Podcast TheOHRie #1: Das Ende der Natur? Leben im Anthropozän

Podcast TheOHRie #1: Das Ende der Natur? Leben im Anthropozän

„TheOHRie“ ist eine Podcastreihe der VDA Theory and Methods in the Humanities. Monatlich sprechen DoktorandInnen der Uni Wien über in und neben der Forschung wichtige Themen, begleiten und dokumentieren Podiumsdiskussionen, Forschungsgespräche, Tagungen oder lassen hörend teilhaben an angeregten Kabinettgesprächen zwischen Philologie, Geschichte und Kulturwissenschaften. Gegenstand des ersten Podcasts ist die dritte Podiumsdiskussion der neuen Veranstaltungsreihe UMWELT IM GESPRÄCH:„Das Ende der Natur? Leben im Anthropozän“. Die VDA-Fellows Luisa Drews und Stephanie Langer waren vor Ort und betrachten in Bildern, Text (Langer) und gesprochenem Wort (Drews) zwischen O-Tönen, welche Themen den Abend dominierten.
In der nächsten Folge führen Fellow Anastassiya Schacht und Nora Kuch ein Kabinettgespräch über Schriftlichkeit.

Das Ende der Natur? Leben im Anthropozän.

 

Haben wir das Holozän verlassen? Ist ein neues Erdzeitalter angebrochen? Ein Erdzeitalter, in dem der Mensch so massiv in das Lebenssystem des Planeten Erde eingegriffen hat, dass er sich deren Schichten so langfristig „einschreibt“, dass man die Spuren seines Tuns noch in Jahrtausenden wird sehen können? Die Forschung bejaht diese Fragen inzwischen: Wir leben in einem neuen Erdzeitalter, dem Anthropozän.

Die Diskussion um das Anthropozän ist eine, die auch die Kulturwissenschaft umtreibt. Diese begreift das Anthropozän als mehrfache Herausforderung an das Denken. Zunächst sprengt die Konzeption des Anthropozäns unsere Erfahrung von Zeit: Als Begriff, der ursprünglich aus der Stratigraphie stammt, weist es sowohl in die Tiefenzeit der Erdgeschichte als auch in eine tiefe Zukunft, die weit über die gewohnten Überlegungen zu der Welt, die wir „unseren Kindern und Enkeln hinterlassen werden“ hinausreicht. Dann wird mit der Diskussion um das Anthropozän eine Neukonzeption von „Natur“ nötig: Eine unberührte, wilde Natur gibt es nicht, Natur ist immer schon berührt, angefasst, beeinflusst. Natur geht aber auch nicht mehr in der Dichotomie Natur/Kultur auf, wie sie sich mit der Aufklärung etabliert, sondern entzieht sich der Festschreibung als unbelebt und gesetzmäßig. Mit dem Anthropozän werden Wandlungsprozesse im Lebenssystem der Erde nicht mehr als ausschließlich gradual (wie es die Naturforschung des 19. Jahrhunderts definiert), sondern auch als plötzlich, abrupt, katastrophisch erfahren.

Zum Anthropozän als „Ende der Natur“ fand am 17. April 2018 im Rahmen der Vortragsreihe „Umwelt im Gespräch“des Forschungsverbundes Umwelt der Universität Wien in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Wien eine von Eva Horn organisierte Podiumsdiskussion statt. Im Zentrum dieser Diskussion standen Fragen nach dem Umbruch im Verhältnis von Mensch und Natur, für die der Begriff des Anthropozäns steht.

Drews/Langer/Lengauer
Lizenzinhaberin: Luisa Drews
Verwendete Sounds: YouTube Audiobibliothek, Kostenlose Soundeffekte „Flies Buzzing and Circling“, „Jungle Atmosphere Afternoon“, „Small Stream Flowing“, „Thunder with Birds and Flies“