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Archäometrische Keramikuntersuchungen
Archäometrische Keramikanalysen sind ein aussagekräftiges Werkzeug für die Kontrolle antiquarischer Gliederungsverfahren, da sich historisch interpretierbare Keramikgruppen auch in der Materialstruktur niederschlagen. Unter den am häufigsten angewandten Methoden der archäometrischen Keramikanalyse liefern, neben den Analysen im Rasterelektronenmikroskop, die Dünnschliffuntersuchungen Informationen zur Mikrostruktur der Keramik und beantworten dadurch neben der Materialzusammensetzung auch Fragen zur Töpfertechnologie. Ein Dünnschliff ist eine 0,03 mm dicke Keramikprobe zwischen zwei Glasplättchen, die unter dem Polarisationsmikroskop untersucht wird. Für die Anfertigung eines Dünnschliffes wird ein ca. 2x4 cm großes Keramikstück benötigt.
Dünnschliffanalysen können Erkenntnisse zu folgenden Fragestellungen liefern:
Die Interpretation der Dünnschliffanalysen bringt neben diesen primären Ergebnissen auch Erkenntnisse zu Wirtschaft und Handel, zur Weitergabe und der Ausbreitung von Technologien und - letztendlich - zur Frage von Beständigkeit und Varianz gesellschaftlicher Zeichen. Die Dünnschliffanalysen können um drei Schwerpunkte aufgebaut werden 1. Die Analysen der Materialtypologie beruhen in erster Linie auf der
Identifizierung und dem Vergleich der in den Dünnschliffen gefundenen Minerale
und Gesteinsbruchstücke. Die Identifizierung erfolgt mittels
Polarisationsmikroskopie, basierend auf den Erkenntnissen der optischen
Mineralogie. Die Mineralzusammensetzung der Dünnschliffe wird verglichen und
dient als Grundlage für die Strukturierung des Keramikmaterials. 2. Bei den Herkunftsanalysen werden die mikroskopischen Merkmale der archäologischen Keramik mit jenen der (zu Keramik ausgebrannten) Tonproben aus vermuteten Tonquellen verglichen. Oft werden allerdings nur geologische Karten für Herkunftsanalysen herangezogen. Dabei bleibt es fraglich, ob diese Karten für die Zwecke der Herkunftsanalyse detailliert genug sind; weiters geben die Karten in der Regel keine Auskunft über die Zusammensetzung jüngerer Sedimente, wie z.B. Auelehme, die aber sehr wohl für die Keramikherstellung in ur- und frühgeschichtlicher Zeit verwendet wurden. 3. Bei töpfertechnologischen Untersuchungen spielt die quantitative Erfassung der Gefügemerkmale (Textur) die wichtigste Rolle. Hier werden die Größe, der Abrundungsgrad, die Ausrichtung und die Häufigkeit der nichtplastischen Bestandteile ("Magerung") sowie der Poren erfaßt und die Merkmale der Tonmatrix dokumentiert. Mit Hilfe dieser Daten können Rückschlüsse auf die angewandte Töpfertechnologie, z.B. bezüglich der Aufbaumethoden oder der Standardisierung der Keramikproduktion gezogen werden. Die Untersuchungen zur Tonzusammensetzung, Tonherkunft und Töpfertechnologie öffnen ein Fenster zu den selten untersuchten Rahmenbedingungen des Töpferhandwerkes. Wie viele Tonlagerstätten, Magerungsmethoden, Aufbaumethoden, Brenntechniken waren zu einem Zeitpunkt in Verwendung? Kann man mehrere, mit unterschiedlichen Technologien arbeitende Töpfer vermuten? Ändert sich die Struktur des Töpferhandwerks während der Benützungszeit der Fundstelle? Um die Aussagekraft der archäometrischen Keramikanalysen optimal ausschöpfen zu können, ist es einerseits wünschenswert, Dünnschliffuntersuchungen an Keramik einer archäologischen Periode an mehreren Fundstellen durchzuführen, um Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede zwischen der Keramik verschiedener Regionen oder verschiedener Siedlungstypen feststellen zu können. Andererseits ist es wichtig, von einem Fundort Keramik aus mehreren Perioden archäometrisch zu bearbeiten, um den Umgang von Menschengruppen mit ihrem Umfeld und dessen Rohstoffquellen zu untersuchen bzw. um Änderungen in diesem Bereich erfassen und dokumentieren zu können. Der Forschungsbereich "Archäometrische Keramikanalysen" am VIAS steht zur Zeit in Kooperation mit Institutionen aus mehreren Mittel- und Osteuropäischen Ländern und bearbeitet Keramikfunde vorwiegend aus dem Frühmittelalter (1, 2, 3), aber auch aus der Spätantike (3) und aus prähistorischem Kontext (4, 5). Neben den Analysen im angewandten Bereich wird auch an der Verbesserung der angewendeten Methoden (6) gearbeitet. Eine Auswahl aktueller Projekte: 1. Die Prunkkeramik der Karolingerzeit von verschiedenen Fundorten in Österreich, Tschechien, Bulgarien und Ungarn Auftraggeber: 2. Die frühmittelalterlichen Keramikfunde der Grabungen 1993-1997 - Gars-Thunau (Niederösterreich) Projektleitung: 3. Archäometrische Analysen römerzeitlicher und spätantiker Keramik aus dem Gräberfeld von Halbturn (Burgenland) Auftraggeber: Eine Auswahl bereits abgeschlossener Projekte: 1. "Technology through Micromorphology" - Projekt zur Verbesserung der Objektivität der mikromorphologischen Auswertung von Dünnschliffen mit Hilfe von Analysen am Rasterelektronenmikroskop Projekt durchgeführt am 2. Archäometrische Analysen La Tène - zeitlicher Keramik aus Schwarzenbach (Niederösterreich) Auftraggeber: 3. Archäologische und archäometrische Anaysen der frühmittelalterlichen Keramik von Zillingtal (Burgenland) Auftraggeber: Publikation: 4. Archäometrische Analysen urgeschichtlicher Keramik von Hoyas del Castillo, Pajaroncillo (Cuenca, Spanien) Auftraggeber: Publikation: |