War on Women

Der Vorwahlkampf der republikanischen Partei in den USA hat einen Präsidentschaftskandidaten hervorgebracht: Mitt Romney. Auch wenn er noch nicht zu Ende ist. Das heißt, dass jetzt vor allem versucht wird, Themen zu platzieren. Bis jetzt ging es im Vorwahlkampf vor allem um Frauen, deren Rollenbilder und deren Rechte. Eigentlich ging es aber vielmehr gegen Frauen.

Dieses Thema lässt konservativ-reaktionäre Kreise weltweit nicht zur Ruhe kommen. Im republikanischen Vorwahlkampf geht es vor allem um die sogenannten ‚personhood‘-Gesetze, die bestimmen, wann aus den befruchteten Zellen eine Person wird und wann diese die Rechte einer Person bekommen. Mit Kampagnen wird versucht, die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Fall Roe vs. Wade (1) aufzuheben. Dieses Urteil stellte Schwangerschaftsabbruch unter das Recht auf Privatsphäre und machte ihn damit legal. Soweit, so bekannt. Neu ist allerdings die Vehemenz und die gesetzliche Schützenhilfe, die diese Kampagne bekam. Einige Staaten wie Virgina (2) verabschiedeten Gesetze, die den Schwangerschaftsabbruch erschweren sollten, indem z. B. ein Ultraschall vor dem Eingriff vorgeschrieben wurde. In Arizona wurde ein Gesetzesvorschlag angenommen, der besagt, dass Ärzt_innen legal ihre Patientinnen belügen dürfen, wenn sie damit einen Schwangerschaftsabbruch verhindern, auch wenn sie damit die Gesundheit der Patientinnen gefährden (3). Frauen werden also als irrationale Wesen gesehen, die, wenn schwanger, keine eigenständigen und für sie guten und richtigen Entscheidungen treffen können.

Slut-shaming und Verhütung

Der Kampf gegen Frauen endet aber nicht beim Thema Schwangerschaftsabbruch. Die (Neo-)Konservativen haben ein neues Feld für sich entdeckt: Verhütungsmittel. Diese verhindern die Befruchtung der Eizelle und somit Reproduktion. Reproduktion ist in einer (neo)konservativen Logik aber der einzige Grund, um überhaupt Sex zu haben. Zumindest gilt das für Frauen. Frauen, die aber verhüten, haben Sex aus anderen Gründen, etwa weil es Spaß macht, und sind dementsprechend „Schlampen“. Eine sexuell aktive „Schlampe“ gehört aber nicht unterstützt. Vorausgegangen ist dem eine lange Diskussion über freie Verhütungsmittel als Teil der Krankenversicherung und wer dies bezahlen sollte, da sich vor allem katholische Arbeitgeber_innen diesem Vorschlag der Krankenversicherung verweigerten (4).

In einer öffentlichen Rede sprach sich Sandra Fluke, eine Studentin der Universität Georgetown, für den Zugang zu Verhütungsmitteln aus, woraufhin sie von Rush Limbough, einem einflussreichen neokonservativen Radiomoderator, heftig beschimpft wurde (5). Seitdem meinen auch immer weitere Kreise der republikanischen Partei, sich über dieses Thema profilieren zu müssen, und fordern, Frauen den Zugang zu Verhütungsmitteln zu verwehren. Das zeigt sich auch in dem Versuch, die Subventionen für Planned Parenthood auf allen Ebenen zu streichen. Planned Parenthood ist eine der renommiertesten Organisationen, die in den gesamten USA über Verhütungsmittel und Schwangerschaftsabbruch aufklärt, aber auch generelle Sexualerziehung anbietet.

Krieg gegen arme Frauen

Bei diesen und vielen, vielen weiteren Maßnahmen (6) geht es vor allem darum, sozial schwachen und armen Frauen den Zugang zu medizinischer Betreuung zu verwehren. Die Verknüpfung von Klasse und Geschlecht ist evident in der Ideologie der republikanischen Partei, insbesondere ihres extrem konservativen Flügels, der Tea-Party. Diese Ideologie findet sich aber nicht nur in den USA. Frauen wie Barbara Rosenkranz, Eva Herman, aber auch die deutsche Frauenministerin Kristina Schröder beteiligen sich am Antifeminismus und vertreten misogyne und klassistische Ansichten.

Anmerkungen:

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Roe_vs._Wade
2 http://www.washingtonpost.com/local/dc-politics/virginia-senate-passes-bill-requiring-women-to-undergo-ultrasound-before-abortion/2012/01/30/gIQAW3MviQ_story.html
3 http://www.rawstory.com/rs/2012/03/08/arizona-senate-approves-lying-to-women-to-prevent-abortions/-
4 Ein umfassender Nachbericht
5 http://abcnews.go.com/Politics/OTUS/sandra-fluke-rush-limbaugh-apology-change/story?id=15849793
6 Die schlimmsten sind hier nachzulesen