Kindergartenstudie: Universität Wien beauftragt Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität mit Prüfung

(13. Juli 2017) Unmittelbar nach den medial erhobenen Vorwürfen zur sogenannten Kindergartenstudie erfolgte eine erste Prüfung des Sachverhalts durch die Ombudsstelle der Universität Wien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Deren Stellungnahme an den Rektor der Universität empfiehlt eine externe Prüfung durch die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI). Die Universität Wien hat nun die OeAWI  beauftragt, die Prüfung zu übernehmen.

Die Ombudsstelle der Universität war beauftragt, die Berechtigung der im Zusammenhang mit der Studie medial erhobenen Vorwürfe zu prüfen, ob der Studienautor sich durch den Auftraggeber beeinflussen ließ. Untersucht wurde, ob differenziertere Darstellungen in zugespitzte Formulierungen umgeschrieben wurden, ohne hierfür zusätzliche empirische Analysen beizubringen. Die Ombudsstelle hat nun ihre Vorerhebungen abgeschlossen und empfohlen, nicht die Kommission der Universität Wien zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis, sondern die externe OeAWI zu befassen.

Eine Entscheidung, ob sich der Studienautor Ednan Aslan im Zuge der Kindergartenstudie durch den Auftraggeber beeinflussen ließ und dadurch die Grundsätze der guten wissenschaftlichen Praxis verletzt hat, konnte aufgrund der durchgeführten Vorermittlungen noch nicht getroffen werden.

Nach den Feststellungen der Ombudsstelle war auch nach der Vorerhebung nicht nachvollziehbar geklärt, wie – auf der vorliegenden empirischen Basis der Vorstudie und nach der Beendigung der Analyse – einige einschneidende Veränderungen der im Endbericht festgehaltenen Dateninterpretationen vorgenommen werden konnten, ohne die Grenzen guter wissenschaftlicher Praxis zu übertreten. Der Studienautor betont, dass er jede Umformulierung nachvollziehen und begründen kann.

Die Ombudsstelle schlägt daher vor, diesen Fall zur weiteren Bearbeitung an die OeAWI zu übergeben. Dies erscheint zur öffentlichen Wahrung völliger Unparteilichkeit der Universität Wien in der notwendigen Untersuchung des Falls unter den gegebenen Umständen der politischen, medialen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeit und Brisanz notwendig. Der Rektor der Universität Wien Heinz W. Engl ist diesem Vorschlag gefolgt und hat den Fall zur weiteren Prüfung an die OeAWI übergeben. Ednan Aslan hat das Recht auf eine objektive Prüfung, die nicht von anderen Dynamiken beeinflusst oder gar dominiert werden. „Um den Anschein der Befangenheit von vornherein auszuschließen, habe ich mich der Argumentation der Ombudsstelle angeschlossen und die Prüfung nach außen, an die OeAWI, vergeben“, so Rektor Heinz W. Engl. Der Bericht der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität ist Entscheidungsgrundlage für den Rektor. Die Verfahrensstruktur der Prüfung ist von der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität festgelegt.

Die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) wurde Ende 2008 als ein Verein nach dem österreichischen Vereinsgesetz gegründet. Gründungsmitglieder sind 12 österreichische Universitäten, die Akademie der Wissenschaften sowie der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF), das IST Austria und der Wissenschaftsfonds FWF. Der Agentur kommt die Aufgabe zu, Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Österreich auf professionelle Weise zu untersuchen, die Schwere des Verstoßes zu bewerten und allenfalls Vorschläge für nachfolgende Maßnahmen zu unterbreiten. Diese Aufgabe wird durch ein unabhängiges, mit hochkarätigen WissenschafterInnen aus dem Ausland besetztes Gremium – die Kommission für wissenschaftliche Integrität – wahrgenommen.