Vielfachkrise in Europa

Kaum ein Tag vergeht ohne Meldungen über die Wirtschafts-, EU- und EURO-Krise in den Medien. Vor Kurzem erschien ein Sammelband mit dem Titel Die EU in der Krise – Zwischen autoritärem Etatismus und europäischem Frühling der Assoziation kritischer Gesellschaftswissenschaft, der sich aktuellen Krisenprozessen widmet. Ausgangspunkt ist Alex Demirovićs Zeitdiagnose der Vielfachkrise, die neben der Überakkumulationskrise des Kapitalismus auch andere Gesellschaftsbereiche als krisenhaft beschreibt (etwa die Reproduktions-/ökologische Krise). Der Sammelband widmet sich verschiedenen Momenten der multiplen Krise.

In den ersten beiden Beiträgen liegt der Fokus auf den polit-ökonomischen Krisenprozessen und Aspekten der Krisenbearbeitung. Die Forschungsgruppe Staatsprojekt Europa versucht, Hegemonieprojekte herauszuarbeiten, die eine neue europäische Integrationsweise ermöglichen sollen. Lukas Oberndorfer zeichnet gekonnt nach, wie neoliberale Austeritätspolitik im Projekt der European Economic Governance auf Dauer gestellt wird. Mit Nicos Poulantzas Konzept des Autoritären Etatismus resümiert er, dass sich auf europäischer Ebene in der gegenwärtigen Krise das Verhältnis von Konsens auf Zwang verschiebt. Die EU-Sparpolitik wird nicht konsensual, sondern ohne Einbindung breiter gesellschaftlicher Gruppen durchgesetzt.

Darüber hinaus widmet sich der Band dem „Schengen-Regime“ (Kasparek/Tsianos), den Protestbewegungen in Spanien (Cuevas), der Frage von Lobbyismus (Eberhardt) wie auch einer post-kolonialen Perspektive auf Europa (Krämer) und der räumlichen Dimension der Krise (Wolff).

Wer einen spannenden Einblick in aktuelle sozialwissenschaftliche Forschung zu den Facetten der Vielfachkrise bekommen möchte, der_dem ist der Band wärmstens als Sommerlektüre zu empfehlen.

 

Forschungsgruppe <Staatsprojekt Europa> (Hg.) (2012): Die EU in der Krise. Zwischen autoritärem Etatismus und europäischem Frühling. Münster: Westfälisches Dampfboot. 16,40 EUR.