„Der Unterschied sind die fehlenden Rollenbilder“

Thomas (30) und Steven (33) wohnen in Berlin…

Wie teilt ihr euch die Hausarbeit auf?

Thomas: Das hat immer wieder gewechselt. Als wir beide noch studiert haben, haben wir uns auf bestimmte Bereiche spezialisiert. Jetzt, wo er Vollzeit arbeitet und ich nur einen Nebenjob habe, mache ich fast den ganzen Haushalt alleine. Einen Putzplan haben wir nie gehabt.

Ist diese Arbeitsteilung eine bewusste  Entscheidung gewesen?

Die Arbeitsteilung ist äußeren Z wängen geschuldet, da ich bis jetzt  noch keinen Job gefunden habe und arbeitslos bin. Ich finde sie gerechtfertigt, weil er dafür relativ wenig Zeit  hat. Bügeln muss er aber trotzdem, egal wie viel er arbeitet. Weil das kann ich nicht ausstehen.

In welchen Punkten meinst du, unterscheidet sich eure Beziehung von Hetero-Beziehungen in Puncto Hausarbeit?

Der große Unterschied ist wohl, dass unsere Rollen nicht festgeschrieben sind und sich deswegen nach den äußeren Zwängen und Bedürfnissen orientieren. Als ich beispielsweise  ein Vollzeitpraktikum gemacht habe und er zuhause seine Diplomarbeit geschrieben hat, war die Aufteilung von Hausarbeit und Reproduktionsarbeit  umgekehrt.

Wolltet ihr vieles ganz anders machen als eure Eltern

Ich wollte vieles anders machen als meine Eltern, da sie in einer traditionellen Reproduktionsaufteilung stecken. Ich persönlich finde meine jetzigen Aufgaben wenig erfülle und bin froh, wenn ich hoffentlich bald einen Job finde. Wenn mein Freund dann auch immer noch einen Job hat, müssen wir jemanden für die Erledigung der Reproduktionsarbeit bezahle n. Lustigerweise haben wir beide einmal eine Zeit bei einem schwule n Paar mit Pflegekind geputzt. Das fand  ich eine interessante und durchaus erstrebenswerte Ausgestaltung, da  sich beide beruflich verwirklichen konnten, natürlich auch tägliche Routinen im Haushalt erledigt haben und zusätzlich uns bezahlt haben, um eine wöchentliche Grundreinigung zu haben. An festen Role-Models orientieren wir uns  nicht. Ich persönlich lehne diese auch zutiefst ab.

Weitere Interviews:
„Ich musste erinnert werden, meinen Teil zu erledigen.“
„Die Arbeitsaufteilung ergibt sich.“

Zum Artikel: Who cares?

Anmerkungen:

Die Namen wurden von der Redaktion anonymisiert.