Schwerpunktteaser – D4t3n$chu1z?!

Für diese Ausgabe haben wir unsere Autor_innen in die Welt der virtuellen Daten geschickt. Aber beginnen wir doch zuerst bei Null: Datenschutz, was ist das eigentlich?

Der Begriff ‚Datenschutz‘ entstand in der Mitte des 20. Jahrhunderts, doch gibt es bis heute keine einheitliche Begriffsdefinition. Unter ‚Datenschutz‘ werden verschiedene rechtliche Bereiche subsumiert: das Recht auf Privatsphäre, der Schutz vor Datenmissbrauch oder das Recht, selbst über Frei-, Weitergabe und Verwendung der eigenen personenbezogenen Daten zu bestimmen.

Das Recht auf Privatsphäre ist in Art. 8 der Europäischen  Menschenrechtskonvention (EMRK) gesichert. Die individuelle Kommunikation wird unabhängig von den verwendeten technischen Hilfsmitteln als Teil des Privatlebens geschützt. Folglich ist die gesamte private Telekommunikation staatlicher Intervention vorbehalten. Ebenso wurde der Schutz von personenbezogenen Daten in einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) unter Art. 8 erfasst. So weit, so geschützt. Der Clou der Sache liegt aber ein paar Zeilen weiter – in Absatz 2 des zitierten Vertrages. Die kleine Ausnahme, die so klein gar nicht ist. Diese Bestimmung erlaubt den Eingriff einer öffentlichen Behörde insofern, als er in den jeweiligen Bundesgesetzen vorgesehen ist. Aber natürlich nur dann, wenn er für die ‚nationale Sicherheit‘, die ‚Ruhe und Ordnung‘ im Land, die ‚Moral‘ oder aber für das ‚wirtschaftliche Wohl‘, etc. von Nöten erscheint. So ausgenommen, so allumfassend. Ähnliches findet sich in der Grundrechtscharta der EU, dort wurde zwar der Schutz der personenbezogenen Daten normiert, die Ausnahme wird jedoch auch hier schnell zur Regel.

Den inhaltlichen Einstieg in unseren Schwerpunkt bringt der Artikel Law and Order or: Racism and Culture. Hier wird ein Blick auf den aktuellen Sicherheitsdiskurs und die daraus resultierende Sicherheitsparanoia gelegt. Die vorherrschende Law and Order-Politik und ihre oft rassistische Motivation werden streng unter die Lupe genommen.

Gleich danach wird im Artikel  Datenspeicherung und Diskriminierung die Situation der koreanischen Minderheit in Japan beleuchtet. Diese wird nicht nur aus allen demokratischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen, auch die Pflicht zur Fingerabdruckabgabe gilt bis heute nur für sie.

In welche Richtung sich die gesetzlich vorgesehenen Eingriffe des Staates in die Persönlichkeitsrechte entwickeln und was das für die Bürger_innen bedeutet, erläutert der Artikel Die VDS weiß, was du die letzten Monate getan hast am Beispiel der eben in Kraft getretenen Vorratsdatenspeicherung (VDS). Es wird der Frage nachgegangen, wie Informationen à la ‚wann-hat-wer-wo-wie-lange-mit-wem-telefoniert‘ eine treffende Analyse über soziale Kontakte und Netzwerke geben können. Auch die Aushebelung der Unschuldsvermutung durch die verdachtsunabhängige Speicherung dieser Daten wird thematisiert.

Weiter geht es dann um Kampagnen gegen ebensolche gesetzlich geregelte Eingriffe in den Datenschutz. Die VDS ist wie das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) heiß umstritten und von vielen Seiten stark diskutiert. Die Logos und Plakate der Gegner_innen verwenden oft eine stark antisemitisch konnotierte Bildsprache, welcher sich der Artikel ACTA und die Kraken annimmt.

Downloading Kunst. beschreibt den Spagat von Künstler_-innen, einerseits von der Kommerzialisierung der Kunst leben zu müssen, andererseits kapitalistische Verhältnisse zu kritisieren und der daraus resultierenden Umgang mit Urheber_innenrechten und neuen Medien.

Im Artikel Daniel und Nadine ficken im Sommer in Frankfurt wird ein praktischerer Zugang zum Datenschutz gewählt: Passwörter. Wie gut oder eigentlich besser gesagt schlecht wir unsere Daten schützen, wenn wir und Millionen andere Passwörter wie „123456“ verwenden, und wie ganz einfach sichere Passwörter erstellt werden können, erklärt dieser Artikel.

Auch bieten wir ein Interview mit Ramón Reichert. Der Buchautor und Gastprofessor für neue Medien an der Uni Wien spricht mit der Unique in „Wir leben in einer boomenden Partizipationskultur“ über iPhone Apps, den Arabischen Frühling und die Reichweite sozialer Netzwerke.

Zum Abschluss haben wir noch eine Unique-interne Datenabfrage gemacht. Und weil wir nicht nur auf Passwörter wie „ficken“ stehen, sondern auch noch nachlässig mit unseren eigenen Daten umgehen, wollen wir euch die Ergebnisse natürlich nicht vorenthalten:

- 8 von 8 Mitarbeiterinnen* können ‚dialektisch‘ begriffsgerecht anwenden.

- 7 von 8 Mitarbeiterinnen* wurden zu dieser Umfrage gezwungen.

- 6 von 8 Mitarbeiterinnen* haben einen Facebook-Account.

- 5 von 8 Mitarbeiterinnen* stehen unter Hipsterverdacht.

- 4 von 8 Mitarbeiterinnen* haben falsche Daten angegeben.

- 3 von 8 Mitarbeiterinnen* haben zur Zeit einen Sidecut.

- 2 von 8 Mitarbeiterinnen* haben zur Zeit lackierte Fingernägel.

- 1 von 8 Mitarbeiterinnen* dieser Umfrage ist fiktiv.

- 0 von 8 Mitarbeiterinnen* haben ein Eulen-Tattoo.