Dekonstruktion, Kulinarisch
Die unique-Redaktion hat ein Sommerrezept in Auftrag gegeben. Einfach zuzubereiten soll es sein, trotzdem irgendwie spektakulär. Peppig sozusagen. Vegetarisch wäre natürlich kein Fehler, teure oder seltene Gerätschaften hingegen schon.
Sous-vide, das derzeitige Lieblingsthema des Autor-Kochs fällt damit, nun ja, ins Wasser. Wer’s noch nicht kennt: Fleisch, Fisch und Gemüse wird unter Luftabschluss bei einer genau kontrollierten (niedrigen) Temperatur im Wasserbad gegart. Fantastisch zartes, durch und durch rosafarbenes Fleisch; knackiges, „gemüsiges“ Gemüse, das keine Geschmacks- und Nährstoffe an das Kochwasser verliert … Ideal für den Sommer, aber ohne eine Investition von ca. 300 Euro spielt man auch im Selbstbaubereich leider nicht mit.
Also Besinnung auf das Wesentliche. Sommer, Italien. Insalata caprese am Strand von …
Paradeiser, Mozzarella, Basilikum und ein Schuss Olivenöl. Einfach? Ja. Exotische Geräte? Fehlanzeige. Und eh gut. Aber halt, auch nur „eh gut“, spektakulär schaut anders aus.
Doch wenn wir an der Uni die Klassiker „gegen den Strich“ neu lesen und dekonstruieren, warum nicht in der Küche ähnlich verfahren? Doch bevor nun ein gewisser Salzburger Medienwissenschaftler auf diesen Artikel aufmerksam wird und „Plagiat!“ schreit: Für die haute cuisine ist das natürlich alles nur mäßig originell, in der österreichischen Alltagskulinarik aber eben doch noch neu.
Das Prinzip ist ganz einfach: Die Zutaten eines traditionellen Gerichts werden beibehalten, in ihrem Zusammenspiel und ihren Texturen aber neu kombiniert. „Textur“ meint in diesem Zusammenhang die optische Anmutung und das „Mundgefühl“ einer Speise. Konkreter formuliert: Den Unterschied zwischen Erdäpfelpüree und Rösti.
Wie könnte nun eine dekonstruierte insalata caprese aussehen? Paradeiser sind archetypisch rot und (nicht zu) fest. Wie wäre es also mit einer klaren Paradeiser-Consommé?(1)
Dazu sphärisierte Mozzarellacreme. Sphärisierung ist eine Technik des spanischen Molekularküchen-Stars Ferran Adrià. Dabei werden Flüssigkeiten mit einer dünnen Gelschicht überzogen, so dass sie nach außen als feste Kugeln erscheinen. Beißt man jedoch in eine hinein, gelangt man zum flüssigen Kern. Wie der Begriff „Molekularküche“ andeutet, geht’s hier nicht ganz ohne Chemikalien. Natriumalginat und ein Kalziumsalz bekommt man aber für wenig Geld im Internet oder als „Bausatz“ mit Rezeptbuch im normalen Buchhandel. Das in Wasser gelöste Natriumalginat bildet bei Kontakt mit Kalzium das gewünschte Gel aus und umschließt den flüssigen Käse.
Unsere Mozzarella-Bällchen benötigen noch ein farbliches und geschmackliches Gegengewicht. Geschälte Kirschparadeiser mit Basilikum-Olivenöl-Fülle eignen sich zu diesem Zweck hervorragend. Der Trick: Das Öl wird mit einer Spritze injiziert. Mit Basilikumblättern oder dem restlichen Basilikumöl dekorieren und mit Fleur de sel oder Meersalz bestreut servieren.
Anmerkung:
1 Für PedantInnen: Ja, ein Pleonasmus. Eine Consommé ist natürlich immer eine klare Suppe.
M o z z a r e l l a- S p h ä r e n
250 g Mozzarella (Molke aufheben!)
1/8 l Obers
Salz
5 g Kalziumlactat
5 g Natriumalginat
1 l WasserMozzarella und Molke pürieren, durch ein feines Sieb streichen. Mit Obers vermischen und mit Salz abschmecken. Kalziumlactat mit dem Stabmixer unterheben (die notwendige Menge hängt vom konkreten Produkt ab). Die Mozzarellacreme in Eiswürfelformen füllen und über Nacht tieffrieren. (Dieser Schritt ist nicht unbedingt nötig, die sphärische Form gelingt so aber leichter.) In der Zwischenzeit Natriumalginat und (kalziumarmes) Wasser gut versprudeln und über Nacht im Kühlschrank quellen lassen. Am nächsten Tag die gefrorenen Mozzarellaw ürfel ca. 8 bis 12 Minuten im Alginatbad auftauen lassen, dann herausheben und vorsichtig mit kaltem Wasser abspülen. Bis zum Servieren i m Wasserbad kaltstellen.
G e f ü l l t e K i r s c h p a r a d e i s e r
2 Kirschparadeiser pro Person
Basilikum (ca. eine Hand voll)
l extra natives Olivenöl
Die Paradeiser am Stilansatz kreuzweise einschneiden und mit kochendem Wasser übergießen. Ungefähr eine Minute ziehen lassen, dann mit kaltem (am besten Eis-) Wasser abschrecken. Die Haut lässt sich nun ganz leicht entfernen. Für das Basilikumöl Olivenöl und Basilikum im Standmixer oder mit einem Stabmixer homogenisieren. Die Mischung durch ein feines Sieb gießen (evt. durch ein Passiertuch oder einen Kaffeefilter). Eine Spritze mit dem Öl füllen, mit einer Kanüle bestücken und jeweils einige Milliliter in die vorbereiteten
P a r a d e i s e r – C o n s o m m é
1 kg Paradeiser
1-2 Thymianzweige
Salz
1 EiklarFür die Consommé müssen wir zuerst Paradeisersaft herstellen – jetzt natürlich vorzugsweise aus frischen, vollreifen Früchten, im Winter tut’s aber auch eine Dose Pelati. Vom fertigen Saft im Tetrapack ist eher a bzuraten, der ist meist schon mit diversen uner wünschten Aromen versetzt. Also: Paradeiser und Kräuter mit dem Stab- oder Standmixer pürieren und durch ein möglichst feines Sieb streichen. Dieser Saft ist nun dünnflüssiger, aber natürlich im mer noch knallrot. Für die Klärung gibt es verschiedene Varianten: Mit Gelatine, mit Agar-Agar oder klassisch mit Eiklar. Am wenigsten zeitaufwendig ist die klassische Eiweißklärung.
Dazu wird Eiklar schaumig geschlagen, in die kalte Flüssigkeit eingerührt und diese vorsichtig unter mehrmaligem Rühren bis zum Siedepunkt erhitzt. Wenn sich ein fester Schaum gebildet hat, durch ein feines Sieb oder besser ein Passiertuch gießen. Nicht ausdrücken! Mit Salz abschmecken und kaltstellen.









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