Roll your boat

Einige maritime Trockenübungen für die schönste Sommerbeschäf-tigung der Welt.

Die Basics

Eines vorneweg: Gute Schwimmkenntnisse sind fürs Segeln unumgänglich, zusätzlich ist es ein absolutes No-Go, ohne Schwimmweste zu segeln. Die Kleidung sollte so gewählt sein, dass ihr euch gut bewegen könnt und sie nass werden darf, Brillen sollten gut festgebunden -werden und bei Schirmkappen sollte darauf geachtet werden, dass der Wind sie schnell ins Wasser wehen könnte. Schuhe – möglichst geschlossen und rutschfest – sollten immer mit dabei sein, Segelhandschuhe sind von Vorteil.

Der erste Schritt aufs Boot

Wer zum ersten Mal in einem Segelboot sitzt, wird es als etwas wackelig empfinden. Hier gilt: Nur Mut! Meistens wackelt es in Wirklichkeit weniger als man denkt – und selbst wenn etwas passiert und man ins Wasser fällt, ist man ja nur nass geworden. Der zweite Schritt geht entweder in Richtung Ruder mit einem Griff zur Pinne (siehe Skizze) oder, bei größeren Zweipersonenbooten, zur Vorschot, der vermutlich dickeren Schnur, die an dem kleinen vorderen Segel angebunden ist. Faustregel: Setzt euch bloß nicht ganz nach hinten auf den Heckspiegel – dort blockiert ihr einerseits das Ruder, und andererseits wird das Heck sehr tief ins Wasser tauchen. Richtig macht ihr es, indem ihr euch weiter vorne und mit Blick nach vorne hinsetzt und wenn das Boot Fahrt aufgenommen hat, auf die Kante begebt. Grundsätzlich gilt: Ihr solltet immer auf der anderen Seite als dort wo das Segel gerade ist, sitzen. Beim ersten Mal Segeln sollte jedoch unbedingt eine Trainerin dabei sein, die euch alles genau erklärt und euch entweder im Boot selber oder mit einem Motorboot begleitet.  Einmal am Wasser, werdet ihr schnell merken, dass ihr die Geschwindigkeit und die Krängung des Bootes (die Schieflage) mit dem Zug an der Schot regulieren könnt – wenn das Segel flattert (‚killt‘), so hat es keinen Druck und dementsprechend könnt ihr auch nicht vorankommen. Dann heißt es: „Dichter nehmen“, also die Schot fester ziehen. Beim Lenken wird euch dann bestimmt bald auffallen: Wenn ihr die Pinne auf die linke Seite des Bootes (‚Backboard‘) drückt, dreht sich das Boot nach rechts, wenn ihr die Pinne auf die rechte Seite des Bootes (‚Steuerboard‘) drückt, dreht sich das Boot nach links – das ist für viele zu Beginn verwirrend, ihr gewöhnt euch aber bestimmt schnell daran.

Der Kurs

Euch wird dann bestimmt auch auffallen, dass ihr nicht gegen den Wind segeln könnt – wenn ihr gegen den Wind lenkt, beginnen die Segeln zu flattern, und wenn ihr nicht weiter in eine Richtung lenkt, werdet ihr nach hinten abtreiben. Daher muss immer so gesegelt werden, dass der Wind von der Seite oder von hinten die Segel mit Druck füllt. Um trotzdem in die Richtung des Windes zu gelangen, wird ein Zickzack-Kurs gefahren, der jeweils in 45 Grad zum Wind gesegelt wird (siehe bei der Skizze den Weg von der Startlinie zur Luvboje). Dieser Kurs wird ‚Amwindkurs‘ genannt. Dabei ist es besonders wichtig, die Segel so dicht wie möglich zu halten – also an der Schot fest anzuziehen. Schneller wird das Boot, wenn der Wind von der Seite oder von hinten kommt – diese Kurse heißen ‚Halbwind‘ und ‚Vorwind‘-Kurs.

Halsen und Wenden

Wenn ihr von einem Halbwindkurs aus in die andere Richtung umdrehen wollt, dann nennt sich dieses Manöver ‚Wende‘. Hierzu drückt ihr die Pinne weg von euch, duckt euch – denn der Baum wird in die Mitte des Bootes kommen und könnte euren Kopf verletzen – wartet, bis das Boot wieder so gedreht ist, dass der Wind seitwärts von der anderen Seite kommt, und setzt euch auf die andere Bordkante. Ihr habt dann also einen Bogen durch den Wind gemacht. Wenn ihr euch in die andere Richtung gedreht hättet, würde man ‚Halse‘ dazu sagen – dieses Manöver ist aber besonders am Anfang etwas schwieriger, und wird daher vermutlich nicht in der ersten Segelstunde gelernt.

Die Boote

Es gibt unzählbar viele verschiedene Bootstypen auf der Welt – einige von ihnen haben sich aber international durchgesetzt, werden serienmäßig gebaut und auf gemeinsamen Regatten (Wettkämpfen) gegeneinander gesegelt – wie zum Beispiel der Laser, der 49er, der 470er oder der Optimist. Der Laser ist die weltweit am weitesten verbreitete Bootsklasse, wird von einer Einzelperson alleine gesegelt, und zeichnet sich besonders durch seine einfache Ausstattung aus. In den allermeisten Segelschulen werdet ihr mit einem Pirat segeln: Eigentlich segelt man ihn zu zweit, die meisten Segelschulen zeigen hier aber gleich größeren Personengruppen auf einmal, wie man alles richtig macht. Das Boot wurde bereits um 1900 gebaut, ist besonders im deutschsprachigen Raum verbreitet und zeichnet sich dadurch aus, dass es vergleichsweise schwer kentert. Ein weltweiter alltimefavorite ist noch der Opti (Optimist), in dem vom Senegal bis Indien, von Neuseeland bis Argentinien Kinder im Alter von neun bis 15 Jahren das Segeln erlernen – und auch in Wien gibt es eine aktive Optiszene.

 

Segeln in Wien – Linktipps:

Segelschule Hofbauer (Alte Donau): www.hofbauer.at

Liste aller Wiener Segelclubs: www.lsvw.at