlichen Professorin ernannt wurde. Durch den "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich musste sie 1938 emigrieren.

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Denkmal von Marie Jahoda im Arkadenhof

Marie Jahoda war eine österreichische Sozialpsychologin. Sie studierte von 1926 bis 1932 Psychologie an der Universität Wien und promovierte im Alter von 25 Jahren als eine der jüngsten Doktorinnen Österreichs. Von 1933 bis 1936 arbeitete sie in der Wiener Wirtschaftspsychologischen Forschungsstelle. 1936 wurde sie verhaftet, 1937 emigrierte sie nach England.

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Denkmal von Berta Karlik im Arkadenhof

Berta Karlik war eine österreichische Physikerin, die im Laufe ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit an der Universität Wien drei Isotope des Elements 85, Astat, entdeckte und damit die letzte Lücke im Periodensystem der Elemente schloss. 1973, ein Jahr vor ihrer Emeritierung, wurde Berta Karlik als erste Frau zum vollwertigen Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewählt.

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Denkmal von Lise Meitner im Arkadenhof

Lise Meitner war eine österreichische Kernphysikerin, die das Wissen über Radioaktivität und Atomkerne erweiterte und einige radioaktive Isotope mit entdeckte. Nach ihrer Promotion im Fach Physik im Jahr 1906 an der Universität Wien war sie ein Jahr am Institut für Theoretische Physik, später in Berlin tätig. Als Jüdin wurde ihr 1933 die Lehrbefugnis im Deutschen Reich entzogen; 1938 gelang ihr die Emigration nach Schweden.

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Denkmal von Grete Mostny-Glaser im Arkadenhof

Grete Mostny-Glaser war eine österreichisch-chilenische Archäologin. Sie war von Wintersemester 1933/34 bis Sommersemester 1937 an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien inskribiert. Durch den "Anschluss" Österreichs 1938 musste sie die Universität Wien mit einer approbierten Dissertation, aber ohne akademischen Abschluss oder Doktorgrad verlassen.

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Denkmal von Elise Richter im Arkadenhof

Elise Richter war eine österreichische Romanistin. Richter inskribierte Romanistik als ordentliche Hörerin, schloss ihr Studium 1901 ab und habilitierte 1905 als erste Frau an der Universität Wien. 1921 wurde sie wiederum als erste Frau zum "Außerordentlichen Professor" ernannt. 1942 wurde sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie im Alter von 78 Jahren am 21. Juni 1943 starb.

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Denkmal von Olga Taussky-Todd im Arkadenhof

Olga Taussky-Todd war eine österreichisch-tschechische Mathematikerin und gilt als eine der Wegbereiterinnen der (numerischen) Matrizentheorie. Sie promovierte 1930 in Mathematik an der Universität Wien.

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Der Kunstwettbewerb und seine GewinnerInnen

Nach den Vorbereitungen 2014 schrieb die Universität Wien 2015 zur Realisierung der Denkmale einen zweistufigen Kunstwettbewerb aus. Nach Abschluss der ersten Wettbewerbsphase haben über 800 Personen auf die Website des Wettbewerbs zugegriffen und über 100 KünstlerInnen luden die detaillierten Ausschreibungsunterlagen herunter. Die Jury erhielt insgesamt 33 vollständig abgegebene Bewerbungsanträge als Grundlage für die Auswahl der KünstlerInnen für die zweite Wettbewerbsphase. Aus diesen 33 Einreichungen wurden sieben KünstlerInnen ausgewählt und eingeladen ein Konzept für die künstlerische Gestaltung vorzulegen. Aus diesen sieben vorgelegten Konzepten wurden dann in einer zweiten Auswahl drei GewinnerInnen gewählt.

Die Jury bestand aus Rektor Heinz W. Engl, der damaligen Senatsvorsitzenden Gabriele Kucsko-Stadlmayer, Prof. für Gendergeschichte Gabriella Hauch, Prof. Michael Viktor Schwarz, Mag. Elisabeth Hudritsch (Landeskonservatorat für Wien), Künstlerin und Prof. an der Akademie der bildenden Künste Wien Mona Hahn, Künstlerin Sofie Thorsen und Intendant Peter Pakesch.

Künstler

Thomas Baumann

Foto von Thomas Baumann

Thomas Baumann hat die Denkmäler für Charlotte Bühler, Berta Karlik und Lise Meitner gestaltet.

Thomas Baumann beschreibt, "dass er eine Trennung in der künstlerischen Darstellung zwischen den Physikerinnen Berta Karlik und Lise Meitner und der Psychologie Charlotte Bühler vorgenommen hat. Als Technik für die Umsetzung der Physikerinnen hat er die Lasergravur in Glas ausgewählt. Die Umsetzung erfolgt durch die Zusammensetzung mehrere Glaskuben in einer 3D-artigen Darstellung.
Für die Umsetzung von Charlotte Bühler wird der Querverweis zur Entwicklungspsychologie durch ein auf der Säule abgebildetes Labyrinth hergestellt, auf der das ca. vier Millimeter starke Kunstwerke ihres modellierten Kopfes aufsitzt."

Website des Künstlers

Interview im uni:view-Magazin

Künstlerin

Catrin Bolt

Foto von Catrin Bolt

Catrin Bolt hat ihre Entwürfe zur Ehrung von Marie Jahoda und Elise Richter umgesetzt.

Die Technik von Catrin Bolt arbeitet mit den im Laufe der Zeit angesammelten Patina-Schichten der Säulen. "Durch teilweise Reinigung können drei Helligkeitsstufen sichtbar gemacht werden: die ursprüngliche Farbe der Wand, eine mittlere und die derzeitige, dunkle, die belassen wird. Durch diese Variationen kann man fotografische Porträts zu einem Wandbild übersetzen, die in Lebensgröße auf den Seitenwänden der Säulen des Arkadenhofs angebracht werden.
Die Idee hinter dieser Technik ist, die Ehrenmäler direkt in die Architektur und über Zeit entstandenen Schichten einzuschreiben und aus ihnen das Abbild herauszuarbeiten, als wäre es schon immer da gewesen."

Portfolio Catrin Bolt (PDF)

Interview im uni:view-Magazin

Künstlerin

Karin Frank

Foto von Karin Frank

Karin Frank hat die Denkmäler für Grete Mostny-Glaser und Olga Taussky-Todd realisiert.

"Für die Ehrung von Grete Mostny-Glaser wurde die Verbindung zum Fachgebiet der Archäologie durch die Darstellung von Petroglyphen auf der Bekleidung umgesetzt", erklärt Karin Frank. "Es handelt sich um eine Darstellung in Bronze mit antiken Schriftzügen. Die Verbindung für die Darstellung von Olga Taussky-Todd erfolgt über das Fünfeck – ein mathematisches Symbol. Diese Ausführung wird als Aluminiumguss erfolgen."

Website der Künstlerin

Interview im uni:view-Magazin

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Folder: WissenschafterInnen im Arkadenhof

Folder_historische_Frauen_web_02.pdf

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