Im Zuge des Umbaus und der Sanierung von Aula, Seitenaulen und Arkadenhof der Universität Wien 2003-2006 wurden für die Porträtbildnisse der Nobelpreisträger eine neue Präsentationsform und ein neuer Ort gewählt und am 29. Juni 2006 eröffnet.
Bislang waren es neun Wissenschafter, Robert Bárány, Julius Wagner-Jauregg, Hans Fischer, Karl Landsteiner, Erwin Schrödinger, Viktor Franz Hess, Otto Loewi, Konrad Lorenz, Friedrich August von Hayek, die mit der Universität Wien durch Forschung oder Lehre verbunden waren und mit der Verleihung des Nobelpreises die wohl meist angesehene internationale Auszeichnung entgegennehmen durften.
Neun Wissenschafter, die mit der Universität Wien durch Forschung oder Lehre verbunden waren, wurden mit dem Nobelpreis, der wohl angesehensten Auszeichnung auf dem Gebiet der Wissenschaft, geehrt. In den Texten liegt der Fokus auf den Zeiträumen und Funktionen, in denen spätere Nobelpreisträger zur Universität Wien in Beziehung standen, weniger deren Gesamtbiografie, auf die in den weiterführenden Links verwiesen wird.
Robert Bárány, Otologe (1876 Wien – 1936 Uppsala)
1914: Nobelpreis für Medizin
Bárány studierte ab 1894 Medizin an der Universität Wien. Er promovierte hier im Jahr 1900. Ab 1903 war er als Demonstrator, 1905-1917 als Assistent an der Klinik für Otiatrik (Ohrenheilkunde) der Universität Wien beschäftigt. 1909 wurde er Privatdozent für Ohrenheilkunde an der Universität Wien. Seine entscheidenden wissenschaftlichen Arbeiten, mit denen er die Funktion des Bogengangapparates im Ohr als Teil des Gleichgewichtsorganes klären konnte, entstanden zu dieser Zeit. 1914 wurde Bárány der Nobelpreis für Medizin für seine Arbeiten über die Physiologie und Pathologie des Vestibularapparates zuerkannt.
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Julius Wagner-Jauregg, Psychiater (1857 Wels – 1940 Wien)
1927: Nobelpreis für Medizin
Nach dem Studium der Medizin an der Universität Wien (Promotion 1880) war Wagner-Jauregg Assistent am Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie sowie an der I. Psychiatrischen Klinik in Wien. Ab 1885 war er Privatdozent für Nervenpathologie, 1893-1928 Ordinarius für Psychologie und Neuropathologie an der Universität Wien. Wagner-Jauregg beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit den Möglichkeiten der Fiebertherapie zur Behandlung von bis dahin unheilbaren Geisteskrankheiten. 1927 wurde ihm für die Entdeckung der therapeutischen Bedeutung der Malariaimpfung bei progressiver Paralyse der Nobelpreis verliehen.
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» zur kontroversiellen Diskussion um seine Involvierung in den Nationalsozialismus: entlastendes Gutachten Linz 2005 (Gustav Hofmann/Brigitte Kepplinger/Gerhart Marckhgott/Hartmut Reese: Gutachten zur Frage des Amtes der Oö. Landesregierung,ob der Namensgeber der Landes-Nervenklinik [Julius Wagner-Jauregg] als historisch belastet angesehen werden muss) vs. Kritisches Gutachten: Wolfgang Neugebauer / Peter Schwarz: Nobelpreisträger im Zwielicht. Zur historisch-politischen Beurteilung von Julius Wagner-Jauregg (1857-1940). In: Erinnerungskultur. Jahrbuch des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes 2006.
Hans Fischer, Chemiker (1881 Höchst a.M. – 1945 München)
1930: Nobelpreis für Chemie
Fischer war von 1918 bis 1921 Professor für angewandte medizinische Chemie an der Universität Wien. 1930 erhielt er den Nobelpreis für seine Arbeiten über den strukturellen Aufbau der Blut- und Pflanzenfarbstoffe und für die Synthese des Hämins.
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Karl Landsteiner, Immunologe (1868 Wien – 1943 New York)
1930: Nobelpreis für Medizin
Landsteiner studierte Medizin an der Universität Wien (Promotion 1891). 1896-1897 Assistent am Hygienischen Institut, 1898-1908 am Pathologisch-anatomischen Institut. 1903 wurde Landsteiner Privatdozent für pathologische Anatomie. Er war 1911-1919 Außerordentlicher Professor für pathologische Anatomie an der Universität Wien. Bereits 1901 entdeckte er das System der Blutgruppen des Menschen, wofür er 1930 den Nobelpreis erhielt. Durch seine Unterscheidung der vier bekannten Blutgruppen wurden Bluttransfusionen möglich.
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Erwin Schrödinger, Physiker (1887 Wien – 1961 Wien)
1933: Nobelpreis für Physik
Nach dem Studium der Physik an der Universität Wien (Promotion 1910) war Schrödinger von 1911-1920 Assistent am II. Physikalischen Institut. 1914 wurde er Privatdozent für Theoretische Physik. Er erhielt 1920 den Titel eines Außerordentlichen Universitätsprofessors der Universität Wien. 1933 erhielt er gemeinsam mit Paul Adrien Maurice Dirac (GB) den Nobelpreis für die Entdeckung von Prinzipien zur Entwicklung der Atomtheorie. 1936-1938 war er Honorarprofessor, 1956-1958 Ordentlicher Professor (Ordinarius Extra-Status) für Theoretische Physik an der Universität Wien.
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Viktor Franz Hess, Physiker (1883 Schloß Waldstein – 1964 Mount Vernon, USA)
1936: Nobelpreis für Physik
1906 begann Hess seine Tätigkeit an der Universität Wien am II. Physikalischen Institut. 1910-1920 war er Privatdozent und Assistent am neu gegründeten Institut für Radiumforschung der Universität Wien. Bei Fahrten mit Freiluftballons in bis zu 5000 Meter Höhe entdeckte Hess 1912 die aus dem Weltraum kommende kosmische Strahlung, wofür er 1936 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde – gleichzeitig mit Carl David Anderson. Seine Entdeckung beeinflusste die Kernforschung ebenso wie die Weltraumforschung. 1919 erhielt Hess den Titel eines Außerordentlichen Universitätsprofessors der Universität Wien.
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Otto Loewi, Physiologe und Pharmakologe (1873 Frankfurt a.M. – 1961 New York)
1936: Nobelpreis für Medizin
1905 wurde Loewi Assistent am Institut für Pharmakologie der Universität Wien. Von 1906-1909 war er als Außerordentlicher Professor der Pharmakologie tätig. Hier arbeitete er an der Erforschung des Kohlenhydratstoffwechsels sowie des vegetativen Nervensystems. 1936 erhielten Otto Loewi und Sir Henry Hallett Dale (GB) den Nobelpreis für ihre Entdeckungen bei der chemischen Übertragung der Nervenimpulse auf Organe. Der Nachweis, dass Muskelbewegungen nicht mechanisch, sondern durch die Einwirkung chemischer Stoffe erfolgen, war für die praktische Medizin und die weitere Forschung von großem Nutzen.
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Konrad Lorenz, Biologe (1903 Wien – 1989 Wien)
1973: Nobelpreis für Medizin
Nach dem Studium der Medizin (Promotion 1928) war Lorenz Assistent am II. Anatomischen Institut der Universität Wien. Gleichzeitig absolvierte er das Studium der Zoologie (Promotion 1933). 1937-1940 und 1948-1950 war Lorenz als Privatdozent für Zoologie mit besonderer Berücksichtigung der vergleichenden Anatomie und Tierpsychologie an der Universität Wien tätig. Er begründete die vergleichende Verhaltensforschung, die sich als eigenständiges Fachgebiet etablierte. 1973 erhielten Konrad Lorenz, Karl von Frisch (D) und Nikolaas Tinbergen (NL) den Nobelpreis für ihre Entdeckungen zur Organisation und Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern. 1974 wurde er Honorarprofessor für vergleichende Verhaltensforschung an der Universität Wien.
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» zur Diskussion über seine Involvierung in den Nationalsozialismus vgl. Braune Flecken am Frackhemd, Online-Zeitung der Universität, 16. Juli 2003 und 8. Jänner 2002
Friedrich A. von Hayek, Nationalökonom (1899 Wien – 1992 Freiburg im Breisgau)
1974: Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften (Promotion 1921) und der Wirtschaftswissenschaften (Promotion 1923) an der Universität Wien war Hayek von 1929-1931 Privatdozent für politische Ökonomie einschließlich Statistik an der Universität Wien. Mit seinen Arbeiten setzte Hayek die Tradition der Österreichischen Schule der Nationalökonomie fort. 1971 wurde er zum Ehrensenator der Universität Wien ernannt. 1974 erhielten Friedrich August von Hayek und Gunnar Myrdal (SWE) den Nobelpreis für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie und ihre Analysen der wechselseitigen Abhängigkeit von wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Verhältnissen.
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In der Installation "Nobelpreis und Universität - ein Gruppenbild mit Fragezeichen" in der Aula im Hauptgebäude werden die Nobelpreisträger nicht als "versteinerte" Büsten dargestellt, sondern auf Glasstelen mit Porträtfotos. Im Zentrum der Installation befindet sich eine Stele ohne Gesicht, nur mit Fragezeichen: Sie verweist auf all jene WissenschafterInnen, deren Forschungen an der Universität Wien durch die Vertreibung im Nationalsozialismus unterbrochen wurden. Gleichzeitig benennt sie aber auch eine Leerstelle, die bis in die Gegenwart reicht.
Das Konzept der Installation "Nobelpreis und Universität - ein Gruppenbild mit Fragezeichen" wurde vom Atelier Photoglas (Bele Marx & Gilles Mussard) etnwickelt und gemeinsam mit Roger Baumeister, dem Architekten der Universitäts-Neugestaltung umgesetzt, die Texte vom Institut für Zeitgeschichte erarbeitet.
Die Porträtfotos wurden zwischen zwei Glasschichten zu unterschiedlich hohen Stelen verarbeitet, die in Metallbasen fixiert locker in der Nische in der Aula aufgestellt wurden. Für die KünstlerInnen war "die kompositorisch gezielte Disposition der Bildnisse ein wesentliches Raum bildendes Element. Einerseits schließen die verschiedenen Blickrichtungen das Gruppenbild und bekunden werkimmanente Einheit, andererseits ermöglichen sie dem Betrachter von unterschiedlichen Standpunkten aus, sowohl mit einem Einzelbildnis als auch mit der gesamten Bildnisgruppe zu korrespondieren. In der rhythmischen Abfolge von oben und unten, davor und dahinter in der Aufstellung wird eine Dynamik bewirkt, die dem Aufstellungsort grundsätzlich entspricht, denn der Eingangsbereich zählt zu den meist frequentierten Bereichen des Gebäudes, er ist Verteiler aber auch Versammlungsort."
"Eine Serie Lampen mit einem Spiegelsystem ist in den Sockelunterbau integriert. Sie dient der gezielten Lichtinszenierung, die aktiv oder passiv eingesetzt werden kann. Die Wandnische übernimmt einen dualen Aspekt in der Aufstellung, sie ist sowohl Rahmen als auch erweiterter Kunstraum. Sie steht in ambivalenter Form zum Werk, teils als begrenzender Hintergrund, teils als aktive Fläche für die fluktuierenden Schatten-Bild-Projektionen. Das Inkorporieren der durchsichtigen Bildvorlage in Glas verstärkt die „Sichtbarmachung“ des Sujets. Mit der gewonnenen Plastizität einerseits und der transparenten Verpackung der Fotografien andererseits, wird den Portraitbildnissen eine zeitgemäße Präsentationsform verliehen, die eine Möglichkeit herausfordert, die Immobilität des Repräsentationsporträts zu überwinden.
Die Porträtierten selbst sind in ihrem jeweiligen Zeitkontext und unterschiedlichen Lebensalter zu sehen. Sie konfrontieren den Betrachter mit einer zeitlichen Distanz und mit einer gewissen Strenge und Würde. Der Gruppenbild-Inszenierung gelingt es, die Distanz zum Betrachter zu relativieren.
Wesentlich dabei ist die Unmittelbarkeit in der Aussage, das bildliche Vergegenwärtigen von außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen in der Vergangenheit, die ebengleich als Motivation für die Zukunft gesehen werden können.
Darauf spielt die sich im Zentrum der Installation befindende leere Stele mit Fragezeichen an. Diese Stele steht ebenso stellvertretend für alle WissenschafterInnen, deren Forschungen an dieser Universität durch die Vertreibung im Nationalsozialismus jäh unterbrochen wurden, aber auch als Verkörperung dieser Leerstelle, die bis in die Gegenwart reicht." (Pressetext, Atelier Photoglas)