Born Yesterday
Wen es diesen Sommer zufällig an die Ostküste der USA verschlägt, am besten noch mit den kombinierten Reisezielen New York und Washington, D. C., sollte sich diese Broadway-Produktion auf keinen Fall entgehen lassen.
Schließlich gehört der Besuch eines Broadwaystücks schon fast zum festen Bestandteil einer New-York-Reise; so wie der Abstecher nach Washington zum Image der politisch Interessierten passt, ebenso wie dieses Stück.
Wer außerdem noch ein Fan von James Wilson aus der Serie „Dr. House“ ist oder gerne „According to Jim“ angesehen hat, hat noch zwei gute Gründe, sich dieses Stück anzusehen. Denn es bietet die Gelegenheit, sowohl James Belushisals auch Robert Sean Leonards schauspielerische Künste in dem kleinen, aber feinen Cort Theater live auf der Bühne zu bewundern.
Nicht von gestern
„Born yesterday“ von Garison Kanin wurde bereits 1946 uraufgeführt und in den späten 80er Jahren noch einmal wiederbelebt. Doch das Remake des Remakes, das seit April 2011 am Broadway läuft, ist alles andere als von gestern.
Die Komödie spielt in Washington, D. C., und erzählt auf sehr unterhaltsame Weise eine Geschichte von Korruption und Emanzipation, über die Macht von Büchern und eigener Gedanken und der vermeintlichen Ohnmacht innerhalb des Systems.
James Belushi stellt überzeugend den cholerischen Superindustriellen Harry Brock dar, der es mit mehr Glück als Verstand zu Geld und somit Macht gebracht hat, hauptsächlich, indem er Müll gekauft und wieder verkauft hat. „Junk“ ist also Mr. Brocks Spezialität und Schwierigkeiten weiß er immer auf „seine“ Art zu lösen. Deshalb zieht er mitsamt seiner Mannschaft, von Anwalt bis Kofferträger, und seiner klischeehaft blonden, dümmlichen Freundin Billie (Nina Arianda) nach Washington, um mit „seinem Kongressabgeordneten“ einen Deal auszuhandeln.
Doch die ungebildete Billie fällt in Washington unangenehm auf. So wird der kritische Journalist Paul Verrall (Robert Sean Leonard), der Brock eigentlich gerne das Handwerk legen würde, engagiert, um Billie gesellschaftsfähig zu machen. Billie ist der eigentliche Star des Stückes, und Nina Arianda vollbringt mit der Darstellung der Transformation Billies vom ehemaligen Showgirl zum Bücherwurm eine großartige schauspielerische Leistung.
„A world of ignorant people is too dangerous to live in“ – Paul Verrall
Ein bisschen erinnert Billies Wandel an „My Fair Lady“, doch auch wenn es anscheinend immer einen Mann und eine Liebesgeschichte braucht, um den ersten Anstoß zu geben, sind es doch Billies eigene, auf ihrem neu angeeigneten Wissen basierende Erkenntnisse, die sie dazu bringen, Brooks faulen Geschäften ein Ende setzen zu wollen.
Spannend ist auch der Charakter von Brooks Anwalt (gespielt von Frank Wood, auch bekannt aus „The Royal Tennenbaums“), der früher idealistische Bücher über die Verfassung schrieb und nun die korrupten Geschäfte seines Boss managt. Ob also Bildung die Lösung alle Probleme ist, wie obiges Zitat wohl implizieren möchte, sei dahingestellt.
Wie alles endet, wird hier natürlich nicht verraten, aber man darf sich auf Action, geistreiche Dialoge, gutes Schauspiel und vor allem viele Lacher freuen.









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