Geschichte der Universität Wien

Statue von Rudolf dem Stifter. Foto: Universität Wien

 Am 12. März 1365 grĂĽndet Herzog Rudolph IV. (der Stifter) nach dem Vorbild der Pariser Sorbonne die Universität Wien, die "Alma Mater Rudolphina Vindobonensis", wie sie in literarischen Quellen genannt wird. Die Angehörigen der "universitas magistrorum et scholarium" (der Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden) sind von Steuern und Wehrdienst befreit, sie besitzen eine eigene Kleiderordnung und Gerichtsbarkeit; letztere wird vom Rektor ausgeĂĽbt.

Reformationszeit – Stagnation und Dominanz des Jesuitenordens

Im Zuge der Reformation Martin Luthers ab 1520 erleidet die Universität Wien als "päpstliche Einrichtung" einen starken Prestigeverlust. Durch die erste Türkenbelagerung Wiens (1529), wiederkehrende Seuchen, den wirtschaftlichen Rückgang der Stadt und die vermehrte Konkurrenz der Universitäten sinken die Studentenzahlen.

Sternbild, Andreas Cellarius (1661). Foto: Universität Wien

König Ferdinand I. versucht mit Reformen gegenzusteuern und beginnt die Universität Wien zum katholischen Bollwerk auszubauen. Dazu beruft er 1551 den Jesuitenorden nach Wien und überträgt ihm zwei theologische Lehrkanzeln. In der Folge kommt es zu starken Spannungen und Machtkämpfen zwischen der Jesuitenschule und der Universität. Kaiser Ferdinand II. erlässt 1623 die "Sanctio Pragmatica". Dadurch übernimmt der Jesuitenorden den Lehrbetrieb an der theologischen und philosophischen Fakultät. Die Studentenzahlen steigen wieder kräftig an. Der Jesuitenorden behält für die nächsten 150 Jahre seine dominierende Stellung.

Aufgeklärter Absolutismus: Die Universität als staatliche Lehranstalt

Das Allgemeine Krankenhaus um 1784. Foto: Universität Wien, Universitätsarchiv

Kaiserin Maria Theresia drängt seit der Mitte des 18. Jahrhunderts den Einfluss des Jesuitenordens auf die Universität zurück, da dieser die "weltlichen" Fakultäten zu sehr vernachlässigt hat. Durch die Ausschaltung der Kirche und der universitären Selbstverwaltungseinrichtungen wird die Universität in eine staatliche Lehranstalt umgewandelt. Die Ausbildung von Beamten und Ärzten steht im Vordergrund, nicht aber die Ausbildung von Gelehrten.

Mit der Durchführung der Reformen wird der kaiserliche Leibarzt, Gerard van Swieten, beauftragt. Seine Aufmerksamkeit gilt den medizinischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen. Er führt die Ausbildung der Medizinstudenten am Krankenbett ein und gründet neue Lehrkanzeln – Chemie und Botanik. 1754 wird der Botanische Garten der Universität Wien am Rennweg eröffnet.

Joseph II. setzt die theresianischen Reformen fort. In seiner Regierungszeit werden die akademische Sondergerichtsbarkeit und die Amtstrachten abgeschafft. Als Folge der josephinischen Toleranzgesetzgebung können sich 1778 erstmals Protestanten an der Universität einschreiben, 1782 werden Juden zum Medizin- und Jus-Studium zugelassen. 1783 wird die deutsche Sprache als Unterrichtssprache verpflichtend eingeführt.

1867: "Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei"

Das Revolutionsjahr 1848 hat einschneidende Folgen für die Universität Wien. Studenten fordern Lehr- und Lernfreiheit und ein Ende der Unterdrückung des geistigen Lebens. Der nachhaltigste Erfolg dieses Bestrebens ist der bis heute gültige Artikel 17 im Staatsgrundgesetz: "Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei." Der Unterrichtsminister Leo Graf Thun-Hohenstein reformiert das Bildungs- und Hochschulwesen grundlegend und beruft zahlreiche Professoren nach Wien.

Das neue Hauptgebäude am Ring

Historische Ansicht des Hauptgebäudes. Foto: Universität Wien, Universitätsarchiv

1884 eröffnet Kaiser Franz Joseph I. das nach Plänen von Heinrich von Ferstel erbaute Hauptgebäude der Universität Wien an der Ringstraße. Der historistische Prunkbau ist den berühmten italienischen Universitäten der Renaissance nachempfunden. Der Anspruch, ein all umfassendes, zentrales Universitätsgebäude zu haben, wird nicht erfüllt, von Anfang an finden nicht alle Institute Platz. Die aufstrebende Wiener Medizinische Schule benötigt mehr Raum, bis 1915 entstehen zahlreiche Institutsgebäude in der Nähe des Hauptgebäudes.

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Frauen an der Universität Wien

532 Jahre vergehen seit der Gründung, bevor es 1897 erstmals auch Frauen gestattet ist, sich zum Studium an der Universität Wien, vorerst nur an der Philosophischen Fakultät, einzuschreiben. Die Romanistin Elise Richter – sie inskribierte 1897 – habilitiert sich 1907 als erste Frau an der Universität Wien.

Kriegswirren und Wiederaufbau

Arkadenhof, Erster Weltkrieg. Foto: Universität Wien, Universitätsarchiv

Der Aufschwung der Universität Wien erfährt durch die Wirren des Ersten Weltkriegs eine jähe Unterbrechung: Das Hauptgebäude wird in ein Lazarett umfunktioniert, in dem der Große Festsaal als Speise- und Aufenthaltsraum, der Kleine Festsaal und diverse Hörsäle als Operationsräume genutzt werden.

Die Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre nährt den Boden, der deutschnationales Gedankengut bis hin zu offenem Antisemitismus auch an der Universität aufkeimen lässt. 1938, nach dem "Anschluss" an das Deutsche Reich, wird die "Gleichschaltung" der Universität rasch durchgeführt. Die Folge ist ein wissenschaftlicher Massenexodus: 45 Prozent aller Professoren und Dozenten werden aus politischen oder "rassischen" Gründen entlassen.

Bis Kriegsende wird das Hauptgebäude durch 26 Bombentreffer beschädigt. Das Glasdach des Lesesaals der Bibliothek birst. Die Rote Armee requiriert das Gebäude, aber bereits am 16. April 1945 erreicht der damalige Student Kurt Schubert (1923–2007, Emeritus der Judaistik) die Räumung der Universität. Ende Mai 1945 beginnt trotz Wiederaufbauarbeiten der Vorlesungsbetrieb für das Sommersemester.

Bildungsboom und Expansion

Hörsaalzentrum am Universitätscampus. Foto: Universität Wien

Der freie Universitätszugang in den 1970er Jahre löst einen Bildungsboom aus und hat eine unvergleichliche Expansion der Universität Wien zur Folge. Die steigenden Studierendenzahlen machen Neubauten und Gebäudeadaptierungen notwendig: Neues Institutsgebäude (NIG, 1962), Universitätssportzentrum Auf der Schmelz (1973), Universitätszentrum (UZA) I, AlthanstraĂźe (1982), Juridicum (1982), Betriebswirtschaftliches Zentrum, BrĂĽnner StraĂźe (1991), Vienna Biocenter, Dr.-Bohr-Gasse (1992), UZA II, AlthanstraĂźe (1995), Campus der Universität Wien auf dem Gelände des ehemaligen Allgemeinen Krankenhauses (1998), Hörsaalzentrum am Campus der Universität Wien (2003).

21. Jahrhundert: Neuorganisation – Status quo

Mit dem Universitätsgesetz 2002 werden die Universitäten in autonome Institutionen mit mehr Eigenverantwortung und Leistungsorientierung umgewandelt. FĂĽr die Universität Wien hat dies eine völlige Neuorganisation zur Folge: Die Medizinische Fakultät wird mit 1. Jänner 2004  als eigene Universität ausgegliedert. Derzeit setzt sich die Universität Wien aus 15 Fakultäten und vier Zentren zusammen. 91.000 Studierende können aus ĂĽber 180 Studienangeboten auswählen. Rund 9.400 MitarbeiterInnen, davon 6.700 WissenschafterInnen, arbeiten an ĂĽber 60 Standorten der Universität Wien.

Weitere Informationen zur Geschichte der Universität Wien auf der Website des Universitätsarchivs.