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Archäometallurgie
Mag. Ing. Mathias Mehofer
Metallographisch - technotypologische Untersuchung metallurgischer
Erzeugnisse und ihrer Nebenprodukte
Die Rekonstruktion und Beschreibung des Zustandekommens von
Befunden und Funden stellt eine der zentralen Arbeitsweisen in der
archäologischen Forschung dar. Die Charakterisierung und Einordnung eines
archäologischen Fundgegenstandes durch typologische Merkmale orientiert sich
dabei oft an formenkundlichen Merkmalen, ohne Einflüsse des
Herstellungsmaterials wie auch des Herstellungsprozesses zu beachten. Ziel der
archäometrischen Untersuchung ist es, der herkömmlichen morphologischen
Typologie eine Technotypologie gegenüberzustellen.
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Die Bearbeitung von Metallen durch Gießen, Schmieden,
Glühen, Kalt-hämmern und andere Arbeitstechniken hinterlässt im fertigen
Werkstück charakteristische Gefüge, die am polierten und geätzten
Anschliff identifiziert werden können.
Dabei festgestellte
technotypologische Merkmale können zur Definition der Qualität und
Beschreibung des Herstellungsprozesses von Einzelstücken dienen.
Auch
die Gruppierung von Ensembles, im Idealfall die Identifizierung von
Werkstätten oder Technologiekreisen ist möglich. |
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Leobersdorf - awarischer Riemenbeschlag:
Querschnitt einer Vertiefung am Beschlag, deformierte
Dendritenästchen lassen auf Kaltverformung schließen, die
deutlich zu erkennende Vergoldung ist nicht beschädigt, d.
h. die Verformung erfolgte noch vor der Vergoldung.
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Leobersdorf - awarischer Riemenbeschlag:
die körnige Struktur der Vergoldung mit darunter
liegender Korrosion ist zu erkennen, die granulare
Struktur ist ein Hinweis auf Amalgamierung bei niedriger
Temperatur (sog. Feuer-vergoldung).
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Bei großen Fundposten wird zunächst eine
morphologische Gliederung vorgenommen.
Beispielsweise werden Schlacken in Laufschlacken,
Ofenschlacken, Schmiedeschlacken, Recyclingschlacken und andere
Typen nach ihrem Aussehen gegliedert, wobei technotypologische
Kriterien wie Fließstruktur, Porigkeit, Dichte und Ähnliches
berücksichtigt werden.
Die Probenentnahme erfolgt an charakteristischen
Stellen der Stücke. Wesentlich dabei ist die Art der Fragestellung,
die durch die Auftraggeber formuliert wird.
Der fertige Schliff kann jederzeit für weitere
metallographische Untersuchungen und chemisch- physikalische
Analysen verwendet werden. Bei Detailfragen und in jenen Fällen, in
denen weiterführende Analytik nötig wird, ist VIAS -
Archäometallurgie bemüht, diese zu vermitteln und entsprechende
Analyseresultate in das Gesamtergebnis einzuarbeiten. |
Die technotypologische Auswertung bedient sich der Methoden der
klassischen Metallographie und Erzmikroskopie, erweitert durch die Beschreibung
typischer Merkmale der Verarbeitung archäologischer Metalle, wie sie in der
modernen Materialkunde natürlich nicht vorkommen. Zur Definition und Erforschung
dieser Merkmale betreibt VIAS - Archäometallurgie Experimentreihen zur
prähistorischen Metalltechnologie.

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Es ist daher nicht nur der direkte Vergleich
archäologischer Metallartefakte mit ähnlichen Gegenständen verschiedener
Fundorte und Zeitepochen möglich, sondern auch die Gegenüberstellung des
archäologischen Originals mit Schliffen aus einer umfangreichen Sammlung
von auf experimental-archäologischem Weg gewonnenen Vergleichsproben.
In
vielen Fällen können auf diese Weise detaillierte
Prozess-Rekonstruktionen erstellt werden. |
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Wilfersdorf - Griffplattendolch - Schneide:
die im Gefüge vorhanden "Zwillinge" (parallele Linien)
lassen auf oftmaliges Kalthämmern und anschließendes Glühen
zum Spannungsabbau während des Produktionsvorganges
schließen.
(Klicken Sie auf die Abbildung, um diese zu vergrößern).
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Die abschließende Auswertung ist eine technologische, d. h. die
Verfahrensschritte, die zur Entstehung eines Artefaktes führten, werden
beschrieben. Die zugehörige Dokumentation besteht aus einem Auswertungstext, der
Technologiebeschreibung, Ergebnissen der Härteprüfung (bei Metallen) und
metallographischen Schliffbildern, die mittels digitaler
Bildverarbeitungsprogramme ausgewertet werden.
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Gusen- Sax - Inv. Nr. A - 10.103, Gesamtansicht
zeigt Kohlenstoff- und Schlackenverteilung (Nital) sowie die
Härtemessung. Schematische Darstellung des Querschliffes, an weiches
Trägermaterial wurde eine kohlenstoffhältige Klinge angesetzt und
einer Härtung unterzogen.
Klicken Sie auf die Abbildung, um diese zu vergrößern. |

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