Kommentar des Vorsitzteams

Liebe Studentinnen und Studenten, liebe Interessierte!

Ende Jänner 2017 einigte sich die Regierungskoalition aus SPÖ und ÖVP nach langen Verhandlungen auf ein Regierungspaket, das neben Verschärfungen in den Bereichen Arbeits- und Asylpolitik auch eine gefährliche Wende in puncto Uni-Politik ankündigte: Das Konzept der „Studienplatzfinanzierung“. Anfang des Jahres ist dieser Vorstoß bereits im Rahmen des – von Bundeskanzler Christian Kern auf den Weg gebrachten – Plan A an die Öffentlichkeit gelangt. Seither schwebt jener verschleiernde Begriff im Raum, der letzten Endes auf eine ziemlich klare politische Konsequenz hinauslaufen wird: Die Einführung von Zugangsbeschränkungen an österreichischen Hochschulen und damit einen Angriff auf den offenen und freien Hochschulzugang.

Der Vorschlag der Regierung kann keine Alternative sein. Wir werden uns gegen die geplanten Zugangsbeschränkungen wehren. Die besagte Studienplatzfinanzierung sieht vor, dass sich die Zuweisung des Hochschulbudgets in Zukunft an einer Zahl „aktiver Studierender“ orientiert. Das würde bedeuten, dass je Studiengang eine absurde Maximalgrenze an Studienanfänger_innen und damit ein Kontingent an Studienplätzen festgelegt wird. Verhandelt wird im Ministerium gerade vor allem über das Studium der Rechtswissenschaften, weitere Studiengänge werden folgen. Ergebnis könnte sein, dass viele – obwohl sie die Matura gemacht haben – nächstes Jahr ein Selektionsverfahren durchlaufen müssen, das die Jus-Studienanfänger_innenzahl an der Uni Wien auf die Hälfte, also von derzeit rund 2600 auf 1300 drückt.

Zugangsbeschränkungen halten vor allem Menschen aus Arbeiter_innen-Familien und bildungsfernen Schichten vom Studieren ab, wie Studien zeigen. Das wird am Beispiel des Medizinstudiums deutlich: Der Anteil von Studierenden, die in erster Generation ihrer Familie eine Hochschule besuchten, sank nach der Einführung der Zugangsbeschränkungen von 59 auf 43 Prozent. Die Tatsache, dass die Teilnahmegebühren für die Tests und die Kosten für die Vorbereitungskurse vor allem für Menschen mit niedrigerem Einkommen abschreckend sind, ist nur ein Umstand, der hier hineinspielt. Diese Form der sozialen Selektion in Bezug auf den Zugang zu Bildung und, damit verbunden, auf die Möglichkeit einer Karriere und damit einhergehend auf gesellschaftlichen Aufstieg und Wohlstand, führt zur Verfestigung gesellschaftlicher Ungleichverteilung. Bildung wird zum Privileg von Akademiker_innenkindern, für die sich nunmal der Zugang zur Hochschule um einiges einfacher gestaltet. Dazu darf es nicht kommen, wenn unser Ziel eine emanzipatorische Gesellschaft ist, in der jede und jeder gleiche Möglichkeiten zur Findung und Umsetzung eigener Lebensentwürfe haben soll!

Wir werden uns weiterhin für den freien Hochschulzugang einsetzen.

Auf ein kämpferisches Sommersemester!

Euer Vorsitzteam,

Karin, Alina & Anna