The Cyborg and the Beast
Fiktive Figuren wie das Alien aus Alien und der Terminator verweisen auf soziale Realitäten. Sie referieren auf alltägliche Grenzziehungen und Normvorstellungen, die sie mitunter überschreiten und dadurch beim Publikum Irritation erzeugen können.
Populärkulturelle Figuren wie diese haben einen hohen Wiedererkennungseffekt, was auch in ihrer Eigenart liegt, festgeschriebene Selbstverständlichkeiten unserer Alltagswahrnehmung aufzuzeigen, indem diese symbolisch überschritten werden. Sie lassen sich als Beispiele zum Verständnis gesellschaftlicher Verhältnisse begreifen. Dahingehend bieten Überlegungen zum Begriff Cyborg eine theoretische Reflexionsmöglichkeit über filmische Darstellungen von Stereotypen und die Wirkung dieser Darstellungsformen.
Cyborg
Neben der ursprünglichen Bedeutung als Kunstwort und Kurzform für kybernetischen Organismus, womit eine Verbindung von Organischem und Maschinellem bezeichnet wird, verweist Cyborg metaphorisch auf die tiefgreifenden Veränderungen, die eine solche Integration mit sich bringt. Ein Beispiel hierfür liefern Science–Fiction-Filme, worin die neuen Realitäten oft überspitzt symbolisch dargeboten werden. Donna Haraway spricht von der optischen Illusion von sozialer Realität und Fiktion. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Aufhebung von Grenzziehungen und damit verbundenen Dichotomien, die unser Verständnis durchdringen, wozu etwa die Gegensatzpaare Mensch-Maschine, Mensch-Tier und Mann-Frau zählen. Die Metapher des Monsters symbolisiert und überschreitet diese vorgestellten Grenzziehungen im Denken, indem sie auf die Entstehung neuer Existenzformen verweist, die durch die Kombination neuer Techniken (z. B. künstliche Befruchtung) und globaler Informations- und Kommunikationssysteme zustande kommen.
Alien und Terminator
Die Figur des Aliens spiegelt mit der phallischen Kopfform und androgynen Erscheinungsform geschlechtsspezifische Körpersymbole wider. Gleichzeitig lässt sich dieses metaphorische Monster jedoch weder als männlich noch als weiblich charakterisieren. Zusätzlich fließen in die Gestaltung biomechanische Elemente ein, wodurch die Grenze zwischen organischer und künstlicher Lebensform in der ästhetischen Kreation des Aliens aufgelöst wird. Die Bedeutung der Überschreitung biologistischer Geschlechterbilder wird durch die parasitäre Fortpflanzungsmethode des Aliens hervorgehoben, insofern im Film der Akt der Geburt auf einen männlichen Charakter übertragen wird. Neben dieser Vermischung geschlechtlicher Symboliken werden der Figur animalische Verhaltensmuster zugeschrieben.
Im Gegensatz zu Alien wird der Terminator in der Handlung des Films explizit als kybernetischer Organismus bezeichnet insofern es sich um ein metallisches Endoskelett umgeben von menschlichem Gewebe handelt. Hierbei werden jedoch die geschlechterstereotypischen Zuschreibungen nicht in der Gestaltungsästhetik aufgelöst, sondern bewusst hervorgehoben. Der Terminator als Sinnbild für männlichen Körperkult spiegelt die Bodybuilding-Bewegung wider, die zum Zeitpunkt des Erscheinen des Films in den frühen 1980er Jahren eine Trendwelle in westlichen Industriestaaten darstellte. Das zugeschriebene Verhaltensmuster ist rationalistisch und betont entemotionalisiert. Anders als bei Alien ist bei der Figur des Terminators die dekonstruktivistische Komponente weniger ausgeprägt und die Irritation beruht auf der Verschmelzung von organischer und maschineller Lebensform.
Sowohl Alien als auch Terminator bestechen durch die Kombination verschiedener Merkmale von Mensch, Maschine und Tier, was sie zu Cyborgmetaphern macht. In ihrer populärkulturellen Darstellung führen sie die Konstruiertheit und Wirkungsmächtigkeit unserer eigenen Wahrnehmungs- und Denkkategorien auf unterschiedliche Weise vor Augen: der Terminator als populärste Darstellung eines kybernetischen Wesens und Symbol des Männlichkeitskults, das Alien als symbolische Überschreitung zugeschriebener geschlechterstereotypischer Erscheinungs- und Handlungsformen und damit Ikone des Horror-Science-Fiction-Genres.









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