Asphalt & Neonlicht

Im Drogensumpf

„Ich glaube, dass viele Eltern gar nicht wissen, was eine Raveparty ist, auf die ihre Kinder da gehen, dass das reine Drogenkonsumpartys sind“, warnte Maria Fekter im Spätsommer 2010. Die Warnung, dass Techno und Drogen zusammengehören, ist nicht nur tautologisch, sondern hat auch nur begrenzt mit dem Folgenden zu tun.

Das Drogenprohibitionsdogma stigmatisiert und kriminalisiert FreizeitdrogenkonsumentInnen nicht nur, sondern tabuisiert vor allem Aufklärung und Informationsaustausch zu diversen Substanzen. Strikte Betäubungsmittelgesetze schufen ein Klima, das die Nutzung von Research Chemicals (RC) – früher: Designerdrogen – popularisierte, um die bestehende Rechtslage zu umgehen. Die meisten RC unterliegen auf Grund ihrer Unbekanntheit keiner Judikatur und werden demnach als Legal Highs verkauft. RC sind chemisch psychoaktive Substanzen, deren molekulare Strukturen Variationen von vorhandenen – meist illegalen – Substanzen sind oder völlig neue chemische Verbindungen darstellen, deren Wirkung aber bestehenden Substanzen gleicht.

Die meisten RC sind weitgehend unerforscht, über Wirkungen und vor allem (langfristige) Risiken sind nur sehr wenige Fakten bekannt. Um mal eine Zahl zur Verbreitung der Substanzen anzuführen: Heutzutage enthalten nur mehr etwa 16% der als XTC verkauften Pillen MDMA, die übrigen 84% enthalten diverse Medikamente, aber eben auch in wachsendem Maße RC. Laut der Wiener Aufklärungs- und Screening Einrichtung Check-It kommen laufend neue Substanzen auf den Markt. 2009 wurden 24 neue Substanzen entdeckt, 2010 waren es bereits 42.

Österreich ist einer der ersten Staaten, die auf den wachsenden Markt reagieren. In den kommenden Wochen soll das Neue Psychoaktive-Substanzen-Gesetz (NPSG) in Kraft treten, welches die Kriminalisierung von ganzen Substanzklassen jenseits der spezifischen chemischen Formel erlaubt. Vordergründig sollen vor allem HändlerInnen ins Visier der Strafverfolgung genommen werden.

Bis heute konnte nicht plausibel dargelegt werden, dass der Freizeit-Konsum chemischer Substanzen gefährlicher als z. B. der von Tabak oder Alkohol ist. Abschreckung hat bei Drogen noch nie funktioniert. Nur die Entkriminalisierung könnte einen vorurteilsfreien Diskurs ermöglichen.