Hintergrund
Im Jahr 1897 wurden erstmals Frauen an der Universität Wien zum Studium zugelassen. 2007 wurde „110 Jahre Wissenschafterinnen an der Universität Wien“ gefeiert, zugleich wurde der Romanistin Elise Richter gedacht, die sich 1907 als erste Frau an einer österreichischen Hochschule habilitiert hatte. Ziel der damals realisierten Ausstellung der Abteilung Frauenförderung und Gleichstellung „Frauen. Leben. Wissenschaft. 110 Jahre Wissenschafterinnen an der Universität Wien“ war, nicht nur die Leistungen von Frauen an der Universität Wien sichtbar zu machen, sondern auch eine dauerhafte Installation an der Universität zu initiieren. So wurde dieses Thema zum Gegenstand des Kunstwettbewerbs BIG ART der Bundesimmobiliengesellschaft, in welchem das Projekt "Der Muse reicht's" von Iris Andraschek ausgewählt wurde.
Die einzige Frauendarstellung im Arkadenhof der Universität Wien ist die Figur der Kastalia, die Nymphe der kastalischen Quelle, eine nunmehr genau hundertjährige Skulptur des Bildhauers Edmund Hellmer aus dem Jahr 1909.
Die mythische Figur der Kastalia hütete einst die nach ihr benannte Quelle im Apollo-Tempel in Delphi, die den Musen geweiht war und deren Wasser Dichtung und Weisheit inspirierte. Für die Kastalia-Figur, die in züchtiger Haltung verharrt und artig ihre Hände in den Schoß legt, entwarf Iris Andraschek einen Schatten, der sich in kämpferischer Pose von der Statue emanzipiert.
Neben der Kastalia stehen 154 Ehrenbüsten und -tafeln für männliche Wissenschafter einer einzigen Gedenktafel für eine Frau – Marie von Ebner-Eschenbach – gegenüber. Die Literatin (1830 – 1916) konnte allerdings gar nicht für wissenschaftliche Verdienste im Rahmen einer universitären Karriere geehrt werden, denn zu ihrer Zeit durfte sie als Frau nicht studieren; erst später wurde ihr von der Universität Wien die Ehrendoktorwürde verliehen.
Mit „Der Muse reicht’s“ wird somit eine Neuinterpretation der vorhandenen Zeichensetzungen initiiert.





