Bernhard Oberreither: Materialität und Fetischismus in der Prosa Paulus Hochgatterers

Bernhard Oberreither: Materialität und Fetischismus in der Prosa Paulus Hochgatterers

Im Rahmen der Reihe „Projektvorstellung“ bekommen VDA-Fellows die Möglichkeit, ihr Dissertationsprojekt öffentlich und auf zugängliche Weise anhand von 3 Fragen vorzustellen. Heute dürfen wir Bernhard Oberreithers Forschung näher kennenlernen. Er ist Mitarbeiter am Institut für Germanistik. Betreut wird seine Dissertation von Konstanze Fliedl.

Frage 1: Wie würdest Du Dein Projekt einem 10-jährigen Kind erklären?

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben: Wir mögen nicht nur unsere Eltern, unsere Freundinnen und Freunde, die Großeltern und so weiter, wir mögen auch: Dinge. Was nämlich diese Leute können – uns ein Gefühl der Geborgenheit geben, uns den Rücken stärken, uns die Zeit vertreiben, Erinnerungen wecken, uns trösten und ablenken – das können zum Beispiel auch unsere Lieblingsjacke, ein neues Smartphone, unser Fahrrad und unsere Schuhe, Souvenirs und Geschenke, die wir aus dem Urlaub mitgebracht haben, die Ausrüstungsgegenstände, die wir für unsere Hobbys und unseren Lieblingssport brauchen, und so fort. Darüber, dass die Dinge so wichtig sein können, haben sich verschiedene Leute lange Zeit furchtbar aufgeregt: Es sei nicht in Ordnung, wenn die Dinge sich so in unser Leben drängen; unsere Beziehungen sind eigentlich für Menschen reserviert, ‚in Wirklichkeit‘ sind die Dinge ganz nebensächlich, schlimmer noch: Die Dinge täuschen uns über die Wirklichkeit hinweg, über das, was zählt.

Ich schreibe über einen Autor, der sich damit – mit der Wichtigkeit der Dinge – auskennt. Paulus Hochgatterer schreibt Bücher, in denen Leute mit ihren Ausrüstungsgegenständen, ihrer Kleidung, ihren Erinnerungsdingen vorkommen; und in denen ganz genau gezeigt wird, welchen Zweck diese Dinge haben: wie die Dinge etwas mit den Menschen machen, denen sie gehören, wie die Menschen Wünsche und Forderungen an die Dinge stellen, wie die Dinge manchmal im Weg sind, und wie sie zeigen, was an den Menschen verborgen ist.

Frage 2: Was war deine Motivation, dich bei der VDA zu bewerben?

Veranstaltungen, Reiseförderungen, ein Blog – die VDA bietet schöne Gelegenheiten, immer wieder aus der selbstgewählten Isolation auszubrechen, in die man sich beim Verfassen längerer Arbeiten ganz automatisch begibt.

Frage 3: Welche*r Wissenschaftler*in/Forscher*in hat dich auf deinem Weg am meisten beeindruckt/beeinflusst/inspiriert/begeistert?

Es ist vor allem eine bestimmte Herangehensweise, die mich bei der Behandlung literatur- und kulturwissenschaftlicher Themen interessiert, eine Haltung zum Objektbereich der Forschung, die sich an zahllosen Exponenten der Forschung beobachten lässt (prominent etwa an den Vertretern des New Historicism und ihrer Nachfolger): Gemeint ist der Anspruch (und die Zuversicht), an abgelegenen Orten, jenseits von disziplinären, thematischen oder Textsorten-Grenzen, abseits der Einschränkungen, die mit bestimmten Literatur- und Kanonbegriffen einhergehen, an den populären oder obskuren Rändern des Diskurses, im Zufälligen und Anekdotischen Dinge (Texte) zu finden, die das Verständnis eines literarischen Textes bereichern können.