AG Wissenschaftstheorie

AG Wissenschaftstheorie

Beschreibung
Diese Arbeitsgruppe hat sich konstituiert, um den theoretischen Austausch zwischen den verschiedenen Disziplinen zu intensivieren. Inhalt ist es einerseits fachspezifische Theorien und andererseits für einen selbst bedeutende Metatheorien den anderen Fellows vorzustellen, zu diskutieren sowie dessen Brauchbarkeit in Bezug auf das eigene Erkenntnisinteresse zu testen. Darüber hinaus sollen zu besonders intensiv diskutierten Theorien interne und externe Referenten geladen werden. Über die Präsentation eigner theoretischer Anwendungen wird ein konkreter praktischer Bezug zu den jeweiligen Forschungsprojekten hergestellt.

Erstes Treffen
Im ersten Treffen am 19. Juni 2017 widmete sich die AG dem Thema „Was ist Historik? Von der Historik von Droysen zur Historik von Rüsen“. Auf der Basis von Johann Gustav Droysens „Grundriss der Historik“ und Jörn Rüsens „Ursprung und Aufgabe der Historik“ wurde versucht einen Bogen von der Interpretation des Begriffs in Zeiten der Konstitution der Geschichtswissenschaft hin zur gegenwärtigen Interpretation zu schlagen. Nach einer kurzen Einführung in die Grundthematik wurde die geforderte Methode beider Texte intensiv diskutiert. Hierbei wurde Droysens historische Methode als elementar und grundlegend aber auch als ausbaubar in Bezug auf historische Erkenntnis wahrgenommen. Ihrer klaren und eingängigen Struktur war es gerade in einem von Positivismus geprägtem wissenschaftlichen Umfeld geschuldet, dass lange keinen Bedarf an neuen bzw. erweiterten Methoden geweckt wurde und sich in der historischen Forschung erst im Laufe des 20. Jahrhunderts andere Perspektiven entwickelten. Ähnliche ‘Innovationsstaus’ scheinen in Teilen der Altertumswissenschaften aktuell ebenfalls vorhanden zu sein. Die Thesen von Jörn Rüsen wurden als zentrale Weiterentwicklung der Definition von Historik empfunden. Welche in ihrer Forderung nach Selbstreflexion als sehr gewinnbringend für jegliche wissenschaftliche Forschung angesehen wurde. Diese Redefinition der Historik (und ihrer Methode) in Bezug auf den Umgang der Geschichtswissenschaft bzw. der Wissenschaft ‘mit sich selbst’ bzw. mit ihren Zugängen zur Schaffung von wissenschaftlicher Erkenntnis stellt ein umfassendes Modell der Entwicklung von Wissenschaft und Forschungsgeist dar. Die enormen Potentiale, welche sich aus einer Integration dieser „disziplinären Matrix“ in den wissenschaftlichen Alltag durch die damit einhergehende kontinuierliche Selbstreflexion der Wissenschaft, wurde von allen Anwesenden gesehen. Da die einhellige Meinung der anwesenden war, dass diese Reflexion in den meisten Disziplinen zu selten oder nicht in ausreichendem Maße geschehe. Im Zuge dieser Auseinandersetzung kam auch die Diskussion auf, ob von Wissenschaft im Singular oder im Plural zu verwenden sei. Diese dann aus zeitlichen Gründen abgebrochene Diskussion möchten wir hier auch gerne explizit in den Raum stellen!!!

Nächstes Treffen
Auch in unserem nächsten Treffen (Datum und Raum steht leider noch nicht fest) wollen wir uns mit dem Großthema der Historie beschäftigen. Der Grundlagentext für den nächsten Termin ist: White, Hayden: Introduction: The Poetics of History. In: Metahistory: the historical imagination in nineteenth-century Europe (Baltimore 1973), pp. 1-42.
z.B. hier online verfügbar:

Wir freuen uns auf weiter Teilnehmer und Interessenten sowie auf Diskussionsbeiträge.
Nora Kuch, Alexander Marx, Korbinian Grünwald