Sophie Mayr: Erzählmethoden der Autorinnen-Biographie am Beispiel der Fotografie

Sophie Mayr: Erzählmethoden der Autorinnen-Biographie am Beispiel der Fotografie

Im Rahmen der Reihe „Projektvorstellung“ bekommen VDA-Fellows die Möglichkeit, ihr Dissertationsprojekt öffentlich und auf zugängliche Weise anhand von 3 Fragen vorzustellen. Heute dürfen wir Sophie Mayrs Forschung näher kennenlernen. Sie ist Projektmitarbeiterin am Institut für Vergleichende Literaturwissenschaft. Betreut wird ihre Dissertation von Achim Hölter und Wilhelm Hemecker.

Ich untersuche in meiner Dissertation „Erzählmethoden der Autorinnen-Biographie am Beispiel der Fotografie“ Rolle und Funktion von Fotografien in den Biographien von Autorinnen des 20. Jahrhunderts, denn diese beeinflussen die Rezeption und prägen das Image der porträtierten Autorin genauso wie allgemeine Sichtweisen darüber, was eine Schriftstellerin ausmacht.

Frage 1: Wie würdest Du Dein Projekt einem 10-jährigen Kind erklären?

Frage 2. Was war deine Motivation, Dich bei der VDA zu bewerben?

Mir gefiel vor allem der interdisziplinäre Ansatz sehr gut, da ja auch mein Projekt keine „klassische“ Literaturwissenschaft ist, sondern genauso der Biographieforschung, der Bildwissenschaft und den Gender Studies zuzuordnen ist. Der Austausch mit anderen Dissertant_innen, die sich auch in mehreren wissenschaftlichen Disziplinen verorten, erschien mir fruchtbar. Vor allem Fragen hinsichtlich der Methoden unterscheiden sich oft stark – trotz verwandter Fächer. Sich von diesen Unterschieden nicht verwirren zu lassen, sondern sie als Anregung zu sehen, finde ich spannend. Natürlich ist auch die Möglichkeit zur Vernetzung in der wissenschaftlichen Community ein wichtiger Punkt. Gerade wenn man am Beginn der eigenen Forschung steht, ist es gar nicht leicht, Kontakte zu anderen Wissenschafter_innen zu knüpfen. Die VDA sollte mir diese „Anbahnungen“ erleichtern.

Frage 3. Welche*r Wissenschaftler*in/Forscher*in hat dich auf deinem Weg am meisten beeindruckt/beeinflusst/inspiriert/begeistert?

Diane Middlebrook (1939-2007). Sie war nicht nur eine erfolgreiche Biographin sondern auch Mitbegründerin der Feminist Studies an der Stanton University, an der sie lange unterrichtete. Middlebrook veröffentlichte 1991 eine Biographie über die Dichterin Anne Sexton, die zur Confessional Poetry gezählt wird. Dass sie als Quelle unter anderem mehr als 300 Stunden Audiomitschnitte von Sitzungen Sextons mit ihren Therapeut_innen nahm, wurde stark kritisiert. Zu Recht – wie ich finde. Middlebrooks Herangehensweise veranschaulicht das Dilemma, dem sich ein_e Biograph_in Tag für Tag aussetzt: Voyeurist_in, Chronist_in oder beides?

Middlebrook ist außerdem Verfasserin der fantastischen Sylvia Plath Biographie Her Husband. Ted Hughes & Sylvia Plath. A Marriage, erschienen im Jahr 2003. Dieses Buch ist nicht nur hervorragend recherchiert und fesselnd geschrieben, es spiegelt auch klar den feministischen Background der Biographin wider. Middlebrook zeigt, wie das Dichter-Ehepaar Plath/Hughes gemeinsam arbeitet, sich wechselseitig inspiriert und anspornt. Sie zeigt dadurch die Komplexität von literarischen Entstehungsprozessen und dekonstruiert die in anderen Plath-Biographien häufig wiederkehrenden Annahmen, die unterschiedlicher nicht sein könnten:  Plath verdanke ihre Autorinnenschaft Hughes oder Plath wäre ein Opfer des durch Hughes personifizierten Patriarchats gewesen.

Literatur:

Middlebrook, Diane: Anne Sexton. A Biography. Boston: Houghton Mifflin 1991.

Middlebrook, Diane: Her Husband. Ted Hughes & Sylvia Plath. A Marriage. New York: Viking 2003.

(Sophie Mayr, 31.10.2017)